Fragen und Antworten FAQ - Chemisches Recycling und Müllkreislauf

Der geplante Braunkohleausstieg wirkt sich auch auf den Müllkreislauf und die Entsorgungswirtschaft aus. Chemisches Recycling könnte die auftauchenden Probleme lösen. Die wichtigsten Fragen dazu beantworten wir hier.

Warum kommt der Braunkohleausstieg?

Mit dem Klimaschutzabkommen von Paris im Jahr 2015 haben sich viele Nationen dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf unter 2°C zu begrenzen. Ein Teil der Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen, ist es, fossile Brennstoffe nicht mehr zur Energiegewinnung zu benutzen. Dazu zählt auch die Braunkohle. Die Bundesregierung hat im Juni 2018 die sogenannte Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung eingesetzt, die einen Plan und ein Datum für einen Kohleausstieg erarbeiten sollte. Am 26. Januar 2019 hat die Kohlekommission den Kohleausstieg bis spätestens 2038 beschlossen. In Sachsen, besonders in der Lausitz, wird dieser Ausstieg sehr kontrovers diskutiert.

Welche Auswirkungen hat der Kohleausstieg auf die Müllentsorgung?

Braunkohle wird in Kraftwerken verbrannt, um Energie zu erzeugen. Neben der Kohle wird in diesen Anlagen auch aus Restmüll bestehender Ersatzbrennstoff verwendet. Allein im Braukohlekraftwerk Jänschwalde sind das etwa 600.000 Tonnen pro Jahr. Deutschlandweit beträgt die Menge der verbrannten EBS etwa acht Millionen Tonnen. Wenn dieser Müll nicht mehr mitverbrannt werden kann, um Strom zu erzeugen, müssen andere Lösungen zur Entsorgung gefunden werden.

Was sind Ersatzbrennstoffe (EBS)?

Ersatzbrennstoffe, kurz EBS, sind Pellets, die aus Restmüll gepresst werden. Verwendet werden der Inhalt der Schwarzen Tonne und aussortierte Reste aus der Gelben Tonne. Braunkohlekraftwerke verbrennen EBS zu einem Anteil von drei Prozent zusammen mit der Kohle. Ersatzbrennstoffe verursachen in etwa 900 bis 1.000 Gramm CO2 pro kWh Strom. In Deutschland gibt es Kraftwerke, in denen nur Ersatzbrennstoffe verbrannt werden - unter anderem in Großräschen, Spremberg, Eisenhüttenstadt, Bitterfeld-Wolfen, Erfurt und Rudolstadt.

Ersatzbrennstoff-Pellets auf einem Tisch
Bildrechte: Katrin Tominski

Was ist die Kohlenstoff-Kreislauf-Wirtschaft?

Die Kohlenstoff-Kreislauf-Technologie bezeichnet einen Ressourchenkreislauf. Müll, vornehmlich Plastikmüll, wird in speziellen Anlagen zum Beispiel zu Gas gewandelt. Dieses "Synthesegas" dient der chemischen Industrie wiederum als Rohstoff. Als Rückstand entsteht in der Anlage eine verglaste Schlacke, sie kann als Baustoff eingesetzt werden. Experten nennen das Kohlenstoff-Kreislauf-Technologie. Nichts soll mehr verloren gehen, alle Ressourcen in einem Kreis immer wieder umgewandelt werden. Kein zusätzlicher Verbrauch und keine zusätzlichen Emissionen sind das Ziel. So soll die Umwelt geschont werden.

Was ist chemisches Recycling?

Mit chemischem Recycling können aus Restmüll Rohstoffe zurückgewonnen werden. Unter hohem Druck wird der eingebrachte Müll bei bis zu 2.000°C in Gas und Schlacke umgewandelt. Das Gas kann als Grundlage für Produkte der chemischen Industrie verwendet werden. Aus der Schlacke ist es möglich, Metalle zu extrahieren und wiederverwertbar zu machen.

Grafik zum Ablauf von chemischen Recycling
Bildrechte: MDR

Forschern zufolge könnten so zwischen 50 und 80 Prozent des anfallenden organischen Mülls in Deutschland wiederverwertbar gemacht werden. Chemisches Recycling ist in Deutschland bisher nicht als Recycling anerkannt, sondern gilt als "sonstige Verwertung".

Was ist die Recyclingquote?

Die Recyclingquote klingt wie ein spröder Begriff. Doch sie entscheidet, ob Müll als Abfall oder als Rohstoff definiert wird. Im Verpackungsgesetz geregelt, stehen und fallen entscheidende Rahmenbedingungen für die Entsorgung des Mülls. Ziel ist die Wiederverwertung möglichst aller darin erhaltenen Materialien. Gelingt dies, wird aus Entsorgung Recycling, dann werden aus Abfällen Rohstoffe. Konkret bezeichnet die Recyclingquote den Anteil der bei der Entsorgung tatsächlich aus dem Abfall recycelten Werk- und Wertstoffe.

Wie viele Müllverbrennungsanlagen gibt es (in Sachsen)?

In Sachsen gibt es bislang eine einzige Müllverbrennungsanlage. Diese steht in Lauta bei Hoyerswerda. Die Müllverbrennungsanlage Lauta ist nach Angaben des Betreibers STEAG GmbH "voll ausgelastet". Etwa 85 Prozent des Mülls komme aus Sachsen, der Rest aus anderen Bundesländern. Müll aus dem Ausland werde nicht exportiert. Laut Umweltbundesamt gibt es insgesamt 66 Müllverbrennungsanlagen (MVA) in Deutschland, die meisten davon im Ruhrgebiet. In den ostdeutschen Bundesländern gibt es MVA's an folgenden Orten: Lauta, Leuna, Zorbau, Staßfurt, Zella-Mehlis, Magdeburg sowie Ludwigslust. In Berlin gibt es eine Verbrennungsanlage. Bereits im Jahr 2016 seien die Anlagen schon zu 92 Prozent ausgelastet gewesen - Tendenz seit 2012 steigend.

Wo wird Sondermüll verbrannt?

Sondermüll wird in der mitteldeutschen Region in den Sondermüllverbrennungsanlagen in Muldenhütten bei Freiberg, in Nünchritz sowie in Schkopau und in Schwarzheide verbrannt.

Wo wird außerdem Müll verbrannt?

Weiterhin gibt es Anlagen zur Verbrennung von Klärschlamm, Altholz und Biomasse. Doch auch Zement- und Kalkwerke verbrennen Abfälle mit - unter anderem in Bernburg und Karsdorf in Sachsen-Anhalt.

Was ist der Unterschied zu Mülldeponien?

 Ein Anlagenfahrer sichtet Müll in einer Sammelhalle der Abfallbehandlungsanlage der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH (WEV) in Cröbern bei Leipzig.
Ein Anlagenfahrer sichtet Müll in einer Sammelhalle der Abfallbehandlungsanlage der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH (WEV) in Cröbern bei Leipzig. Bildrechte: dpa

Seit dem Jahr 2005 gilt das Deponieverbot. Unbehandelte biologisch abbaubare Siedlungsabfälle dürfen nicht mehr auf Mülldeponien gelagert werden - ohne Ausnahme. Als Siedlungsanfall gilt Haus-oder auch Restmüll. Er besteht zu etwa gleichen Teilen aus biologisch abbaubaren sowie nicht recycelbaren Anteilen. "Mit dem Verbot wird ausgeschlossen, dass von der bisher üblichen Abfallbeseitigung auch in Zukunft noch erhebliche Gefahren für Boden, Grund- und Oberflächengewässer sowie das Klima ausgehen. Die nachfolgenden Generationen sollen nicht weiterhin mit den Risiken ständig neu produzierter Altlasten und den Kosten ihrer Sanierung belastet werden", erklärte des Bundesumweltministerium.

Auf Deponien darf heute zwar kein Hausmüll, aber zum Beispiel Bodenaushub, Bauabfälle, künstliche Mineralfasern und Asbest gelagert werden. In Sachsen gibt es laut sächsischem Umweltministerium heute in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft noch Deponien an drei Standorten: Die Deponie in Kunnersdorf vom Regionalen Abfallverband Oberlausitz-Niederschlesien sowie die Deponie Gröbern nahe Meißen. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen betreibt zudem die Zentraldeponie Cröbern - die Verfüllung des ehemaligen Tagenbaus Espenhain. Letztere machte immer wieder Schlagzeilen durch gefährliche Müllexporte aus Italien. Die Industrieabfalldeponie in Wetro ""Puschwitzer Feld" gehört der P-D Group, einer konzernunabhängige Unternehmensgruppe aus Sachsen.

Quelle: MDR/kt/bj/TU Freiberg/SMUL