13.01.2020 | 15:42 Uhr Plötzlich Pflegefall - was muss ich tun in Sachsen?

Jeder kann zum Pflegefall werden – egal, wie alt man ist. Ein Unfall oder ein Schlaganfall können das Leben komplett auf den Kopf stellen. Je früher man sich mit dem Thema Pflege beschäftigt, desto besser kann man im Notfall Entscheidungen treffen.

Ein junger Mann sitzt im rollstuhl. neben ihm steht eine Pflegerin oder Krankenschwester, die ihm etwas auf einer Buchseite zeigt.
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Hilfe, wo rufe ich zuerst an?

In den Kliniken gibt es die Sozialdienste, die im ersten Moment zur Seite stehen und beraten. Man sollte unbedingt seine Pflegekasse zeitnah anrufen.
Die meisten Pflegekassen sind über die Krankenkasse erreichbar, bei der der Betroffene versichert ist. Jeder gesetzlich Versicherte hat einen gesetzlichen Anspruch auf eine Pflegeberatung. Die muss innerhalb von zwei Wochen erfolgen und kostenlos sein. Man kann die Erstberatung auch zu Hause bekommen. Danach stellt man einen Pflegeantrag bei der Pflegekasse.

Für privat Versicherte wird die Pflegeberatung gebündelt durch ein privates Unternehmen angeboten. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Was, wenn ich mich selbst um nichts kümmern kann?

Den Pflegegeld-Antrag müssen Pflegebedürftige selbst stellen. Wer das nach einem schweren Unfall oder einer Krankheit nicht mehr selbst kann, greift auf seine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung zurück. Darin sind Verwandte oder Freunde benannt, die die rechtliche Vertretung übernehmen können. Jeder sollte schon zu Zeiten, in denen er noch gesund und fit ist, die Dokumente erstellen. Im Grunde ist man ab seiner Volljährigkeit mit 18 Jahren dafür eigenverantwortlich zuständig.
Hat man nicht rechtzeitig vorgesorgt, ordnet das Amtsgericht eine rechtliche Betreuung an.

Das müssen Sie zu Vorsorgevollmachten wissen:

Der Pflegegeld-Antrag

Rollstuhlfahrer Figürchen auf Münzstapel vor 100 Euro Banknote
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Nach der Meldung bei der Pflegekasse stellt man den Pflegegeldantrag zur finanziellen Unterstützung. Der Antrag kann formlos erfolgen. Alle wichtigen Fragebögen und Unterlagen bekommt man danach von der Pflegekasse zugeschickt. Die Caritas rät, nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen und den Antrag zügig zu stellen, damit man Leistungen auch zeitnah bekommt.
Die Pflegeversicherung beauftragt den Medizinischen Dienst (MDK). Ein Mitarbeiter begutachtet den Fall und stellt fest, ob und wie viele Leistungen dem Betroffenen aus der Pflegeversicherung zustehen. Pflegeberater empfehlen, dass man sich auf den Termin gut vorbereitet und Angehörige, die mit dem Pflegefall betraut sind, zum Gespräch dazu bittet.

Hier finden Sie Informationen, um sich auf den MDK-Besuch vorzubereiten:

Wer hilft mir, wenn ich nicht mehr weiter weiß?

Das Pflegenetzwerk Sachsen

in Sachsen gibt es das Onlineportal PflegeNetz Sachsen. Auf den Internetseiten hat das Sächsische Sozialministerium alle Angebote und Informationen für Pflegebedürftige und Angehörige zusammengefasst. Dort finden sich auch die Telefonnummern und Mailadressen zu regionalen Pflegekoordinatoren in allen Landkreisen und Großstädten sowie regionale Angebote.

Hier finden Sie alle Informationen dazu.

Bundesweites Pflegetelefon

Auf Bundesebene gibt es das "Pflege-Telefon" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Expertinnen und Experten des Pflegetelefons beantworten Fragen wie:

  • Wie wird Pflege organisiert?
  • Welche Einrichtungen und Dienste gibt es?
  • Welche Kosten entstehen? Wie funktioniert die Familienpflegezeit?
  • Wer hilft mir, wenn ich nicht mehr kann?

Das Pflegetelefon ist montags bis donnerstags zwischen 9 und 18 Uhr unter der Nummer 030-20 17 91 31 und per E-Mail an info@wege-zur-pflege.de zu erreichen.

Wie finde ich heraus, welches Pflegeheim zu mir passt?

In Deutschland fehlen Pflegeplätze für Pflegebetroffene unter 60 Jahren. In klassischen Senioren- und Pflegeheimen werden sie oft nicht adäquat bereut. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat eine Übersicht zusammengefasst, in der man Schritt für Schritt den Weg zum passenden Pflegeheim finden kann.

Alle Informationen dazu finden Sie hier.

Quellen: MDR/kk/Pflegenetzwerk Sachsen/Caritas/Bundesverband der Verbraucherzentrale

Dieses Thema im Programm im MDR MDR Fernsehen SELBSTBESTIMMT | 10.01.2020 | 11:12 Uhr

1 Kommentar

Zeitgeist vor 35 Wochen

Ich hoffe da schaffe ich es noch zur Schnapsflasche, nur ein Pilsner- Urquell reicht da nicht. Unser Gesundheitssystem ist so weit am Boden, bitte nicht an so was denken !

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