08.05.2020 | 12:45 Uhr Sachsen erinnert an Kriegsende vor 75 Jahren

Auf einem Friedhof in Chemnitz stehen zahlreiche Grabsteine mit russischer Inschrift
Bildrechte: Harry Härtel

In Sachsen ist am Freitag an zahlreichen Orten an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnert worden. Am 8. Mai 1945 hatte die nationalsozialistische Führung Deutschlands bedingungslos kapituliert. Daran und an die Opfer dieses Kriegs erinnerten Politiker und Zeitzeugen mit Kranzniederlegungen. Das Bündnis "Herz statt Hetze" kündigte in der Stadt mehrere Mahnwachen an.

Dresdner OB: 8. Mai verpflichtet

In Dresden fand das zentrale Gedenken am Mittag auf dem sowjetischen Garnisonsfriedhof statt. Wegen der Corona-Pandemie waren statt der ursprünglich erwarteten 100 Gäste deutlich weniger offizielle Vertreter anwesend, unter ihnen Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer, Landtagspräsident Matthias Rößler und der Generalkonsul der Russischen Föderation Andrej Yurevich Dronov. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sagte, 75 Jahre ohne Krieg seien nicht selbstverständlich.

Dirk Hilbert, Bürgermeisterkandidat Dresden
Bildrechte: Dirk Hilbert

Der 8. Mai verpflichtet uns, entschieden für Frieden, für Freiheit und Demokratie einzutreten. Er verpflichtet uns, den Anfängen zu wehren und immer wieder deutlich zu machen, dass in Deutschland, in Sachsen und in unserer Stadt kein Platz ist für diejenigen, die die Demokratie bekämpfen oder die Menschenrechte missachten.

Dirk Hilbert Oberbürgermeister von Dresden

Das Dresdner Stadtarchiv will die Ereignisse in der Stadt am 8. Mai 1945 nachzeichnen und sucht Zeitzeugen, die dafür Dokumente, Fotos, Briefe und sonstige Unterlagen bis hin zu Tagebucheintragungen zur Verfügung stellen. Zudem übernimmt Dresden mit dem diesjährigen Gedenken offiziell den Garnisonsfriedhof vom Freistaat Sachsen.

Klepsch erinnert an Wert eines friedlichen Zusammenlebens

An einem Mahnmal auf einem Chemnitzer Friedhof liegen Kränz und Gestecke, davor stehen mehrere Menschen
Gedenken zu 75 Jahren Kriegsende in Chemnitz Bildrechte: Harry Härtel

In Chemnitz gab es am Morgen stille Kranzniederlegungen an der Kriegsgräberanlage auf dem Städtischen Friedhof und am Mahnmal im Park der Opfer des Faschismus. In Torgau wurde am Fort Zinna an das Weltkriegsende erinnert. Normalerweise nehmen an der Gedenkstunde vor dem ehemals größten Wehrmachtsgefängnis auch Angehörige früherer Gefangener teil. Diesmal war nur eine kleine Zahl geladener Gäste anwesend unter ihnen Kulturministerin Barbara Klepsch, zugleich Vorsitzende der Stiftung Sächsische Gedenkstätten.

Sachsens Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch.
Bildrechte: Staatsministerium/Christian Hüller

Auch 75 Jahre nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft müssen wir uns unserer Verantwortung des 'Nie wieder!' stets bewusst sein. Gedenkstätten und ihre wichtige Arbeit erinnern uns daran, dass unser friedliches Zusammenleben in Europa eines der wertvollsten Güter überhaupt ist.

Barbara Klepsch Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus

In Görlitz sollten nach Aussage von Oberbürgermeister Octavian Ursu alle Kirchenglocken läuten, um an die Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus sowie den Neuanfang zu erinnern. Am Dreiländereck bei Zittau wollten Vertreter aus Deutschland, Polen und Tschechien Tauben als Symbol des Friedens aufsteigen lassen. In Weißwasser wurde am russischen Soldatendenkmal auf dem Friedhof ein Baum gepflanzt.

Streit um offiziellen Status für den 8. Mai

In der DDR war der 8. Mai als "Tag der Befreiung" ein Gedenktag, zeitweise auch ein gesetzlicher Feiertag. In mehreren europäischen Ländern wird er ebenfalls als Gedenktag begangen. In Sachsen fordert die Linke seit Jahren, das Datum zu einem offiziellen Feier- oder Gedenktag zu erklären. Die Landesregierung lehnt aber eine regionale Regelung ab und spricht sich für eine bundesweit einheitliche Lösung aus. Darüber müsste der Bundestag entscheiden.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.05.2020 | 08:00 Uhr in den Nachrichten

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