11.06.2019 | 16:31 Uhr Gewalt gegen Schwule und Lesben in Sachsen viel höher als erfasst

In der Kriminalitätsstatistik sind Gewalttaten gegen Schwule, Lebsen und Transgender in Sachsen keine Schwerpunktthemen. Bei einer Befragung nannten Betroffene aber mehr als 1.600 Übergriffe in den letzten fünf Jahren. Wie weit Statistik und Lebenswirklichkeit auseinanderklaffen, zeigt eine Dunkelfeldstudie.

Ein junger Mann hebt seine geballte Faust.
Bildrechte: dpa

Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, trans- und intergeschlechtliche Menschen und queere Menschen (LSBTTIQ*) ist in Sachsen weiter verbreitet, als bisher offiziell bekannt. Das hat die erste Dunkelfeldstudie für Sachsen ergeben. Demnach wurden in den vergangenen fünf Jahren 1.672 Übergriffe vorurteilsmotivierter Gewalt festgestellt. Zudem seien die Befragten 868 Mal beleidigt worden. Elf Prozent der Befragten hatten einen gewaltätigen Vorfall angezeigt. Zum Vergleich: Zwischen 2001 und 2017 zählte der Kriminalpolizeiliche Meldedienst in Fällen politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) im Themenfeld "Hasskriminalität" beim Unterthema "Sexuelle Orientierung" 55 Fälle in Sachsen.

Die Befragten, die eine Anzeige bei der Polizei erstatteten, fühlten sich die meisten (73 Prozent) weniger oder gar nicht gut begleitet. Die Autorin der Studie, Vera Ohlendorf, berichtete von einer extrem niedrigen Anzeigebereitschaft mangels Hoffnung auf professionelle Hilfe seitens der Polizei.

Es zeigt sich Beunruhigendes.

Christian Roßner Verein Rosalinde Leipzig

Es zeige sich "eine gravierende Diskrepanz zwischen den seitens der Polizei erfassten Fällen von Hassgewalt gegenüber LSBTTIQ* einerseits und der durchgeführten Studie andererseits", sagte Christian Roßner vom Leipziger Vorstand des Vereins für queere Begegnung, Bildung und Beratung, Rosalinde. Er verlangte, dass Sachsen aus der vorliegenden Studie Schlüsse zieht und die als "Auftakt zu einer flächendeckenden Sensibilisierung der Mitarbeitenden der Polizei und anderer Sicherheitsorgane" nutzt.

Was ist das für eine Dunkelfeldstudie? Bislang gab es keine Daten darüber, wie hoch die Hasskriminalität gegenüber Schwulen, Lesben und queeren Menschen in Sachsen ist.
Mit der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida wurde die Studie "Gewalterfahrungen von LSBTTIQ* in Sachsen" erstellt. Hauptfrage war, ob und wie die Zahl der von Gewalt bzw. strafrechtlich relevanter Kriminalität betroffenen LSBTTIQ* höher ist, als kriminalstatistisch erfasst.

369 Menschen nahmen an der Befragung teil.

Knapp 10.000 Euro hat die Durchführung gekostet. Das Geld kam bei einer Crowdfunding-Kampagne von 150 Einzelspendern zusammen. Damit konnte die Studie unabhängig von Auftaggebern durchgeführt werden.

Der Co-Autor der Studie, Martin Wunderlich nennt dafür konkrete Schritte: bereits in der Polizeiausbildung stattfindende Sensibilisierung zum Leben queerer Menschen, sachsenweit spezielle Ansprechpartner bei der Polizei und mehr Zusammenarbeit der Polizei mit queeren Vereinen. "Damit sind die Stellschrauben ganz klar aufgeführt, an denen wir alle drehen müssen, um Vertrauensbarrieren abzubauen."
Bislang hatte die sächsische Regierung keinen Handlungsbedarf gesehen, Polizeibeamte speziell zur Hasskriminalität gegenüber Schwulen, Lesben und Transgender zu schulen.

Quelle: MDR/sm/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.06.2019 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

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11 Kommentare

12.06.2019 13:29 Fakt 11

>>Ekkehard Kohfeld, #10:
"..ich roll mich gerade vor Lachkrämpfen unter den Teppich."<<
--------
Ja, geht mir auch immer so, wenn ich Ihre Rechtschreibkünste sehe.

12.06.2019 12:55 Ekkehard Kohfeld 10

@ Fakt 8 Wo haben Sie denn den Quatsch gelesen, dass man etwas erduldet, mit dem man "nicht einverstanden" ist?
Definition laut Duden:
to|le|rant (duldsam; nachsichtig; weitherzig)
^^^^^^^^

Der ist echt gut ich roll mich gerade vor Lachkrämpfen unter den Teppich.
HAHAHAHAHAHAHAHA aua mein Zwerchfell.Bitte aufhören Krause das tut doch weh.
Wie kann man sich nur so ein Eigentor schießen :-))))))

[Liebe Nutzer, erdulden wird laut duden.de folgendermaßen beschrieben: "etwas (Unangenehmes, Schweres, Schreckliches) mit Geduld und Tapferkeit auf sich nehmen, über sich ergehen lassen" Nutzen Sie gern andere Wörter, wenn sie das Verb unterschiedlich interpretieren. Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

12.06.2019 12:36 Ekkehard Kohfeld 9

@ Fakt 8
Wo haben Sie denn den Quatsch gelesen, dass man etwas erduldet, mit dem man "nicht einverstanden" ist?
Definition laut Duden:
##
Und was der Duden sagt ist Gesetz oder was sie sagen lieber Krause?
Und das steht sogar "duldsam" drin,sie sollten vielleicht mal das lesen was sie selber schreiben.:-)Ich lach mir einen Ast:-)

12.06.2019 09:57 Fakt 8

>>frank d, #6:
"Toleranz bedeutet etwas hinnehmen, erdulden mit dem man nicht einverstanden ist."<<
--------
Wo haben Sie denn den Quatsch gelesen, dass man etwas erduldet, mit dem man "nicht einverstanden" ist?
Definition laut Duden:
to|le|rant (duldsam; nachsichtig; weitherzig)
Als Synonyme werden genannt: Aufgeklärtheit, Aufgeschlossenheit, Duldsamkeit, Entgegenkommen, Freizügigkeit, Großmut, Großmütigkeit, Liberalität, Menschlichkeit, Nachsicht, Offenheit, Verständnis, Vorurteilsfreiheit, Vorurteilslosigkeit; (bildungssprachlich) Humanität, Indulgenz, Konnivenz

12.06.2019 07:16 Mj 7

@1: jetzt sei mal nicht so, die halbe sa war gay! Auch du, kamerad, darfst so sein wie du bist

12.06.2019 06:42 frank d 6

@3 ganz so einfach ist das mit der Toleranz wohl doch nicht. Toleranz bedeutet etwas hinnehmen, erdulden mit dem man nicht einverstanden ist. Sie schrieben also grade das sie eigentlich dagegen sind alle gleich zu behandeln. Aber grämen sie sich nicht zu sehr das beachtet fast niemand von denen welche das Wort ständig im Munde führen.

11.06.2019 19:42 Peter W. 5

@1: Persönlich angegriffen von dieser Studie bzw. den Berichten darüber können sich ja eigentlich nur die entsprechenden Gewalttäter und ihre Sympathisanten fühlen, nicht wahr? Oder wollen Sie behaupten, das man als Ossi und Bürger 2. Klasse nach 30 Jahren dann wenigstens das Recht haben sollte, Minderheiten und andersartige Menschen zu drangsalieren?

11.06.2019 19:09 frank d 4

@MDR schon speziell diese Argumentationsline, also in einigen Fällen verweist der MDR auf die PKS und lässt daran keinerlei Zweifel gelten, in anderen Zusammenhängen da gehen die Medienschaffenden aber ganz anders aus sich heraus und da kommen auf einmal Opfer zu Wort? Da übernehmen sie dann die Zahlen der Verbände? Ernsthaft ohne einen einzigen Zweifel ? Ach ja die Frage nach den Tätern stellen sie sich kaum nicht wahr wie bei dem Londoner Bus das wäre auch zu Tragisch wenn die Xenophilen die Homophoben schützen? Sapere Aude

11.06.2019 18:23 Vogtländer 3

Dazu fällt mir nur ein Satz ein:
Behandel jeden Menschen, wie du auch selbst behandelt werden möchtest.

Ist eigentlich ganz einfach mit der Toleranz!

11.06.2019 17:51 Radebeuler 2

Bei diesem Artikel habe ich ganz viele Fragezeichen. "... in den vergangenen fünf Jahren 1.672 Übergriffe … Zudem seien die Befragten 868 Mal beleidigt worden. Elf Prozent der Befragten hatten einen gewalttätigen Vorfall angezeigt." "369 Menschen nahmen an der Befragung teil." Würde jetzt bedeuten, dass 41 Menschen von Übergriffen betroffen waren und jeweils über 40 Übergriffe angezeigt haben. Haben sie diese Übergriffe tatsächlich angezeigt oder "nur" in der Befragung angegeben? Um realistische Zahlen von der Polizei zu erfahren, wäre eine Verpflichtung der Opfer zur Angabe ihrer sexuellen Orientierung erforderlich. Den Aufschrei von Datenschützern und diversen Politikern möchte ich mir gar nicht vorstellen. Ich wünsche allen Opfern von Straftaten alles Gute und dass sie das Geschehen gut verarbeiten!

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