Duden streicht Ost-Wörter Bye bye, Niethose!

Damit der Duden nicht so dick wird, muss er Wörter sparen. Rund 300 sind nun aus der neuen Ausgabe gestrichen worden. Mit dabei: Lieb gewordene, im Osten verbreitete Begriffe.

Mann hält Niethose
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der aktuellen Duden-Streichung sind rund 300 Wörter zum Opfer gefallen, darunter auch typisch ostdeutsche. Der Satz "In der Niethose gehe ich Wäsche aufbammeln, um danach mittags mein Schnellgericht zu vermantschen" ist damit nur noch etwas für Sprachnostalgiker, die vielleicht auch die Bibel auf Latein lesen.

Gänsehautmoment statt Niethose

Berlin: Kathrin Kunkel-Razum, Redaktionsleiterin des Duden, nimmt vor einem dpa-Interview die neue Ausgabe des Duden aus dem Regal.
Nicht mehr drin: Niethose, Schnellgericht, aufbammeln, vermantschen. Bildrechte: picture alliance/dpa

Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Dudenredaktion, findet Worte des Trostes: "Nicht alle [alten Freundschaften] halten, nicht alle Wörter werden noch benutzt, Zeit, sich von ihnen zu verabschieden. Was ja nicht heißt, dass man nicht noch oft und gern an sie denkt, schließlich haben sie einen lange begleitet."

Gestrichen werden müsse, "weil wir bei einem gebundenen Buch natürlich immer etwas auf den Umfang achten müssen, der nicht beliebig erweiterbar ist." Auf den Onlineseiten vom Duden findet man die gute alte Niethose und die anderen Streich-Opfer auch weiterhin. 3.000 Stichwörter wurden neu aufgenommen. Darunter: Durchimpfungsrate, Netflixserie, Erklärvideos und Gänsehautmoment.

Wie kommt ein neues Wort in den Duden? 148.000 Wörter stehen im Duden. Mit jeder Neuauflage werden es mehr. Doch wie kommt eigentlich ein neues Wort in den Duden?

Ständig durchforstet die Dudenredaktion mithilfe von Software riesige Mengen an Texten auf der Suche nach neuen Wörtern. Häuft sich der Gebrauch dieser Wörter über einen längeren Zeitraum hinweg, werden sie zu Neuaufnahmekandidaten.
Die Textbasis zählt über fünf Milliarden Wortformen. Darin gehen aktuelle Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Romane, Reden, Reparaturanleitungen, Blogs und Fachtexte ein – ein Gedächtnis der deutschen Sprache, das ständig größer wird. Daraus schöpft die Dudenredaktion. Erst wenn sie sich sicher ist, dass ein neues Wort tatsächlich in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist, stimmt sie für die Neuaufnahme.

Quelle: duden.de

Duden-Verlag: Geboren in Gotha Duden blickt auf eine lange Verlagstradition zurück: Das 1826 in Gotha gegründete Bibliographische Institut veröffentlichte im Jahr 1880 den legendären "Urduden" und prägte so maßgeblich die Geschichte der deutschen Rechtschreibung. Fast 140 Jahre sind vergangen, seit das erste Wörterbuch von Konrad Duden erschien. Konrad Duden wirkte unter anderem als Gymnasialdirektor in Schleiz.

Quelle: MDR/st

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2020 | 08:20 Uhr

4 Kommentare

zenkimaus vor 23 Wochen

Herrlich diese aufgeregten Kleinbürger. Sprache hat sich schon immer verändert. Niemand spricht mehr so wie 1700, 1800, 1900 Hundert. Das Sprache auch immer Ausdruck des jeweiligen politischen Systems war und ist ist so klar wie klossbrühe. Man muss nicht alles gut finden, doch sollte man sich auch nicht verschließen. Neue Worte erklären lassen. Eigene Worte dafür suchen und verwendet. Nochmals, ich habe noch nie Wäsche aufgebammelt. Immer aufgehängt Ja und ich hörte ständig das Wort Schnellgericht gehört und gebraucht. Nee noch nie

part vor 23 Wochen

Im Osten wurde immerhin hochdeutsch gesprochen, nach der Wende kam das moderne Westdeutsch, das weniger Worte und Artikulationsmöglichkeiten kennt als das Hochdeutsch. Dafür weist es aber mehr Schrumpf- und Fehlformen auf, wie der Historiker Jürgen Große ermittelt hat. Gerade in der Politik werden zunehmend neue Begriffe kreiert, die nichts mit der Realtität zu tun haben und immer wieder mal als Unworte des Jahres im Wettbewerb stehen. Ein Fremdwörterbuch sollte dagegen die Begrifflichkeiten ins Hochdeutsche übersetzen und ein Duden sollte bitteschön nur korrekte Begrifflichkeiten enthalten statt der Verballhornung der Sprache weiteren Vorschub zu leisten. Der Dudenverlag einst als Aktiengesellschaft gegründet ist über einige Besitzerwechsel heute in die Bibliographische Institut GmbH aufgegangen. Es liegt also an Unternehmern, wie in Zukunft die Deutsche Sprache behandelt wird und nicht an staatlichen unabhängigen Stellen, für Ostdeutsch wird es wohl bald ein Fremdwörterbuch geben?

seaking vor 23 Wochen

Das war ja klar. Wie immer werden solche guten alten Wörter gestrichen. Wer weiß, was in Zukunft noch von unserer Kultur und Sprache genommen wird...
Man, regt mich das schon wieder auf...

Mehr aus Sachsen

Schnelltest-Station am Grenzübergang Klingenthal 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK