Programmlosigkeit ist sein Prinzip

Ein Großteil von Richters Werken umfasst abstrakte Bilder. Bezüglich seines Stils wollte sich der Künstler jedoch nie festlegen oder festlegen lassen. In der Folge war so mancher Betrachter seiner Werke zeitweise der Ansicht, es könnte sich um eine Präsentation ganz verschiedener Künstler handeln. Richter selbst erklärte in seinen Notizen der Jahre 1964/1965 die Programmlosigkeit zu seinem Prinzip

Zu seinen frühen Arbeiten aus den 1960er Jahren gehören unscharfe Bilder wie die berühmte "Ema", die nach fotografischen Vorlagen aus Zeitungen oder Familienalben entstanden. Es folgten seine sogenannten regenbogenbunten "Farbtafeln", die in Anlehnung an gewerbliche Musterkarten gestaltet waren.

Später malte Richter nach Fotovorlagen abstrakt-expressionistische Stadt- und Landschaftsmotive, die durch einen besonders dicken Farbauftrag gekennzeichnet waren. Bis 1977 entstand eine Serie sogenannter grauer Monochromien. Auch gegensätzliche Assoziationen charakterisieren Richters Werke. So tragen zwei Bilder von 1962 und 1982 den Titel "Tisch", basieren aber auf völlig verschiedenen künstlerischen Konzeptionen. Viele Bilder der frühen 1990er Jahre entstanden durch Abkratzen von Farbe. Richter nennt sie "Zerstörungswerke".

Im Jahr 2001 veröffentlichte Richter in einem Buch mit dem Titel "Firenze" eine Reihe von Städte-Impressionen, die überwiegend aus übermalten Fotos bestand, die 1999 während einer Reise nach Florenz entstanden waren. Ursprünglich war die erste Serie der Bilder für eine Edition von CD-Covern gedacht. Richter war jedoch damit unzufrieden und fertigte eine einheitlichere Serie mit dem jeweils gleichen Grundmotiv.

Richter betrat auch immer wieder gern neues Terrain. So übernahm er beispielsweise die Gestaltung des Südquerhausfensters im Kölner Dom, das im August 2007 eingeweiht wurde.

Richter in der Kritik

Eine heftige öffentliche Debatte entfachte Richter mit seinem sogenannten "Stammheim-Zyklus" von 1988. Die fotorealistische Arbeit besteht aus 15 Bildern, entstanden nach Foto-Vorlagen von toten Stammheimer Häftlingen der ehemaligen links-terroristischen RAF (Rote Armee-Fraktion). Kritisiert wurde Richter vor allem, weil er nur den Tätern, nicht aber deren Opfern Beachtung schenke. Richter erklärte im Oktober 1989 dazu, es sei ihm nicht um politische Aktualität gegangen, sondern um den Tod als "Abschied schlechthin", aber auch als "Abschied von einer bestimmten Heilslehre". 1991 ging der Zyklus zunächst als Dauerleihgabe ans Frankfurter Museum für Moderne Kunst, bevor er 1995 an das New Yorker Museum of Modern Art (MOMA) verkauft wurde.