ein Mann mit Kapuze
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20.11.2019 | 06:00 Uhr Buß- und Bettag: Deutschland arbeitet, Sachsen hat frei

Bundesweit ruft die Evangelische Kirche in Deutschland am Buß- und Bettag zu Besinnung und innerer Einkehr auf. Während den Sachsen dafür ein arbeitsfreier Tag zur Verfügung steht, ist dieser November-Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag in den anderen Bundesländern seit 1995 kein gesetzlicher Feiertag mehr. Ein Fakten-Überblick.

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Was ist der Buß- und Bettag?

Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag. An ihm sind die Menschen zur Besinnung auf eigene Schuld, zu innerer Einkehr, Buße, Umkehr und Neuorientierung aufgerufen. In Deutschland wurden Bußtage seit dem Mittelalter zum Beispiel in Zeiten von Krieg oder Pestseuchen anberaumt. Noch im 19. Jahrhundert gab es in den evangelischen Gebieten Deutschlands mehr als 40 regional unterschiedliche Bußtage. Erst 1934 wurde der Buß- und Bettags einheitlich auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres gelegt. Die Nationalsozialisten verschoben den Feiertag auf einen Sonntag. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt bis 1994 wieder die vorherige Regelung.

Warum wurde der Buß- und Bettag - außer in Sachsen - abgeschafft?

1994 beschlossen Bundestag und Bundesrat die Einführung der Sozialen Pflegversicherung als Pflichtversicherung. Mit ihr sollten die steigenden Kosten für die zunehmende Pflegebedürftigkeit vor allem älterer Menschen finanziert werden. Den Beitrag sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte zahlen. Um letztere zu entlasten, sollte ein bundesweit gesetzlicher Feiertag gestrichen werden, der immer auf einen Werktag fällt. Das trifft auch auf Karfreitag, Oster- und Pfingstmontag sowie Christi Himmelfahrt zu.

Die Wahl fiel jedoch auf den Buß- und Bettag. Zwar gab es in mehreren Bundesländern Widerstand dagegen, darunter in Bayern und Baden-Württemberg, letztlich gaben sie aber mit Ausnahme Sachsens nach. In Bayern haben Schüler keinen Unterricht, während die Lehrer den Tag in der Regel für Fortbildungen nutzen.

Warum blieb der Buß- und Bettag in Sachsen ein Feiertag?

Kurt Biedenkopf (CDU)
Sachsens früherer Ministerpräsident Kurt Biedenkopf Bildrechte: dpa

Der Freistaat Sachsen hatte nach seiner Wiedergründung 1990 den Buß- und Bettag nach westlichem Vorbild als Feiertag übernommen. Als über die Abschaffung zugunsten der Pflegeversicherung debattiert wurde, wandte sich die allein regierende sächsische CDU dagegen. Der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf sagte zur Begründung: "Wenn wir einen Feiertag streichen, streichen wir den nicht zulasten der Arbeitnehmer, sondern zulasten der gesamten Bevölkerung. Das heißt, die Kinder müssen in die Schule gehen, die Freiberufler müssen arbeiten, die Händler müssen ihre Geschäfte offenhalten, obwohl die alle mit der Pflegeversicherung gar nichts zu tun haben." Letztlich setzte Sachsen einen Sonderweg durch, der jedoch hauptsächlich für die Arbeitnehmer finanzielle Folgen in Form eines höheren Beitrags zur Pflegeversicherung hat.

Wer zahlt wieviel Pflegbeitrag?

Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung beträgt seit Anfang 2019 3,05 Prozent. Rentner und freiwillig Krankenversicherte (zum Beispiel Selbstständige) zahlen diesen Beitrag komplett, zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist er aufgeteilt. In allen Bundesländern mit Ausnahme Sachsens zahlen beide jeweils die Hälfte, also 1,525 Prozent. In Sachsen steuern die Arbeitgeber dagegen nur 1,025 Prozent bei, die Arbeitnehmer jedoch - wegen des Buß- und Bettags als Feiertag - 2,025 Prozent. Zudem wird bundesweit bei allen kinderlosen Erwachsenen ab dem 24. Lebensjahr ein Zuschlag von 0,25 Prozent erhoben.

Ist der erhöhte Beitragssatz für Sachsens Arbeitnehmer gerecht?

Auf den ersten Blick könnte diese Frage mit ja beantwortet werden - schließlich ist für sie der Buß- und Bettag arbeitsfrei. Auf der anderen Seite liegt Sachsen bei der Anzahl der gesetzlichen Feiertage im Vergleich der Bundesländer im unteren Mittelfeld. Bundesweit einheitlich geregelt sind neun Feiertage. Weitere können die Bundesländer in Eigenregie festlegen. So gibt es in Sachsen und vier weiteren Bundesländern elf Feiertage. Sieben Bundesländer, vor allem im Norden, haben nur zehn, drei Bundesländer dagegen zwölf. Und die Bayern können sich sogar über 13 Feiertage freuen. Und überall bis auf Sachsen wird der Pflegebeitrag paritätisch von Arbeitnehmern und -gebern gezahlt.

Allerdings sind die "Zusatzfeiertage" in den anderen Bundesländern allesamt an ein Datum gebunden, können also auch auf einen ohnehin arbeitsfreien Sonntag fallen. Die Sachsen haben mit dem Buß- und Bettag dagegen immer einen arbeitsfreien Mittwoch im Jahr. Dennoch sprechen Gewerkschaften und Parteien im Freistaat von einer Ungerechtigkeit und wollen die sächsische Sonderregelung in der Pflegeversicherung abschaffen.

Anzahl der Feiertage in den Bundesländern
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Was passiert in Sachsen am Buß- und Bettag?

Mit dem Buß- und Bettag endet die Ökumenische Friedensdekade, eine 1979 in den Niederlanden entstandene Initiative. Zudem begehen Sachsens Kirchen in diesem Jahr das Jubiläum "30 Jahre Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der DDR". Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche bietet deshalb am Buß- und Bettag neben (ökumenischen) Gottesdiensten auch Konzerte, Workshops und zahlreiche weitere Veranstaltungen an, unter anderem in Chemnitz, Leipzig, Freiberg und Aue.

Innenraum der Kreuzkirche Dresden
Innenraum der Kreuzkirche Dresden. Bildrechte: Sylvio Dittrich

In Dresden steht unter dem Motto "#gemeinsamfuerzukunft" sogar ein ganzer ökumenischer Festtag auf dem Programm. Er wird mit einem Gottesdienst in der Kreuzkirche eröffnet, der vom Dresdner Kreuzchor musikalisch begleitet wird. Am Mittag folgen Workshops zu Themen wie Nachhaltigkeit im Alltag, verantwortlicher Konsum und christliches Friedenshandeln. Den Abschluss bildet am Nachmittag ein Plenum, bei dem es unter anderem um ein politisch engagiertes Christentum geht.

Allerdings ist nur gut jeder fünfte Sachse christlichen Glaubens. Deshalb ist fraglich, wie viele Menschen sich von den kirchlichen Veranstaltungen am Buß- und Bettag angesprochen fühlen. In den vergangenen Jahren nutzten viele Menschen im Freistaat den arbeitsfreien Tag für andere Freizeitaktivitäten oder fuhren zum Einkaufen in die benachbarten Bundesländer beziehungsweise nach Polen oder Tschechien.

Quelle: MDR/stt/epd/kna/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.11.2019 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 06:00 Uhr

3 Kommentare

MDR-Team vor 2 Wochen

Lieber Nutzer,
die Aussage ist doch so weit korrekt. Dass es Ausnahmeregelungen für andere Feiertage in anderen Bundesländern gibt, ändert daran ja nichts. Selbstverständlich sollten aber auch überall die gleichen Regeln gelten.
Viele Grüße
Ihre MDR.de-Redaktion

atze vor 2 Wochen

Bitte liebe Redakteure was soll das?? Sie schreiben ganz Deutschland arbeitet nur Sachsen hat frei ....bitte was schreiben sie an Maria Himmelfahrt oder heilige drei Könige ??? Ich finde ihre Berichterstattung reiflich deplatziert.

Frank Maenner vor 2 Wochen

Sachsen haben es sich verdient.

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