Parteitag in Glauchau Junge Liberale attackieren FDP-Landesvorstand

Der sächsische FDP-Landeschef Holger Zastrow macht für die Niederlage der Liberalen bei der Landtagswahl die Schwäche der Bundespartei verantwortlich. „Nichts funktioniert, wenn Berlin nicht funktioniert“, sagte Zastrow am Sonnabend auf einem Parteitag in Glauchau. Die Leistungsbilanz der sächsischen FDP sei gut, aber die Wähler hätten nicht zwischen Bund und Land unterschieden.

"Wir leben in antiliberalen Zeiten"

Zastrow bereitete die 160 Delegierten zugleich auf schwere Zeiten vor. "Ich sehe bei uns keine thematischen Defizite. Aber wir haben einen Gegner und das ist der Zeitgeist. Wir leben in anti-liberalen Zeiten." Den Koalitionsvertrag von CDU und SPD bezeichnete Zastrow als wirtschaftsfeindlich. Es werde viel Geld verteilt, von dem noch gar nicht klar sei, ob es überhaupt zur Verfügung steht. Aus seiner Sicht sollte sich die FDP in der außerparlamentarischen Opposition auf drei Themenfelder konzentrieren: Energie, Wirtschaft, Finanzen.

Junge Liberale attackieren Parteivorstand

Während Zastrow den Schwarzen Peter am verpassten Wiedereinzug in den Landtag anderen zuschob, attackierten vor allem die jungen Liberalen den Landesvorstand. Philipp Junghähnel, Vorsitzender der Jungen Liberalen in Sachsen, forderte "inhaltliche, strukturelle und personelle Konsequenzen". Marcel Seifert vom Kreisverband Chemnitz erklärte, es reiche nicht aus, die Erklärung für die Wahlniederlage Ende August im Ansehensverlust der Bundespartei in Berlin zu suchen. "Ich kann es nicht mehr hören, dass Berlin daran Schuld ist."

FDP will sich öffnen

Die FDP hatte bei der Landtagswahl Ende August nur 3,8 Prozent der Stimmen erhalten. Sie ist damit nicht nur aus dem Landtag ausgeschieden, sondern verliert auch gleichzeitig ihre Regierungsbeteiligung. Voraussichtlich in der kommenden Woche werden die neuen Minister vereidigt, die sich aus Vertretern der CDU und der SPD zusammensetzen. Generalsekretär Torsten Herbst erklärte im Vorfeld des Parteitags, die Liberalen müssten sich jetzt außerhalb des Landtags erneuern. Unter anderem wolle sich die FDP stärker für die Mitarbeit parteiloser Bürger öffnen.

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2014, 21:16 Uhr

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15 Kommentare

10.11.2014 18:37 Paulchen 15

Wir brauchen in Sachsen dringend eine liberale Partei! Aber da die Piraten nur in den Städten punkten können und die FDP-Hardliner wie Hr. Zastrow noch immer in ihrer abgehobenen Marketingwelt über dem Volk schweben und die Realität verleugnen, kann ich den durchaus ambitionierten Jungliberalen nur raten, aus der FDP auszutreten und selbst eine liberale Partei zu gründen, die die Bürger, ihre Rechte und Freiheiten endlich wieder ernst nimmt!

10.11.2014 18:21 Uwe Drews langjähriges FDP Mitglied 14

Wir kommen als liberale Partei wieder ,das ist meine Überzeugung! Wir müssen aber zukünftig unser Fundamente des Liberalismus an der Basis festigen und unser Tun und Handeln bürgernah vermitteln und für die Bürger da sein. Erfolgsfloskeln nützen uns nicht, wir müssen uns verständlich als Partei darstellen. Ich habe in meinen vergangen Tätigkeiten stets praktiziert auf die Menschen zu zugehen und nicht zu warten bis sie kommen

10.11.2014 11:25 jacqueline krüger 13

Es ist eigentlich nur noch traurig, wie wenig die Menschen verstehen was hinter dem Begriff "liberal" steht. Das es genau diese Liberalität ist, die uns ermöglicht frei einen Beruf zu wählen, überhaupt zu wählen, zu heiraten oder es sein zu lassen, gleichgeschlechtlich zu lieben oder eben nicht, bunte Haare zu haben - oder eben nicht.... Und AUF DIE FDP ODER JEDE ANDERE PARTEI ZU SCHIMPFEN.....oder eben nicht. Erst liberales Gedankengut ermöglichte letztlich die Verbreitung von vielen inzwischen als selbstverständlich angesehen individuellen Entscheidungspunkten des persönlichen Lebens....und es ist nochnichteinmal ein Menschenleben her - da waren viele dieser heute normalen Entscheidungen undenkbar.

10.11.2014 11:22 Liberal heisst im liberalen Sinne nicht immer liberal (V. v. Bülow) 12

@9. Christian: "Erstaunlich viele Liberalismus-Experten hier." Oh, das ist einfach zu erklären: Das sind die Betroffenen dieser speziellen Sorte Klientelpolitik unter falscher Flagge. Für weitere Daten empfehle ich ihnen, das Statistische Bundesamt zu konsultieren und hier besonders die Zahlen zur Einkommensentwicklung nach Einkommensarten und Berufsgruppen. Dann wisssen sie auch, was die FDP mit dem klassischen Liberalismus zu tun hat: Nichts.

09.11.2014 10:39 Mal ne Anmerkung 11

Wie geht das alte Sprichwort"Der Fisch/FDP beginnt ab dem Kopf zu stinken"!Wenn diese Partei nicht in der Lage ist einen Herrn "Selbstdarsteller und Wählerbeschimpfer" Zastrow in die "zweite Reihe "zu versetzen ,dann gute Nacht.Dieser Mann ist kritikresisdent und Schuld an Niederlagen haben immer Andere.Und das er aus diesem Absturz auch Konsquenzen ziehen muss ,doch ein Herr Zastrow nicht.Einfach nur bedauerlich wie ein Mensch eine Partei zu Grunde richten kann.Und Kritik an seiner Person wird absolut nicht geduldet!

09.11.2014 10:13 Reiner Arndt 10

FDP? Wer soll denn das gewesen sein? Kennt die jemand? Will die jemand, braucht die jemand? - Nächstes Thema, bitte!

08.11.2014 20:32 Christian 9

Erstaunlich viele Liberalismus-Experten hier.

08.11.2014 17:39 Steinbock 8

Eine Partei, die permanent undifferenziert davon schwafelt, dass Besservedienende automatisch "Leistungsträger" sind, die nicht belastet werden dürfen verdient ihren Abgang....

08.11.2014 17:29 Perspektivlos 7

Wozu brauchen wir überhaupt eine FDP. Wer will, kann gleich das Original CDU wählen. Nicht zuletzt ist aber durch die Hunger-Politik der vergangenen Jahre der Wohlstand geschrumpft. Von einst 10% Besserverdienern, sind nur 3,5% übrig geblieben. Dem Wähler erschließt sich offenbar nicht der Sinn dieser Partei. Denn Liberalismus findet sich sogar bei Linken und Grünen. Was braucht es da eine liberale Partei?

08.11.2014 17:01 W Ende 6

Darf ich sagen, was ich und andere Leute denken, Herr Zastrow?
Politik für den Menschen und mit den Menschen kann man nicht machen, wenn man so denkt: "DER MENSCH IST MITTEL!" "PUNKT"!!! Die Mitte ist wichtig!!!War die FDP jemals die Mitte der Gesellschaft?
Die Mitte der Gesellschaft braucht eigene Ideen, als sich Dezenien nur an Geld- CDU und CSU ranzuhängen. Fördern Sie Kunst und Kultur!
Das wär doch mal was in Dresden...