21.07.2020 | 18:28 Uhr Sächsischer Gedenkstättenchef Reiprich ab sofort suspendiert

Siegfried Reiprich
Siegfried Reiprich ist vom Amt des Geschäftsführers der Stiftung Sächsische Gedenkstätten freigestellt worden. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach seinen umstrittenen Äußerungen bei Twitter wird der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Das hat die Stiftung am Dienstagabend nach einer Sondersitzung des Stiftungsrates in Dresden mitgeteilt. Zudem wird sein Arbeitsverhältnis zum 30. November 2020 beendet. Der amtierende stellvertretende Geschäftsführer Sven Riesel sei beauftragt worden, ab sofort alle Aufgaben des Geschäftsführers zu übernehmen. Der Beschluss fiel nach Angaben von Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU), die zugleich Vorsitzende des Rats Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist, einstimmig aus.

Der Stiftungsrat missbilligt ausdrücklich die von Siegfried Reiprich auf Twitter geäußerten Aussagen. Sie widersprechen klar dem Sinn der Gedenkstättenarbeit.

Barbara Klepsch Sächsische Kulturministerin

Konsequenz nach zynischem NS-Vergleich

Der Geschäftsführer war in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Opferverbände kritisierten, dass die Stiftung die Geschichte der NS-Zeit nicht ausreichend abbilde und sich stattdessen um Verbrechen der DDR-Zeit kümmere. Reiprich wurde 2015/2016 öffentlich unter anderem wegen seiner autoritären Amtsführung kritisiert.

Für bundesweite Schlagzeilen hatten vor Reiprich schon mehrere Mitarbeiter der Stiftung Sächsische Gedenkstätten gesorgt.

Erste politische Reaktionen nach der Sondersitzung

Grüne: Für die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, Claudia Maicher, waren "Reiprichs jüngste Entgleisungen "nur das Ende einer langen Geschichte, in der er sich immer mehr von Grundsätzen der Erinnerungskultur distanziert hat und vielfältige Missstände sowie den Entwicklungsstillstand der Stiftung zu verantworten hat." Nun sei der Weg frei für eine fundierte Entwicklungskonzeption.

SPD: "Zweideutige und ressentimentgeladene Äußerungen, die Zweifel an der strikten Ablehnung rechten Gedankengutes zulassen, werden in Sachsens Öffentlichkeit identifiziert und geächtet", sagte der Sprecher für Demokratie der SPD-Fraktion im Sächsischen andtag, Frank Richter. Nun könne in der Gedenkstättenstiftung "endlich wieder Sacharbeit geleistet werden. Die ist besonders in gedenkstättenpädagogischer Hinsicht überfällig", meinte Richter.

Linke: Keinen Tag länger sei Reiprich aus Sicht der Linken tragbar gewesen. "Ihn im Amt zu belassen hätte dem Ansehen des Freistaates weiteren Schaden zugefügt. Sein Abgang wird sich positiv auf die Gedenkstättenstiftung auswirken", sagte der kulturpolitischer Sprecher der Linksfraktion, Franz Sodann. Er bezog sich damit auf Inhalte, die Darstellung der Stiftung und das Arbeitsklima für die Mitarbeiter. An die Spitze der Gedenkstättenstiftung gehöre jemand, der das Amt "besonnen, wissenschaftlich korrekt und unbestritten integer führe".

Wie geht es weiter mit der Stiftungsarbeit?

Über eine inhaltliche Neuausrichtung der Stiftung sei in der Sondersitzung am Dienstag nicht gesprochen worden, sondern nur über die Personalie Reiprich. Es soll eine zehnköpfige Findungskommission geben und eine Ausschreibung für eine neue Geschäftsführung, sagte Kulturministerin Barbara Klepsch. Der Stiftungsrat habe dazu grobe Vorgaben gemacht.

Quelle: MDR/kk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 21.07.2020 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 21.07.2020 | 14:00 Uhr

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