Dieselauto versus Holzofen
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Feinstaubschleudern in Sachsen Was ist schädlicher - Dieselauto oder Holzofen?

Im Zuge der Diskussion um Dieselfahrverbote in Deutschland rücken zunehmend auch andere Verursacher von Luftschadstoffen in den Blick. So lautet eine Behauptung: Holzöfen sind viel schlimmer als Fahrzeuge. Stimmt das?

Dieselauto versus Holzofen
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Worum geht es?

Im Mittelpunkt dieser Diskussion stehen nicht die Folgen der Umweltbelastung auf das Klima, sondern auf die menschliche Gesundheit. Der Ausstoß des größten sogenannten Klimakillers Kohlendioxid (CO2) hat - zumindest derzeit noch - eine geringere unmittelbare Auswirkung auf unsere Gesundheit als Stickoxide und Feinstaub. Letztgenannte können unter anderem Reizungen, Entzündungen und Erkrankungen der Atemwege auslösen sowie Lungenkrebs fördern.

Der Schweizer Moderator und Journalist Jörg Kachelmann veröffentlichte am 14. Februar 2019 auf seinem Twitterkanal "kachelmannwetter.com" die Schadstoffmesswerte von einer Station im Leipziger Westen an der Lützner Straße. Zu sehen sind die stündlich erhobenen Stickoxid- und Feinstaubwerte zwischen 14 und 21 Uhr, die sich zum Abend hin erhöhen. Nach Kachelmanns Aussage ein Beleg, dass nicht der Autoverkehr, sondern Holzöfen für die schlechte Luft verantwortlich sind. Sind Holzöfen, die vom Freistaat wegen ihrer Klimafreundlichkeit gefördert werden, die neuen Luftverpester? MDR SACHSEN hat nachgehakt.

Was tagesaktuelle Messwerte aussagen

Das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) erklärte auf Anfrage, dass Messergebnisse eines einzelnen Tages nicht aussagekräftig seien. Bildet man stattdessen die Durchschnittswerte aller Tage im Sommer 2018 und im bisherigen Winter 2018 von der Messstation Lützner Straße, zeigt sich ein anderes Bild. So waren im Sommer, also außerhalb der Heizperiode, die Stickoxidwerte fast im gesamten Tagesverlauf höher als im Winter. Allerdings wird im Sommer viel gegrillt. Und laut Landesamt tragen vor allem an Sommerwochenenden Grills und Lagerfeuer eindeutig zu einem erhöhten Stickoxid- und Feinstaubausstoß bei.

Dass Grills und Lagerfeuer durch Verbrennung viel Dreck in die Luft blasen, entlastet nicht den Holzofen. Nur gibt es gerade bei der von Kachelmann als Beispiel genommenen Messstation besonders viele Braunkohleöfen im Stadtteil, die ebenfalls die Luft verschmutzen. An einer anderen Station in Leipzig-Mitte, wo es deutlich mehr Holzöfen als Braunkohleöfen gibt, war die Stickoxidkonzentration im gleichen Zeitraum geringer.

Wer bläst in Sachsen mehr Schadstoffe in die Luft?

Um nachzuweisen, ob Holzöfen oder Fahrzeuge schädlicher für den Menschen sind, müsste man ihnen jeweils konkrete Mengen ausgestoßener Schadstoffe zuordnen. Das ist schwierig. Kachelmann verweist auf den Zeitpunkt der Messergebnisse. Wären die Autos die Schadstoffquellen, würde die höchste Konzentration zu den Hauptverkehrszeiten erreicht und nicht erst danach. Das Landesamt interpretiert die Werte anders und argumentiert, der Schadstoffausstoß folge im Tagesverlauf dem Verkehrsaufkommen, aber mit einer geringen zeitlichen Verzögerung.

Regelmäßig untersucht das Landesamt die Luftqualität in Sachsen und gibt beispielsweise für das Jahr 2014 einen Gesamtausstoß an Stickoxiden mit 69.233 Tonnen sowie an Feinstäuben mit 8.761 Tonnen an. Dabei stießen laut Berechnungen im Freistaat alle Kraftfahrzeuge (Benzin, Diesel, Gas …) insgesamt 27.693 Tonnen Stickoxide und 3.242 Tonnen Feinstaub aus. Von allen Kleinfeuerungsanlagen (Biomasse, Kohle, Öl, Gas) kamen 4.154 Tonnen Stickoxide und 1.314 Tonnen Feinstaub. Die Experten des LfULG sehen weiterhin im Straßenverkehr "die wichtigste lokal beeinflussbare Quelle", um die Feinstaubbelastung zu verringern.

Grafik: Feinstaub - Quellen
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Öfen auf dem Land und Verkehr in der Stadt

Auf der anderen Seite schreibt das Bundesumweltamt auf seiner Internetseite: "Die Emissionen an gesundheitsschädlichem Feinstaub aus Holzfeuerungsanlagen in Haushalten und im Kleingewerbe sind in Deutschland bereits heute insgesamt höher als die aus den Motoren von Pkw und Lkw." Hier herrschen offenbar unterschiedliche Ansichten? "Nein", sagt Marcel Langner vom Umweltbundesamt. Das Bundesamt habe allein die Emissionen der Holzöfen den Emissionen laufender Motoren gegenübergestellt. Die meisten Emissionen im Straßenverkehr entstehen aber durch den Abrieb, wenn also nicht allein der Motor läuft, sondern sich das Auto auch dabei bewegt. Der Abrieb wurde aber im obigen Vergleich nicht berücksichtigt.

Für Langner, ein Experte des Umweltbundesamtes auf dem Gebiet der Luftreinhaltung, ist die geografische Lage entscheidend, wenn man die größere Quelle der Belastung durch Feinstaub und Stickoxide benennen will. "In Leipzig ist der Straßenverkehr, in einem Dorf im Erzgebirge ist die Holzfeuerungsanlage relevanter." Aber Langner betont auch, dass sich jeder einzelne Kamin auf die Luftqualität auswirkt: "Wer aus Gründen der Behaglichkeit heizt, liefert einen ziemlich hohen Beitrag zur Feinstaubbelastung."

Luftbelastung durch Holzheizungen im Blick behalten

Das Verbrennen von Holz ist kein zu vernachlässigender Faktor. Zahlen des LfULG von 2015/16 zum Schadstoffausstoß der verschiedenen Kleinfeuerungsanlagen zeigen, dass das Verbrennen von Biomasse, also hauptsächlich Holz, mehr als doppelt so viel Feinstaub produziert wie das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas zusammen. Des Weiteren lassen an Samstagabenden angefeuerte Grills und Kamine regelmäßig die Messwerte in die Höhe schnellen. Das sei kein lokales Phänomen, sondern zeige sich bei allen Messstationen, so das LfULG. Ein guter Marker für die Holzverbrennung sei hier der Rußanteil als ein Bestandteil von Feinstaub. Zu diesem Thema läuft derzeit das Forschungsprojekt "Zusatzbelastung von Holzheizungen auf die Luftqualität" im sächsischen Landesamt.

Das Fördern von Holzheizungen ohne Rücksicht auf Emissionen ist unsinnig.

Axel Friedrich Chemiker und Umweltaktivist

In der Politik findet ein Umdenken statt. Waren Holzheizungen als CO2-neutrale Energiequelle vor einigen Jahren noch durchweg positiv bewertet worden, berücksichtigt der Gesetzgeber mittlerweile die durch sie entstehenden Luftschadstoffe. 2010 wurden mit der Novellierung der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung auch die Anforderungen an Holzheizungen verschärft. Übergangsfristen für ältere Heizungen laufen nach und nach ab. Die Anlagen müssen nachgerüstet, ausgetauscht oder stillgelegt werden.

Was ist nun schmutziger: Auto oder Ofen?

"Ein Dieselmotor mit funktionierender Abgasreinigung ist besser als ein Holzofen. Ein Holzofen mit Abscheider besser als ein alter Diesel", sagt der Umweltaktivist Axel Friedrich, der 2015 den Abgasskandal der Autoindustrie mit ans Licht brachte. Für den Chemiker müssen beide Verbrenner sauber sein. Bei den Öfen werde noch zu viel weggeguckt, so Friedrich. "Das Problem ist viel größer als man annimmt." Für Friedrich müssen deshalb staatliche Förderungen für das Installieren von Holzöfen, wie Pellettheizungen, zwingend an den Stickoxid- und Feinstaubausstoß der Anlage gekoppelt werden.

Feinstaub Winzige Partikel, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine gewisse Zeit in der Luft bleiben, werden als Feinstaub bezeichnet. Gemessen werden PM10 - Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometer - und PM2,5 - Stäube, die zur Hälfte aus Teilchen mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern bestehen. Während bestimmter Wetterlagen ist Feinstaub als Dunstglocke sichtbar. Von Menschen geschaffene Feinstaubquellen sind unter anderem Autos, Heizwerke, Müllverbrennungsanlagen und Öfen in Wohnhäusern. Quelle: Umweltbundesamt

Quelle: MDR/stt/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 18.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 13:11 Uhr

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26 Kommentare

21.02.2019 20:35 Elli72 26

Feinstaub hat mit dem dieslantrieb erst einmal genauso zu tun wie Feinstaub und fahrradantieb. Auch no2 , falls das damit gemeint sein soll und auf den Diesel gemünzt wird kommt überall vor. Ich würde mir eine sachlichere wissenschaftlich fundiertere Disskussion mit weniger Hysterie auch vom mdr wünschen.

21.02.2019 13:45 Unaufgeregter 25

Bei der Problematik Dieselmotoren und Kleinfeuerunganlagen fehlt m.E. ein wenig Gelassenheit und breitere Sichtweise zum Thema.
Natürlich sollten Neufahrzeugen und neu zu errichtende Kleinfeuerungsanlagen einen wirtschaftlich sinnvoll umsetzbaren Stand der Technik haben. Die gegenwärtig teilweise fast hysterisch geführten Debatten lassen meist einen umfassenden Blick vermissen. War vor einigen Jahren die Nutzung von Biomasse zur Wärmeversorgung noch eine der Lösungen, wird mittlerweile eine ganze Technologie verdammt. Kleinfeuerungsanlagen verfügen meist über den Vorteil, auch bei Stromausfall zu funktionieren - immerhin könnten damit Häuser zumindest frostfrei gehalten werden.
Im Übrigen gilt natürlich, das dem Nutzer auch ein sachgerechter und verantwortungsvoller Umgang zugestanden wird.
Das gilt natürlich auch für Dieselfahrzeuge, vorausschauende Fahrweise, Überlegung, ob die Fahrt so notwendig ist usw. sollten die Grundlage sein.
Ressourcenschonung ist das Mittel der Wahl!

21.02.2019 12:22 der_Silvio 24

@20 Dorfbewohner; "Von was eigentlich will man hier ablenken?"
Ich denke, daß es weniger um Ablenkung geht.
Der Bau von Nord Stream 2 ist gerade beschlossen. Das Gas muß nach Deutschland und das Geld nach Russland fließen, und um den Gewinn weiter zu maximieren, müssen auch noch die letzten Holz- und Kohleöfen weichen, damit mehr mit Gas geheizt wird.

21.02.2019 07:22 Dieter Menke 23

Stickoxyd ist ein Zerfallsprodukt von Stickstoff und entsteht auf verschiedene Weise. Es ist aber auch die Voraussetzung für die Bildung von Sauerstoff. Feinstaub wird auch durch Fahrradreifen gebildet. Die Umweltpolitik ist nicht seriös.

20.02.2019 23:52 Altmeister 50 22

Der Diskurs zur Ökologie geht immer mehr in die Richtung; der Mensch mit seinen Bedürfnissen nach Ernährung, Kleidung,einer warmen Behausung, Mitversorgung seiner Angehörigen und Mitbürger sowie Mobilität und Freizeitgestaltung ist schädlich für die Umwelt und sollte vorzugsweise abgeschafft werden. Bis dies erreicht ist, gilt der Grundsatz, was heute als Nonplusultra der Umweltverträglichkeit fixiert ist, ist morgen die größte Sünde, siehe Atomkraft, Dieselauto, Holzheizung. Ähnlich wird es Windkraft, Solarzellen, Batterien ergehen. So befinden wir uns ständig im Zustand des schlechten Gewissens und im moralischen Würgegriff und Einfluss der Diskursbestimmer. Schöne Aussichten.

20.02.2019 20:21 pkeszler 21

@Gerd: "Die Dieselautos sollen nach Willen von Grünen und Umweltaktivisten ja alle vom Markt verschwinden" Vielleicht bei Ihnen, aber nicht überall. Verallgemeinern Sie bitte nicht die Unwahrheit.

20.02.2019 20:17 Dorfbewohner 20

“...Zahlen des LfULG von 2015/16 zum Schadstoffausstoß der verschiedenen Kleinfeuerungsanlagen zeigen, dass das Verbrennen von Biomasse, also hauptsächlich Holz, mehr als doppelt so viel Feinstaub produziert wie das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas zusammen…”

Bei allem Wissen um meine unwissenschaftlichen Kenntnisse aber ich glaube es hackt bei dieser Aussage

“...mehr als doppelt so viel Feinstaub produziert wie das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas zusammen…”

Von was eigentlich will man hier ablenken?

20.02.2019 20:16 Werner 19

Es ist Eile geboten. Bevor die Öfen, Haus- und Garten-Kamine verboten werden, sollte man nochmal alles, was man an alter Teerpappe, Altreifen und- öl, Nitroverdünnung aus DDR-Zeiten, Socken und Schlüpfern, normalerweise in die Mülltonne wirft, bzw. zum Sondermüll schafft, volle Pulle mit nassem Holz durchjagen. Dann ergibt das Verbot auch wirklich einen sinnvollen Sinn, und nicht nur der Daseinsberechtigungsnachweisversuch von Möchtegern-Politikern, die sonst offenbar sorgenfrei ohne Sorgen jede brotlose Kunst angefangen, aber nie abgeschlossen, oder sonstwiewas auf der Pfanne haben. Wo ein alter Schuppen abzubrechen ist - anfordern. Da kommen die beim Abbrechen wenigstens nicht aus der Übung, und auch nicht auf anderen Blödsinn. Es muss ja nicht gleich die Feuerwehr die Explosion eines riesigen Feuerwerksartikel- & Sprengstoff-Lagers vermuten (die BW kanns nicht mehr sein - die hat ja nix mehr...) Am Besten, man lädt die Truppe zum Umtrunk gleich mit ein. Kleiner Scherz.

20.02.2019 19:41 Rico 18

Mein Ofen bleibt stehen sonst Brennt dort oben bald die Luft.

20.02.2019 18:56 gerd 17

Die Dieselautos sollen nach Willen von Grünen und Umweltaktivisten ja alle vom Markt verschwinden .Dazu folgende Anektode die mir ein befreundeter Elektromeister erzählte.Er wollte für einen Neubau Mehrfamilienhaus in Magdeburg Elektroladestationen beantragen bei den Stadtwerken 8 Stück für 8 Wohneinheiten ,der Bearbeiter sagte ihm das wäre gar nicht möglich weil das Erdkabel für dieses Wohngebiet maximal 30 Ladestationen vertragen würde obwohl es neu verlegt war das Baugebiet wurde für 450 Wohneinheiten konzipert.

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