Schüler einer 5. Klasse malen um einen Tisch sitzend bei einer Gruppenarbeit.
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19.06.2019 | 16:43 Uhr Freie Schulen in Sachsen fordern bessere Finanzierung

Schüler einer 5. Klasse malen um einen Tisch sitzend bei einer Gruppenarbeit.
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Sachsens freie Schulen fordern von der Landespolitik die Gleichbehandlung mit staatlichen Schulen. Dazu hat die Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände freier Schulträger in Sachsen (LAGSFS) am Mittwoch eine Petition gestartet. Die freien Schulen fordern darin unter anderem, an allen staatlichen Förderprogrammen beteiligt zu werden und mehr Zuschüsse für die Personalkosten zu bekommen. Im Herbst sollen dem neuen Sächsischen Landtag mindestens 12.000 Unterschriften übergeben werden.

Ohne Schulgeld geht es nicht

Manja Bürger, Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände freier Schulträger in Sachsen
Manja Bürger und ihre Kollegen fühlen sich ungleich behandelt. Bildrechte: MDR SACHSEN

"Der Freistaat ist sowohl für freie als auch für staatliche Schulen gleichermaßen verantwortlich. Er kommt dieser Aufgabe jedoch nach wie vor nicht in vollem Umfang nach", sagte LAGSFS-Vorsitzende Manja Bürger unter Verweis auf die Sächsische Verfassung. Besonders bei der Finanzierung sehen sich die freien Schulträger im Nachteil: Kosten für Instandhaltung, Renovierung und Investitionen in Schulgebäude bleiben demnach teilweise unberücksichtigt. Auch würden nur 90 Prozent der Personalkosten übernommen, kritisiert der Verband. Nötig seien jedoch 100 Prozent, damit die fehlenden Gelder nicht länger mit dem Schulgeld der Eltern ausgeglichen werden müssten, sagte Bürger.

Ausgebildete Lehrer heiß umkämpft

Nicht nur die Finanzierung macht den freien Schulträgern Sorgen, sondern auch die Werbung geeigneter Lehrkräfte. Denn mit der Verbeamtung von Lehrern im staatlichen Schuldienst hat sich der Konkurrenzdruck verschärft. Zu den Vorschlägen der freien Schulträger gehört deshalb auch, dass sich verbeamtete Lehrer zeitweise für den Dienst an einer freien Schule freistellen lassen können.

Johannes Preißiger, Sabel-Oberschule Freital
Johannes Preißiger kümmert sich an der freien Sabel-Oberschule in Freital um die Aus- und Weiterbildung von Lehrern. Bildrechte: MDR SACHSEN

Nach Ansicht von Johannes Preißiger, Lehrer an der freien Sabel-Oberschule in Freital, könnten Kollegen auf diesem Weg beide Schulsysteme vergleichen und abwägen, was ihnen besser gefällt. Ein Vorteil kleinerer Schulen wie der Sabel-Oberschule sei etwa, dass sich Lehrer ihren Schülern mehr und individueller widmen können. Allen Vorteilen zum Trotz: Einen Referendar hat die Sabel-Oberschule im Moment nicht.

Durch die winkende Verbeamtung nehmen Referendare eher Dienst an staatlichen Schulen auf, als sich für eine freie Schule zu entscheiden.

Johannes Preißiger Lehrer an der Sabel-Oberschule in Freital

Dirk Reelfs vom Sächsischen Kultusministerium zufolge gibt es schon jetzt die Möglichkeit für Lehrer, sich beurlauben zu lassen. "Theoretisch", betont Reelfs. "In Zeiten des Lehrermangels hat der Arbeitgeber - sprich der Freistaat - kein Interesse daran, seine Lehrer an die freien Schulen abzugeben." Sollte es also Anträge geben, werde ihnen nur in ganz wenigen Fällen stattgegeben.

Untersuchung zur Finanzierung läuft

Dirk Reelfs
Dirk Reelfs vom sächsischen Kultusministerium Bildrechte: MDR SACHSEN

Zur Petition sagte Reelfs, es sei im Interesse der Lobbyvertretung der freien Schulen, ihrer Forderung nach einer besseren Finanzierung Nachdruck zu verleihen. Der Vorstoß verwundere jedoch, da derzeit ein externer Gutachter die Finanzierungsregelung prüfe. Davon wüssten auch die freien Träger, mit denen man im Gespräch sei. "Das war ein klarer Auftrag des Gesetzgebers, als vor fünf Jahren das Privatschulgesetz novelliert worden ist." Die Ergebnisse werden im Herbst erwartet. Auch betont das Kultusministerium, dass sich die Finanzhilfe für freie Schulen an den Ausgaben für die öffentlichen Schulen orientiert und seit dem Jahr 2014 kontinuierlich gestiegen ist.

Finanzhilfe des Landes Sachsen für freie Schulen
Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
  (Ist) (Ist) (Ist) (Ist) (Ist) (veranschlagt) (veranschlagt)
Zuweisungen in Mio. € 245,4 297 322,5 343,5 366,9 398,2 422,7

Quellenangabe: Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Nach Angaben des Kultusministeriums gibt es in Sachsen derzeit 228 Schulen in freier Trägerschaft, für das Schuljahr 2019/2020 wurden Genehmigungen für 20 weitere Schulen beantragt.

Schulen in freier Trägerschaft (Schuljahr 2018/2019)
Schulart Anzahl
Grundschulen 86
Oberschulen 74
Gymnasien 40 + 1 Kolleg
Förderschulen 20
Waldorfschulen 7

Quellenangabe: Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Quelle: MDR/jr/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 19.06.2019 | 19:00 Uhr

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