20.07.2020 | 16:40 Uhr Ferienlager: Freie Plätze und großes Aufatmen

Eine Woche ohne Eltern, dafür aber neue Freunde, Doppelstockbett und Stockbrot am Lagerfeuer: Genau das macht den Charme von Ferienlagern aus. Doch in diesem Jahr stand lange infrage, ob die in den Ferien überhaupt stattfinden können. Corona-bedingt wurden die Einrichtungen auf unbestimmte Zeit geschlossen. Nun haben die Ferien in Sachsen begonnen und die ersten Kinder haben ihre Ferienfreizeit angetreten. Freie Plätze gibt es noch – ebenso wie die Hoffnung der Anbieter, das Corona-Jahr irgendwie zu überstehen.

Ein Wegweiser zur Jugendherberge.
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Über zwei Monate mussten Betreiber von Feriencamps und Jugendherbergen in Sachsen um ihr Sommergeschäft bangen: Nach den Corona-bedingten Schließungen Mitte März wurde erst im Mai klar, dass die Anbieter in den Sommerferien wieder öffnen dürfen. Das hatte der Freistaat in seiner Allgemeinverfügung festgelegt. Allerdings nur mit einem angemessenen Hygienekonzept. Das bedeutet, weniger Besucher und mehr Aufwand in Sachen Organisation.

Nur Hälfte der Betten belegt

Jessica Reiche vom Kinder- und Jugendcamp Naundorf bei Leipzig ist aber kurz nach dem Ferienstart zuversichtlich: "Mit der momentanen Situation sind wir ganz zufrieden. Natürlich könnte es mehr sein – wir können ja nur halbe Belegung fahren. Aber das ist meckern auf hohem Niveau." Aktuell nehme das Feriencamp nur 50 statt 90 Kinder auf.

Laut Rüdiger Schaper geht es dem Landesverband der Kinder- und Jugenderholungszentren (KiEZ) ganz ähnlich. Der Leiter des KiEZ "Querxenland" in Seifhennersdorf in Ostsachsen berichtet, dass das Feriencamp nur zu rund 50 bis 60 Prozent ausgelastet sei: "Die Einzelanmeldungen durch die Eltern sind unter heutigen Bedingungen sehr gut. Es gibt an den Standorten in Sachsen immer mal ein bis zwei Restplätze – sonst sind sie ausgebucht." Allerdings habe es bei Gruppenanmeldungen wie von Vereinen oder Horten viele Stornierungen gegeben.

Hygienekonzepte für Ferienlager

Das ist Schaper zufolge aber gar nicht so negativ zu bewerten: "Die Corona-Bedingungen erlauben nicht die volle Auslastung. So können wir unser Hygienekonzept auch gut umsetzen: Wo es geht, haben wir Einbahnstraßenregelungen getroffen, wo sich Gruppen begegnen könnten. Außerdem gibt es jetzt Zeitplänen für das Essen und Duschen und nur noch geschlossene Gruppen." Das Grundkonzept habe der Landesverband mit dem Sozialministerium abgestimmt. Jeder Standort habe das Konzept dann auf seine eigenen Bedürfnisse angepasst und dem zuständigen Gesundheitsamt vorgelegt.

Hygiene steht auch in Naundorf bei Jessica Reiche an erster Stelle. Das Konzept sieht hier vor, dass beispielsweise keine Eltern mehr aufs Gelände dürfen und die Gruppen nicht durchmischt werden, außerdem werde regelmäßig geputzt und desinfiziert. „Und sobald es das Wetter zulässt, machen wir alles unter freiem Himmel. Sodass wir das ein Infektionsrisiko so gering wie möglich halten."

Stockbrot wird über offenem Feuer zubereitet
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Keine Preissteigerungen in diesem Jahr

Für Reiche und Schaper bedeutet die geringe Auslastung aber auch enorme finanzielle Einbußen. Trotzdem kam eine Preiserhöhung für beide nicht in Frage. Reiche erklärt: "Andere Anbieter, die wir kennen, haben wegen Corona die Preise erhöht. Wir haben gesagt, wir machen es nicht, weil Eltern in Kurzarbeit waren oder arbeitslos geworden sind. Wir wollten aber jedem die Möglichkeit geben, sein Kind wegzuschicken." Reiche führt das Feriencamp als kleinen Familienbetrieb zusammen mit ihrer Mutter. "Dieses Jahr müssen wir den Gürtel enger schnallen. Wir sind guter Dinge, dass wir 2021 wieder voll durchstarten können", gibt sich die Unternehmerin hoffnungsvoll.

Wir machen das jetzt über 25 Jahre und da hängt eine Existenz dran. Es war eine schwierige Zeit mit viel Hoffen und bangen. Hätten wir nicht öffnen können, wäre das Unternehmen in die Brüche gegangen – da müssen wir uns nichts vormachen.

Jessica Reiche Betreiberin Kinder- und Jugendcamp Naundorf

Existenzangst bleibt

Auf den kommenden Sommer hofft auch Schaper aus Seifhennersdorf. Rund eine Million Euro Umsatzverlust hat er eigenen Angaben zufolge im Frühjahr durch Corona gehabt. Trotz Soforthilfen vom Freistaat für seinen Standort in Höhe von 270.000 Euro bangt er um die Zukunft: "Wir erarbeiten in diesem Sommer keine Rücklagen, versuchen nur verlustfrei durchzukommen. Die eigentliche Hürde wartet noch: Von Dezember bis März haben wir immer ein Verlustgeschäft. Wir müssen jetzt wöchentlich gucken, was wir tun müssen, um im nächsten Jahr noch zu existieren. Es wird knapp, aber es ist nicht unmöglich."

Freie Plätze bei vielen Anbietern

kleine Mädchen tuscheln
Baden, toben, neue Freunde finden - das gehört natürlich zum Ferienlager dazu. Bildrechte: colourbox

Viele Eltern, so berichten Reiche und Schaper, hätten vor allem in den vergangenen vier Wochen einen Platz für ihr Kind gebucht. Susan Graf vom Sächsischen Jugendherbergswerk stimmt zu, weiß aber auch zu berichten, dass sich bei ihr auch während der Corona-bedingten Schließzeiten viele Eltern gemeldet haben. Von Jugendherbergen, Freizeitanlagen und Betreibern in Sachsen ist zu vernehmen: Plätze gibt es noch. Wer sein Kind nun noch zu Stockbrot und einem Abenteuer ohne Eltern schicken möchte, sollte aber schnell sein.

Angebote zu Ferienlagern, Jugendfreizeiten und Betreuungsmöglichkeiten finden Sie im Internet, beispielsweise beim sächsischen Landesverband der Deutschen Jugendherbergen (DJH), der Sportjugend Sachsen (SJS), dem Landesverband Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) oder dem Portal Juvigo.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.07.2020 | 19:00 Uhr

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