Interview Fast täglich Angriffe auf Feuerwehrleute in Sachsen

Angespuckt, bedroht, beschimpft - Rettungskräfte sind immer häufiger Aggressionen ausgesetzt. Wie geht es Feuerwehrleuten in Sachsen? Darüber hat Katrin Tominski mit Andreas Rümpel, Vorsitzender des sächsischen Landesfeuerwehrverbandes, gesprochen. Er fordert mehr gesellschaftliche Diskussionen zu Gewalt an Rettungskräften.

Drei Männer behindern nach einem tödlichen Unfall die Arbeit der Rettungskräfte.
Drei Männer behindern in Bremervörde in Niedersachsen nach einem tödlichen Unfall die Arbeit der Rettungskräfte. Doch auch in Sachsen gibt es Übergriffe auf Kameraden der Feuerwehr. Bildrechte: dpa

Herr Rümpel, Rettungskräfte sind bundesweit immer häufiger Aggressionen und Gewalt ausgesetzt. Wie ist die Situation in Sachsen?

Leider stellen wir fast täglich fest, dass es Pöbeleien, Aggressionen und Gewalt gegenüber Feuerwehrleuten in Sachsen gibt. Wir haben zwar keine Statistiken, doch jeder Fall ist ein Fall zu viel. Kameraden werden geschlagen, mit Messern bedroht. Autos fahren durch Einsatzstellen und gefährden damit die Sicherheit der Einsatzkräfte, weil sie angefahren werden können.

Diese Aggressionen und Gewalt gehen gar nicht. Unsere Rettungskräfte riskieren uneigennützig ihr Leben. Helfer dürfen nicht selbst zu Opfern werden. Wir brauchen mehr Respekt vor Einsatzkräften.

Feuerwehrleute werden mit dem Messer bedroht?

Ja, es ist traurig - aber es ist so. Ein Fall ereignete sich erst im September im Erzgebirge. In Schlettau wurden zwei Kameraden bei einem Messerangriff von einem 69-Jährigen schwer verletzt. Seit November liegt der Angriff bei der Staatsanwaltschaft, doch bislang steht das Verfahren aus. Die betroffenen Kameraden haben jetzt einen offenen Brief an das Ministerium geschrieben. Sie fordern, dass die Justiz solche Übergriffe schnell ahndet und Strafen durchsetzt.

Andreas Rümpel, Chef Landesfeuerwehrverband Sachsen, Chef Berufsfeuerwehr Stadt Dresden.
Sachsens Feuerwehr-Chef Andreas Rümpel beklagt Übergriffe auf Feuerwehrleute und fordert eine größere öffentliche Diskussion. Bildrechte: Andreas Rümpel

Worin sehen Sie die Gründe für ein solches aggressives Verhalten?

Wir merken gesamtgesellschaftlich, dass sich die Gemüter deutlich schneller erhitzen. Das darf aber nicht dazu führen, dass Einsatzkräfte angegriffen werden. Oft sind bei den Anfeindungen Alkohol und Drogen im Spiel. Doch wir merken auch, dass das Klima in der Gesellschaft insgesamt aggressiver und der Umgang roher geworden ist. Das hat auch mit der Erziehung zu tun. Wenn Kinder keinen Respekt erlernen, werden sie später nicht respektvoll sein.

Wie gehen Sie als Feuerwehr mit den Anfeindungen um?

Wir müssen uns darauf einstellen. Es hält uns aber manchmal davon ab, schnell und gezielt zu handeln. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch schade. Denn unsere Kameraden kommen ja, um in Notsituationen zu helfen. Selbstverständlich betreuen wir alle betroffenen Kameraden mit einer rechtlichen und psychologischen Unterstützung und helfen ihnen, sich auf schwierige Situationen einzustellen.

Doch abseits davon: Wir müssen die Gewalt gegenüber Einsatzkräften auch gesamtgesellschaftlich diskutieren. Wir müssen darüber reden, dass sich die Freiwillige Feuerwehr für Einsätze in ihrer Freizeit neben ihrem Beruf engagiert.

Wie hoch schätzen Sie die Gefahr, dass durch das Risiko Gewaltübergriffe das Engagement für die Freiwillige Feuerwehr sinkt?

Die Freiwillige Feuerwehr stellt die Hauptstruktur des Brand- und Katastrophenschutzes in Sachsen. Insgesamt 43.000 freiwillige Feuerwehrleute und 2.700 hauptberufliche Feuerwehrleute sichern den Brand- und Katastrophenschutz in Sachsen. Wir haben immer einen Bedarf an jungen Menschen, viele Feuerwehrleute fehlen besonders im ländlichen Raum. Und ja: Wir sehen die Gefahr, dass sich manche Männer und Frauen überlegen, zur Freiwilligen Feuerwehr zu gehen, weil sie Gewalt gegen Einsatzkräfte erfahren könnten.

Sachsen

Feuerwehr steht vor Wohnhaus in Liebstadt 99 min
Bildrechte: Marko Förster

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 12.02.2019 | 20:00 bis 23:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2019, 19:15 Uhr

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13 Kommentare

19.02.2019 13:30 Mediator 13

Ich bin erstaunt was hier für Ausreden angeführt werden um Angriffe auf Rettungskräfte zu rechtfertigen. Es ist schlicht und ergreifend eine Sache des Anstandes ob ich andere Menschen angreife oder nicht.

Wenn dann auch noch eine Partei oder Organisation dazu aufruft auf Anstand zu scheißen, dann das natürlich einige dumme Menschen gerne auf. Es soll ja sogar manche Leute geben die glauben sich politisch zu engagieren, nur weil sie einen Brandsatz auf ein Flüchtlingsheim geschleudert haben.

Ansonsten sollte sich jeder einmal klar machen in was für einem tollen Land wir hier leben und dass unsere Lebensqualität sich auch durch das soziale Engagement jedes einzelnen ergibt. Immer nur nach dem Staat zu rufen und selbst faul auf der Couch zu liegen, ohne sich irgendwie für die Gemeinschaft zu engagieren, bringt unser Land nicht weiter.

Er Rettungskräfte angreift ist schlicht und ergreifend assozial. So etwas ist schlicht und ergreifend ein Charakterfehler.

18.02.2019 15:17 Wolpertinger 12

@18.02.2019 11:19 Artep
Zum Feuerwehrchef:
Nö, muss er nicht. Verschwurbelt mache es nur die Verschwörungstheoretiker hier im Forum.

18.02.2019 14:46 Frank 11

@ 3: Ja, es ist wieder einmal Stunde der Populisten, wie man an Ihrem Beitrag sehen kann. Hier handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, nicht nur auf Sachsen beschränkt. Einen Populisten interessiert das aber nicht. Er reisst die Dinge aus ihrem Zusammenhang und verbiegt sie so wie er es braucht. Schade nur, damit leistet man keine Beitrag zur Problemlösung. Aber das bezwecken Populisten ja auch nicht.

Lesen Sie sich dazu mal den Beitrag von Gaihadres durch. Der hat das sehr treffend auf den Punkt gebracht!

18.02.2019 14:23 mare nostrum 10

@ 2

Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass der Marx-Kopf seit 1968 im Mittelmeer steht und dass es dort eine andere Straßenseite gibt.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

18.02.2019 11:19 Artep 9

Nachtrag: ich bleibe bei meiner Einschätzung. Und: auch ein feuerwehrchef muss konkret werden, wenn er etwas verurteilt: Wer sind die Angreifer, in welchen Situationen, welche Beschuldigungen und Beispiele. Ansonsten bleibt alles vage und verschwurbelt. Seien Sie doch so mutig, liebe jugendfreunde beim mdr und nennen Sie die Dinge beim Namen. Wenn es um rääääächts geht sind sie doch auch sehr schnell und klar mit ihren Anschuldigungen.

18.02.2019 10:24 Schnibbler 8

ergänzung zu vor.
das bild könnte auch aus niedersachsen kommen, haben die nicht auch nen weißen gaul auf rot? ist aber in der sache egal. wen interessiert wo "row" ist, sachsen scheint es ja nicht zu sein

@ mdr
bei der recherchearbeit doch bitte auch sächsische lokalitäten raus suchen wenn ihr schon über sachsen schreibt. das verwirrt sonst nur wie man sieht

18.02.2019 10:19 Artep 7

Sachsen muss wohl für alles Unheil herhalten? Was hat der Text, der im übrigen so nichtssagend ist wie fast alle Beiträge hier, mit Sachsen zu tun. Besonders frech ist es, ein Foto aus dem Westen einzustellen und dann auf die Sachsen eibzeinzuschlagen zuschlagen. Schämt euch MDR.

[Lieber Artep, das Foto steht exemplarisch für ein bundesweites Problem. Rettungskräfte in allen Bundesländern berichten über Angriffe in ihrem Arbeitsalltag.
Darüber haben wir u.a. hier berichtet: https://www.mdr.de/brisant/viele-angriffe-auf-einsatzkraefte-situation-in-hamburg-eskaliert-100.html

MDR Sachsen berichtet regional und hat sich damit beschäftigt, wie die Situation in Sachsen aussieht. Regionale Berichterstattung ist die Aufgabe der Redaktion. Andreas Rümpel, Vorsitzender des sächsischen Landesfeuerwehrverbandes, ist qua seines Amtes aussagekräftig, wenn es um das Thema geht.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]


18.02.2019 09:30 Schnibbler 6

@ Ralf Ratzer
Das Randalefoto oben zeigt ja wohl eindeutig NRW-Polizei. Glaube kaum das da "wieder die Vandalen" aus Sachsen beteiligt waren.
Bitte hören Sie auf Ihrer Abneigung gegen Sachsen derart pauschal zu fröhnen oder machen das in Ihrer wohlbehüteten Höhle, wo auch immer Sie herkommen.
Und nein: ich wohne nicht in Sachsen sondern in Bayern.

18.02.2019 09:09 Hochdruck 5

@3 Nicht nur in Sachsen, in ganz Deutschland wird es rauer!

Es ist wie beschrieben ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Jeder merkt es, so denke ich zumindest selbst. Die Arbeit zerrt aus. Der Staat kostet mehr Geld als das er nutzen bringt. Alles muss schnell gehen der Tag hat nur 24 Stunden usw. usw. ... Da werden schnell die Gemüter erhitzt und es entlädt sich an der absolut falschen Adresse. Bsp.:Kinder müssen quer durch die Stadt zur Kita , Schule gebracht werden. Der Arbeitsbeginn ist gerade so zu erreichen,man ist müde da die Nacht zu kurz war(Haushalt, irgendwelche Staatsbürokratie zu erledigen etc.) Dann eine Straßensperrung weil jemand mit seinem Auto ein Unfall gebaut hat o.ä. . Das reicht dann wohl den Meisten und es passiert.
An alle die von oben runter meckern bitte bringt mal sinnvolle Beiträge zur Ursachenbehebung.

18.02.2019 09:00 Gaihadres 4

Das wundert mich leider nicht. Im Straßenverkehr kann ich täglich im Kleinen beobachten, was im Großen geschieht. Es hat sich eine Mentalität des Ellenbogens gebildet und man kann sagen: Wo kein Kläger da kein Richter. Den Menschen geht das Bewusstsein für das eigene Fehlverhalten verloren, weil Niemand sie auf Ihr Fehlverhalten hinweist - weil es keine Konsequenzen hat. Das hat m.E. auch wenig mit der politischen Haltung zu tun, worauf @Nr.1 wohl hindeutet. Das ist ein Gesamtgesellschaftliches Problem. Die Menschen müssen wieder mehr zusammenrücken, ohne sich gleich abzuschotten. Aber dazu brauch es wohl auch wirtschaftliche und soziale Sicherheit und da gibt es eine teilweise reale, teilweise gefühlte Schieflage.

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