Ein Junge schreibt im Klassenzimmer an die Tafel.
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14.08.2019 | 14:12 Uhr Kampf gegen Lehrermangel für GEW unzureichend

Ein Junge schreibt im Klassenzimmer an die Tafel.
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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht Sachsen wegen des Lehrermangels vor einem weiteren schwierigen Schuljahr. Wie die Gewerkschaftsvorsitzende Ursula-Marlen Kruse am Mittwoch mitteilte, haben Neueinstellungen, Verbeamtung und Seiteneinsteiger die Lage nur geringfügig verbesser. Sie forderte die Regierung auf, ein realistisches Bild über die Situation in allen Schularten und Regionen zu erstellen. Die Politik handele bisher nur aus großstädtischer Perspektive, was Ungerechtigkeiten fördere, so Kruse. Das Kultusministerium will am Donnerstag die offiziellen Zahlen für das neue Schuljahr in Sachsen bekannt geben.

Hoher Lehrerbedarf an Ober- und Förderschulen

Die GEW-Landesvorsitzende Ursula-Marlen Kruse
Ursula-Marlen Kruse, Landesvorsitzende der GEW Bildrechte: dpa

Wir brauchen dringend Lösungen, weil sonst die Innovationskraft des sächsischen Schulsystems dauerhaft leidet, sagte Kruse.

Die Arbeitsbedingungen der Lehrer müssen laut GEW in den Blick genommen und ein Personalentwicklungskonzept über die nächste Legislaturperiode hinaus erstellt werden. Mit Blick auf das am Montag beginnende Schuljahr 2018/2020 sagte sie: "Sachsen geht mit Lehrermangel ins neue Schuljahr, er ist an vielen Stellen unverändert, an manchen eher größer". Angesichts des Zuwachses von rund 6.000 Schülern rechnet Kruse weiter mit Unterrichtsausfall. Vor allem an Ober- und Förderschulen sei die Lage besorgniserregend. Erst ab dem Schuljahr 2025/2026 werden die Schülerzahlen wieder sinken, so Kruse.

Lehrermangel mit Konsequenzen für Handwerkernachwuchs

Die GEW geht davon aus, dass sich der Lehrerbedarf an Grundschulen dank besserer Vergütung und der Wirkung der seit 2012 erhöhten Studienkapazitäten zu über 90 Prozent decken lässt. In Bautzen könne indes nur etwa jede dritte Stelle besetzt werden. Laut Kruse gelingt es nicht, junge Kollegen in die Regionen zu bekommen. Oberschulen hätten einen Besetzungsgrad von 60 Prozent, für sie sei die Stundentafel gekürzt worden. "Es gibt landesweit keinen Standort, wo die Zahl der Einstellungen realisiert werden konnte." Gleiches gelte für Förderschulen (58 Prozent). Beide Institutionen seien aber auch Basis für den Handwerkernachwuchs.

Kruse: "Dürfen keine Geduld mehr haben"

"Die gravierenden Fehlentscheidungen der Vergangenheit werden Schüler und Lehrer länger ausbaden als eine Legislaturperiode dauert", sagte Kruse. Es werde nicht überall gelingen, frei werdende Lehrerstellen wieder zu besetzen. Den Anteil der Seiteneinsteiger schätzte sie landesweit auf zehn Prozent, es gebe aber auch Schulen mit 50 Prozent. Ohne sie stünden bestimmte Regionen und Schulen "vor dem Kollaps". Kruse forderte daher die Regierung zum Handeln auf. "Wir dürfen keine Geduld mehr haben, bei allem Verständnis für die Situation."

Quelle: MDR/dpa/ms

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.08.2019 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 14:12 Uhr

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1 Kommentar

14.08.2019 15:58 Praxis 1

Ich teile die Befürchtungen.Das neue Zauberwort Digitalisierung verdeckt zurzeit viele bestehende Probleme. Eine sehr gute Unterrichtsqualität muss das Ziel sein, ob nun mit oder ohne Seiteneinsteiger. Und daher muss weiter sehr kritisch,aber auch konstruktiv auf die Entwicklungen im Bildungsbereich geschaut werden.Ein Ausruhen der Verantwortlichen darf es nicht geben.

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