19.06.2020 | 16:25 Uhr | Update Galeria-Karstadt-Kaufhof: Leipzig und Dresden bleiben, Chemnitz wird geschlossen

Der Schriftzug Galeria Kaufhof ist über einem Eingang der Filiale am Alexanderplatz zu sehen.
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Das Kaufhaus Galeria Karstadt-Kaufhof in Chemnitz wird geschlossen. Das bestätigte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi MDR SACHSEN. 140 Arbeitsplätze sind demnach in Gefahr. Die Filialen in Leipzig und Dresden sollen bestehen bleiben. Die Unternehmensleitung hatte die Beschäftigten in allen Filialen am Freitagmittag über die Sparpläne informiert.

Trauer um angekündigte Schließung

Für die Stadt Chemnitz ist die Schließung des Kaufhauses ein Rückschlag.

Es ist den den vergangenen Jahren gemeinsam gelungen, durch viele kleine und große Maßnahmen, die Innenstadt zu beleben, lebendiger zu machen. Das ist ein ständiger Kraftakt, auch manchmal mit Rückschlägen. Durch die Schließung des Kaufhofs ist diese Herausforderung noch größer geworden.

Matthias Nowak Pressesprecher der Stadt Chemnitz

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig bezeichnet die Schließung als einen 'herben Schlag'. Das Haus, welches 2001 am Neumarkt eröffnet wurde, sei damals das erste Warenhaus weltweit gewesen, dessen Fassade komplett aus Glas und Stahl errichtet wurde. "Ein Symbol für eine neue und interessante Innenstadt," so Ludwig. Die Oberbürgermeisterin sieht die Herausforderung, die die Schließung mit sich bringt, als machbar an. Sie hat angekündigt, sich mit den Oberbürgermeisterkollegen der anderen betroffenen Städte zu beraten, wie mit den Schließungen umgegangen werden kann.

Unverständnis bei Verdi

Der Verdi-Landesbezirksleiter Oliver Greie hat kein Verständnis für die Schließungspläne und kündigte Protest an. "Welche Kriterien die Konzernspitze bei der Auswahl der zu schließenden Häuser angelegt hat, können wir nicht nachvollziehen," so Greie. Nach seinen Angaben ist bei dem Kaufhaus in Chemnitz in der Vergangenheit der Umsatz gestiegen.

Jörg Lauenroth-Mago, Fachbereichsleiter für den Handelsbereich bei Verdi, kündigte an, den 140 betroffenen Beschäftigten in Chemnitz so gut es geht zu helfen.

Wir bauen auch auf die Unterstützung der Oberbürgermeister, denen die Attraktivität ihrer Innenstädte und die Gewerbesteuereinnahmen am Herzen liegen sollten.

Jörg Lauenroth-Mago Fachbereichsleiter für den Handelsbereich

Filialen in ganz Deutschland betroffen

Von den Sparmaßnahmen sind Filialen in ganz Deutschland betroffen. Wie die Karstadt-Kaufhof Unternehmensleitung mitteilte, werden 62 der insgesamt 172 Filialen in Deutschland geschlossen. Rund 6.000 der 28.000 Stellen bei dem Konzern sollen wegfallen. Nach der Einigung der Geschäftsführung mit der Gewerkschaft sollen Abfindungen gezahlt und Sozialpläne erstellt werden. Bis Ende Oktober sollen die Häuser noch betrieben werden. Die Betroffenen könnten danach für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln, um eine neue Stelle zu finden, so das Unternehmen.

Starke Umsatzeinbuße durch Coronavirus-Pandemie

Die Kaufhauskette war durch die pandemiebedingten Schließungen aller Filialen bereits Anfang April in eine schwere Krise geraten. Nach Angaben des kaufmännischen Geschäftsführers Miguel Müllenbach verlor das Unternehmen mehr als eine halbe Millarde Euro bis Ende April. Die Geschäftsführung hatte daraufhin vor dem Amtsgericht Essen einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens gestellt.

Bis Ende 2020 rechnet das Unternehmen mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Millarden Euro.

Quelle: MDR/kh/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.06.2020 | ab 14:30 Uhr in den Nachrichten

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