Flughafenerweiterung Flughafen Frankfurt entsorgt belastete Erde in Sachsen

Baustelle am Frankfurter Flughafen
Auf der Südseite der Frankfurter Flughafens wird das Terminal 3 gebaut. Das Erdreich des einstigen Militärgeländes der US Army ist belastet und wird deshalb fachgerecht entsorgt. Bildrechte: imago images / brennweiteffm

Die Betreiberin des Flughafens Frankfurt am Main, die Fraport AG, entsorgt belastetes Erdreich auch in Sachsen. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN. Die genaue Menge und die Deponie, auf der der Boden gelagert werden soll, würden nicht genannt, so der Sprecher. Er begründete dies mit noch laufenden Ausschreibungen für weitere Entsorgung von Aushub.

Eine MDR-Anfrage bei der Zentraldeponie Cröbern südlich von Leipzig ergab, dass dort gering belastetes Erdreich bereits angenommen und teilweise für einen Ringdamm genutzt wurde. Eine Sprecherin der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV) erklärte, der belastete Boden dürfe für technische Bauwerke verwendet werden. Ein weiterer Teil Erdreich von der hessischen Flughafenbaustelle sei wegen zu vieler Steine nicht im Ringdamm, sondern auf der Deponie verbaut worden, hieß es. Die Transporte laufen den Angaben zufolge seit Sommer und umfassten bislang 12.700 Tonnen. Eine Sprecherin legte Wert auf den Hinweis, dass die WEV zudem die Anfragen für rund 200.000 Tonnen stärker belasterter Abfälle aus dem Bauvorhaben der Fraport AG abgelehnt hat.

Boden von Terminal-Baustelle

Der Erdaushub stammt von der Baustelle des neuen Terminals 3, das auf der Südseite des Rhein-Main-Airports errichtet wird. Der dortige Boden ist mit poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC) belastet. Das Gelände wurde früher jahrzehntelang von der US Army genutzt. Der Flughafensprecher sagte, mutmaßlich stamme die Chemikalie vom Löschschaum, der von der Army zu Übungszwecken eingesetzt wurde und in den Boden gelangte. Vieles könne aber durch die militärische Geheimhaltung nicht mehr restlos geklärt werden.

470.000 Kubikmeter Erdreich insgesamt übrig

Der Flughafen hat das Gelände unter anderem für sein neues Terminal 3 und für Flugzeugabstellflächen übernommen und muss nun die Altlast fachgerecht entsorgen. Trotz Einschränkungen auf dem Bau durch die Corona-Pandemie sollen noch in diesem Jahr etwa 75 Prozent des überschüssigen Bodenmaterials abtransportiert sein.

Angefahren werden dazu Annahmestellen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Ostdeutschland via Zug, Schiff und Lkw.

Presseinformation des Flughafens Frankfurt

Die Gesamtmenge des überschüssigen Bodens ist gegenüber ursprünglicher Planungen um etwa 70.000 auf rund 470.000 Kubikmeter gestiegen. Laut Flughafensprecher gibt es in unmittelbarer Nähe des größten deutschen Airports keine geeigneten Deponien. Mitte kommenden Jahres soll der Abtransport des Erdreichs beendet werden.

Rhein-Main Air Base Die US Army hat die Rhein-Main Air Base von 1945 bis 2005 betrieben. Sie galt zeitweise als größter Militärflugplatz außerhalb der Vereinigten Staaten. Bis zu 7.000 Soldaten und ihre Familien waren auf dem Gelände stationiert. Von der Rhein-Main Air Base starteten auch Rosinenbomber während der Luftbrücke, um Bewohner im blockierten West-Berlin zu versorgen.

PFC-Verbindungen weit verbreitet, aber umstritten

PFC-Verbindungen sind nach Angaben des Flughafensbetreibers weit verbreitet. Wegen seiner wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften werden die Stoffe den Angaben zufolge in Outdoor- und Arbeitsbekleidung, bei Pizzakartons, Pappbechern sowie teflonbeschichteten Kochgeschirr eingesetzt. Bei Feuerlöschmitteln werde PFC hingegen nicht mehr verwendet. Seit mehr als zehn Jahren gelten Beschränkungen für PFC in der EU.

Rückstände der Kohlenstoffverbindungen werden im Boden nicht abgebaut und können ins Grundwasser gelangen. Darauf verweisen die Flughafenbetreiber.

Mit dem Terminal 3 soll der Flughafen Frankfurt massiv erweitert werden. Ursprünglich sollte das neue Abfertigungsgebäude gegenüber den bisherigen Terminals 1 und 2 schon 2023 in Betrieb gehen. Wegen der dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Luftfahrt wurde der Zeitplan inzwischen aufgegeben.

Quelle: MDR/lam

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