Generalstaatsanwaltschaft Fahrradgate: Ermittlungen gegen rund 120 Personen

Sichergestellte Fahrräder in einer Asservatenkammer.
Mehr als 1.000 sichergestellte Fahrräder sollen die Beamten veräußert haben. Bildrechte: dpa

Derzeit laufen drei Ermittlungsverfahren gegen mehr als 100 Personen im Fall des illegalen Verkaufs von sichergestellten Fahrrädern. Wie die Generalstaatsanwaltschaft auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, handelt es sich dabei größtenteils um Angehörige der Polizei. Im Hauptverfahren wird demnach gegen die Asservatsverwalterin sowie zwei Verantwortliche eines Kleingartenvereins ermittelt. Die Vorwürfe lauten Unterschlagung, Verwahrungsbruch, Urkundenfälschung, Betrug, Vorteilsnahme und Bestechlichkeit. Sie sollen über vier Jahre hinweg mehr als 1.000 sichergestellte Fahrräder weiterverkauft haben.

Offenbar mehr als 130 Mitwisser

Im zweiten Ermittlungsverfahren stehen insgesamt 110 Personen im Verdacht der Mittäterschaft. Sie sollen über die illegalen Geschäfte informiert gewesen sein und Fahrräder aus der Asservatenkammer erworben haben. Wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte, befinden sich darunter 68 Mitarbeiter der sächsischen Polizei und zwei Justizbeamte. Ursprünglich waren 135 Personen im Visier der Ermittler. Gegen 25 Beschuldigte sei das Verfahren zwischenzeitlich eingestellt worden. Darüber hinaus werde in einem weiteren Verfahren gegen sechs Angehörige der Polizei wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt. Sie sollen über die Geschäfte informiert gewesen sein, aber nichts dagegen unternommen haben.

Organisierter Verkauf

Eine Polizistin der Polizeidirektion Leipzig wird verdächtigt, von spätestens Januar 2015 bis September 2018 Fahrräder aus der Asservatenkammer unrechtmäßig verkauft zu haben. Im Juli vergangenen Jahres wurde daher Strafanzeige gestellt.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.10.2020 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten

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