Lichtperformance Dresden
Am Freitagabend fand die Generalprobe der Lichtperformance in Dresden statt. Bildrechte: xcitePRESS

09.11.2019 | 22:38 Uhr | Update Sachsen gedenkt der Opfer der Reichspogromnacht von 1938

In zahlreichen Städten in Sachsen wurde am Sonnabend der Opfer der Pogrome von 1938 gedacht. So gab es unter anderem Veranstaltungen in Chemnitz, Leipzig, Dresden, Zittau, Zwickau und Görlitz. Am 9. November 1938 wurden jüdische Einrichtungen in ganz Deutschland von den Nazis überfallen, jüdische Bürgerinnen und Bürger inhaftiert und Synagogen angezündet. Die Pogromnacht war der Auftakt der industriellen Vernichtung der Jüdinnen und Juden Europas durch die Nazis. Acht Millionen Menschen jüdischen Glaubens wurden bis 1945 ermordet.

Lichtperformance Dresden
Am Freitagabend fand die Generalprobe der Lichtperformance in Dresden statt. Bildrechte: xcitePRESS

"Lichterwege" erinnern in Chemnitz an Gräueltaten

Bereits am Freitag hat die Stadt Chemnitz mit einer Gedenkveranstaltung der Opfer der Reichspogromnacht vor 81 Jahren gedacht. Am Sonnabend wurde mit "Lichterwegen" ein Zeichen für eine offene und solidarische Stadtgemeinschaft gesetzt und an die Gräueltaten der Nazis erinnert. Die Aktion wurde gleichzeitig in Erinnerung an die Ereignisse von 1938 und den Mauerfall 1989 durchgeführt. Die "Lichterwege" führten deshalb auch an entsprechende Erinnerungsorte.

Mahnwachen und Lichtperformance in Dresden

In Dresden wurde mit einer Lichtperformance wird der Opfer der Reichspogromnacht vor 81 Jahren gedacht. Zu der Lichtaktion waren 80 Künstler mit Leuchtskulpturen am Elbufer und in der Innenstadt unterwegs. Unterstützung bekamen sie von zahlreichen weiteren Beteiligten mit Fahrradlampen, Taschenlampen oder Handys. Auch diese Aktion würdigte zugleich die Verdienste um die Friedliche Revolution.

Lichtperformance Dresden
Lichtperformance Dresden - hier bei der Generalprobe. Die Künstler wollten unter anderem folgende Frage aufwerfen: Wie sind Menschen und Orte mit Geschichte und Erinnerung verbunden? Bildrechte: xcitePRESS

Anlässlich des Pogrom-Gedenktages ist am Sonntag am Standort der ehemaligen Dresdner Synagoge zudem eine Gedenkveranstaltung geplant. Oberbürgermeister Dirk Hilbert werde dabei ein Grußwort sprechen. Ebenfalls am Sonntag führt ein "Weg der Erinnerung" zu früheren Stätten jüdischen Lebens in Dresden. Er endet an der Neuen Synagoge.

Leipzig: Kranzniederlegung und Stolpersteine putzen

Die Stadt Leipzig hat bereits am Freitag mit einer Kranzniederlegung an die Gedenkstätte in der Gottschedstraße an die Pogromnacht erinnert. Zudem wurden die Stolpersteine geputzt.

Am Sonntag ist der Gottesdienst in der Thomaskirche dem Gedenken an die Pogromnacht gewidmet. Die Jüdisch-Christliche Arbeitsgemeinschaft lädt am Montag um 16 Uhr an den Gedenkstein am Partheufer und 17 Uhr zum Friedensgebet in die Nikolaikirche ein. Daran soll sich ein Kerzenweg zur Gedenkstätte Gottschedstraße anschließen.

Veranstaltungen in Görlitz, Delitzsch, Zwickau und Zittau

In Görlitz wurde mit einer ökumenischen Andacht am Sonnabend um 18 Uhr in der Frauenkirche an die Opfer der Novemberpogrome und zugleich den Fall der Mauer erinnert. Im Anschluss gab es einen Lichterweg mit Kerzen zur ehemaligen Synagoge.

In Zwickau fand um 15 Uhr eine Gedenkveranstaltungen auf dem Jüdischen Friedhof und auf dem Georgenplatz statt. Mit einer Demonstration gedachte das Aktionsbündnis "Zittau ist bunt" gemeinsam mit rund 200 Bürgern der Opfer der NS-Verbrechen. Um 17 Uhr startete auf dem Marktplatz eine Gedenkdemonstration. Oberbürgermeister Thomas Zenker forderte angesichts der Ereignisse des 9. November 1938 und 1989 mehr Respekt voreinander.

Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker
Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lassen wir also keinesfalls die Nachfrage sinken, nehmen wir unsere Freiheiten an und ernst. Lernen wir die Welt kennen und zwar auch von den Seiten, die nicht in unseren Vorstellungen entsprechen, bilden wir uns eine Meinung, nehmen wir Ernst, was andere zu sagen haben, aber plappern wir nicht einfach nach. Lernen wir Auseinandersetzungen zu führen, widersprechen wir, wenn es notwendig ist. Ignoranz, Schweigen und Stillhalten, weil es unangenehm ist, zu streiten, führen zu keinem Ergebnis.

Thomas Zenker Oberbürgermeister Zittau (Redemanuskript)

In Delitzsch luden Vertreter der Kirchen am Nachmittag zu einer ökumenischen Andacht auf den israelitischen Friedhof ein.

Appelle von Kretschmer und Köpping

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer rief die Zivilgesellschaft beim Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin am Freitag auf, für Demokratie, Meinungsfreiheit unf gesellschaftlichen Zusammenhalt zu kämpfen.

Wir alle sind gefragt, laut und konsequent zu widersprechen, wenn wir Hass, Hetze, Rassismus und Antisemitismus begegnen - in unserem Umfeld, auf der Straße oder in den sozialen Medien.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen auf Instagram

Gleichstellungs- und Integrationsministerin, Petra Köpping appellierte anlässlich des Gedenktages an den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es brauche eine starke Solidarität untereinander, um gegen Hass und Hetze vorzugehen. Mit "bangem Blick" schaue sie nach Halle, wo antijüdischer Hass mehrere Menschenleben gefordert habe, und nach Zwickau, wo das Gedenken an Opfer rassistisch motivierter Morde geschändet wurde.

Quelle: MDR/mar/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2019, 22:38 Uhr

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