Der Fahrradklima-Test 2018 In Sachsen gibt es keine Vorzeigeregion für Fahrradfahrer

Radfahrer sind mit den Bedingungen in den meisten größeren Städten nicht zufrieden. Angst und Stress beim Radfahren nehmen zu. Das sind die wesentlichen Ergebnisse des bundesweiten Fahrradklima-Tests, der am Dienstag vorgestellt wurde. Leipzig liegt bei den deutschen Großstädten zwar auf dem dritten Platz mit Note 3,7. Wirklich befriedigend ist das aber nicht, urteilen ADFC und Bundesverkehrsministerium.

ein junges Paar mit Fahrradhelm radelt auf einem Radweg auf die Kamera zu, neben dem Radweg steht ein blaues Verkehrsschild und zeigt an, dass das ganze ein Radweg ist.
Wenig zu lachen haben Fahrradfahrer in vielen Regionen Sachsens. Bildrechte: MDR

Bei der bundesweiten Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit hat Leipzig bei den Großstädten den dritten Platz belegt. Vor Leipzig mit Note 3,85 liegen Leipzigs Partnerstadt Hannover (3,77) und Bremen (3,55). Das geht aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten "Fahrradklima-Test" des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervor. Demnach liegt die insgesamt fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands im Südwesten. Karlsruhe bekam die Note 3,15. Aber auch dort erscheint Radfahrern das Radeln nur befriedigend. Das Sicherheitsgefühl und die Freude am Rad fahren seien bundesweit zurückgegangen. Stärker als 2016 empfanden viele Befragte beim Radfahren Stress. Der ADFC wertete diese Ergebnisse als "ernüchternd".

Alarmglocken und politische Ankündigungen

"Bei uns klingeln die Alarmglocken, wenn wir sehen, dass Radfahrerinnen und Radfahrer sich nicht sicher fühlen", sagte ADFC-Bundesvorstand Rebecca Peters. Deutschland brauche gute und breite Radwege, die getrennt von stark befahrenen Straßen verliefen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will mit Gesetzesänderungen den Radverkehr attraktiver und nutzerfreundlicher machen. Scheuer kündigte Vorschläge für eine Novelle der Straßenverkehrsordnung bis Pfingsten 2019 an.

"In Sachsen haben wir wie in ganz Deutschland die Konflikte im innerstädtischen Bereich um den Platz auf der Straße", sagte Konrad Krause vom ADFC im Gespräch mit MDR SACHSEN. Streits um die Anzahl von Fahrspuren, Parkplätze, Straßenbahnlinien, Bäume am Wegesrand müssten ausgeglichen werden. "Um eine verkehrssichere Infrastruktur zu bekommen, ist es wirklich ein harter Kampf", so Krause.

Keine Region wirklich fahrradfreundlich

Die größten Konflikte liegen im sogenannten "Mischverkehr", dort, wo sich Autofahrer und Radfahrer die Straße teilen. Es brauche eine attraktive Infrastruktur mit guten Radwegen und Ampelschaltungen, verlangte der Verkehrsplaner Tim Tröger in der MDR-Sendung Fakt ist!. "Die Angebote regeln das Verkehrsverhalten ", erklärte er. Erwachsene und Kinder sollten angstfrei fahren können. Aber: "Den Willen zur fahrradfreundlichen Stadt sehe ich häufig auf dem Papier. Wenn ich mich draußen umschaue, sieht es traurig aus", kritisierte der Verkehrsexperte.

Neben viele kritischen Aspekten erbrachte der Fahrradklima-Test aber auch positive Tendenzen bei sächsischen Kommunen: sie holen auf. So hat sich Oschatz in seiner Städtekategorie am meisten verbessert (3,97). Als Aufholer gilt auch Freital, das sich in der Radfahrergunst auf 4,17 verbessert hat. Allerdings: "Echte Vorzeige-Regionen, die bundesweit beispielgebend sind, gibt es in Sachsen noch nicht", fasste Konrad Krause vom ADFC Sachsen die Datenflut zusammen.

Leipzig: bundesweit Platz 3, aber schlechtere Noten

Zwar hat die Messestadt den dritten Platz erreicht. Im Vergleich zu 2016 gaben die Befragten diesmal aber schlechtere Noten: Leipzig bekam 2016 noch eine 3,7 und nun 3,85. Demnach fühlen sich 71 Prozent der Leipziger beim Radfahren gefährdet. "Es gibt aber gerade im Leipziger Raum ein paar Städte, die relativ weit vorn sind wie Markkleeberg und Delitzsch", betonte der ADFC Sachsen. Auch der sogenannten grüne Ring um Leipzig, ein Verbund von Kommunen, die sich über Radnetze über ihre kommunale Grenzen hinaus interessieren, gelten für den Fahrradclub als Hoffnungsschimmer in Sachsen.

Dresden von 4,1 auf 3,96

Zwei Plätze hinter Leipzig landete Dresden im Großstädte-Test und bekam Note 3,96. Für Dresden konstatiert der Fahrrad-Interessensverband ADFC Stillstand. "Es ist nicht so, dass man merkt: Ja, jetzt geht's hier los und und total voran. Das Sicherheitsgefühl ist in Dresden ein großes Thema. Man kann noch nicht sagen, dass sich da zu 2016 sehr viel verbessert hat."

An einer Ampelkreuzung müssen Autos auf 2 Fahrspuren stoppen. Der Radweg kommt auch an der ampel an, endet dann aber ohne auflösung am Dresdner Fetscherplatz.
Typisch für Dresden, kritisert MDR-Nutzer Roland Dähne diese Ampelkreuzung am Fetscherplatz. Der Radweg kommt an der Ampel an, endet dann ohne Auflösung. Zudem rollen Radler direkt auf wartende Fußgänger an der Ampel zu. Bildrechte: Roland Dähne

Chemnitz verschlechtert sich

Nach Auswertung des ADFC ist Chemnitz bei mehreren Bewertungskategorien im Vergleich zu 2016 weiter abgerutscht von 3,8 auf nun 3,9. Bei den mittelgroßen Städten rangiert Chemnitz damit auf Platz 10. "Bei der Fahrrad-Förderung, also ob kommunalpolitische Projekte vorangebracht werden konnten, bei Ampelschaltungen oder der Frage, wie störend Falschparker auf Radwegen in Chemnitz wahrgenommen werden, hat sich Chemnitz eher verschlechtert", erklärte Konrad Krause vom ADFC Sachsen.

Plauen kommt nicht voran

Bei der letzten Befragung lag Plauen mit 4,0 auf den hinteren Plätzen. Laut Fahrradklima-Test hat sich die Lage nicht verbessert. Plauen bekam dieses Mal eine 4,1.

Zittau verbessert sich leicht

Der Stadt Zittau gaben die Befragten eine 3,82. Damit verbesserte sich das Fahrradklima leicht im Vergleich zu 2016. Damals hatte Zittau noch eine glatte 4 bekommen.

Zwickau fällt von 4,3 auf 4,6 ab

Zwickau verschlechterte sich in der Gunst der Radfahrer. 2016 bekam die Stadt noch Note 4,3. Bei der aktuellen Auswertung war es nur noch eine 4,6.

Was ist der Fahrradklima-Test? Alle zwei Jahre befragt der Fahrradclub ADFC die Fahrradfahrer aller Altersklassen nach ihrer Meinung und kürt Gewinner, Aufholer und zeigt Städten die Schwachpunkte, an denen sie nachrüsten sollten.

An der Online-Umfrage haben bundesweit 170.000 Menschen die Frage beantwortet: "Und wie ist Radfahren in Deiner Stadt?" Dafür füllten sie im Herbst 2018 Fragebögen aus. Mehr als 650 Städte und Gemeinden wurden bewertet. Der Test ist nicht
repräsentativ, gilt jedoch als Stimmungsbarometer.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.04.2019 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten und ab 14:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 18:42 Uhr

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4 Kommentare

11.04.2019 09:14 J.Heder 4

Ein Teil der Ursache könnte darin liegen, daß die PKW und LKW neben einigen Steuern mittlerweile auch Maut bezahlen. Dies ist jedoch lediglich ein Ausgleich für die schädlichen Auswirkungen ihrer Verwendung. Der Radfahrer zahlt im Vergleich dazu faktisch nichts am Steuern; aber er hat auch keine schädlichen Wirkungen auf die Umwelt. Bezeichnend ist der Vorgang; ich glaube in Dresden, als die CDU Teile des Stadtrat den Bau eines Radweges blockiert haben weil danach eine Fahrspur für PKW weniger zur Verfügung steht. Dies zeigt mir leider das man in der CDU fast alle "Zeichen der Zeit" und die Notwendigkeit zum sofortigen Umschwenken NICHT begriffen hat. In 30 Jahren wird es den "Privatbesitz" PKW wie heute nicht mehr geben. Dann bucht man sich einen "Beförderungsplatz" per App und kommt per Mobilitätsmix(zu Fuß, Fahrrad, ÖPNV, autonomer PKW) an seine Ziele. 80% der Zeit heute "stehen PKW unbenutzt in der Gegend herum"! Das blockiert Resourcen!

10.04.2019 16:11 Dresdnerin 3

MDR Nutzer Dähne ,wenn schon meckern ,dann bitte die richtige Kreuzung angeben ,es ist nicht der Fetscherplatz sondern der Sachsenplatz ,außerdem ist der Belag zwischen Fuß-und Radweg anders ,so daß der Radfahrer es bemerken müßte.Rot ist wenigsten da, damit die Autofahrerer sehen , ein Radweg kreuzt.

10.04.2019 10:40 Wolfgang 2

Das Problem: Es wurde über Jahrzehnte NICHTS investiert. Radwege innerstädtisch und überland, Radschnellstraßen, Kreisverkehre, in Sachsen so gut wie nicht zu finden. Ich bin vom Erzgebirge ins Emsland gezogen. Dort gibt es in JEDEM nochso kleinen Dorf Radwege und von JEDEM Ort zum nächsten nebst der Landstraße Radwege. Dort braucht man kein Auto. Zugegeben es ist dort alles flach, aber es geht ums Prinzip. Das Argument im Erzgebirge fährt sowieso keiner mit den Rad wegen der Steigungen ist seit es E-Bikes gibt obsolet.

In Sachsen (egal ob Erzgebirge oder Lausitz) muss man sich die Straßen mit PKW und LKW teilen. Das ist gefährlich, unkomfortabel und mitunter unpraktikabel. Ich verstehe nicht warum keine Radwege bei Straßensanierungen oder Neubauten eingeplant werden. Ebenso in den Innenstädten. Das Urteil der Befragung ist gerechtfertigt und spielgelt wieder wie schlecht die Politik und die Straßenbauämter den Bürgerwillen und die Energiewende in Sachen Verkehr verstanden haben.

09.04.2019 18:57 na so was 1

Was gibt es hier schön zu reden. Im Vergleich zur Schulzensur, wenn die Kinder und Jugendliche eine 4 mit nach Hause (bzw. eine 3 nach DDR-Muster) bringen, wüsste ich keine Eltern, die da zu ihren Kindern sagen, na das habt ihr ja gut gemacht. Kann mir mal jemand von den "Oberen" erklären, warum das mit den Fahrradwegen nicht in den Griff zu bekommen ist ? An finanziellen Mitteln fehlt es jedenfalls nicht. Wenigstens dass müssten nun Alle mitbekommen haben. Vielleicht, MDR.DE, laden Sie einmal einen Verantwortlichen ein, der dann im Interview mit Ihnen, uns Allen erklären kann, wo die Säge klemmt. Ich bin da mal auf die Begründung gespannt, wenn sich niemand von den "Oberen" dafür zuständig fühlt. Die Fahrradgeschichte interessiert sicherlich eine sehr große Bevölkerungsgruppe. Also, auf geht's. Wir sind gespannt.

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