leeres Klassenzimmer
Bildrechte: MDR/Niklas Ottersbach

Tarifstreit Gewerkschaften rufen Lehrer in Sachsen zu Warnstreiks auf

In Sachsen könnte kommende Woche an drei Tagen die Schule ausfallen. Die Gewerkschaften haben nach bislang ergebnislosen Verhandlungen im Tarifstreit zu Warnstreiks aufgerufen.

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Mehrere Gewerkschaften haben Sachsens Lehrer zum Warnstreik aufgerufen. Von Dienstag bis Donnerstag soll in verschiedenen Regionen die Arbeit niedergelegt werden. Grund sind aktuelle Tarifverhandlungen, die nach Gewerkschaftsangaben ohne Einigung zu Ende gingen. Es geht unter anderem um die Forderung nach mehr Geld. Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro zusätzlich im Monat. Verdi-Landesbezirksleiter Oliver Greie erklärte dazu: "Unsere Forderungen sind angesichts der Konkurrenz zwischen öffentlichem Dienst und der Wirtschaft durch den Fachkräftemangel mehr als berechtigt. Am Verhandlungstisch sind die Arbeitgeber der Länder bisher nicht einsichtig. Daher bleibt uns nur die Möglichkeit, unseren Forderungen durch Arbeitsniederlegungen Nachdruck zu verleihen."

Die Beamten, die schon berufen wurden, dürfen nicht streiken, sie können uns aber unterstützen.

Ursula-Marlen Kruse Landesvorsitzende GEW

Der Schwerpunkt der Warnstreiks liegt bei den Schulen. In welchem Umfang Unterricht ausfällt und inwieweit es eine Notbetreuung gibt, darüber werden die Eltern laut GEW-Landeschefin Ursula-Marlen Kruse schriftlich informiert. Aber es wollen auch weitere Landesbeschäftigte nächste Woche in den Ausstand gehen. Die Gewerkschaften rechnen mit bis zu 10.000 Streikenden. Neben Lehrern sind unter anderem Justiz - und Hochschulbeschäftigte, Mitarbeiter der Landesämter und Tarifbeschäftigte der Polizei aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Für Beamte gilt das Streikverbot

In Dresden hat der Deutsche Beamtenbund (ddb) als Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes am kommenden Donnerstag vor dem Dresdner Finanzministerium eine Kundgebung mit 6.000 Teilnehmern angemeldet. Berufene Beamte unterliegen dem Streikverbot, betont Jan Brenner vom ddb. Diese können aber im Rahmen ihrer Freizeit zu den Kundgebungen gehen. Für verbeamtete Lehrer bedeutet das, sie könnten in ihrer Freizeit an Kundgebungen teilnehmen, dürfen dafür aber keinen Unterricht oder andere schulische Verpflichtungen ausfallen lassen, erklärt Brenner. Für angestellte Lehrer, die nicht verbeamtet sind, gilt das Streikverbot nicht.

Winterdienst möglicherweise eingeschränkt

Ein weiterer Streikschwerpunkt im öffentlichen Dienst liegt laut ddb-Sprecher voraussichtlich bei den Straßenmeistereien. Hier sind die Angestellten für nächsten Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sachsenweit zu Warnstreiks aufgerufen. "Es kann also zu Einschränkungen im Winterdienst kommen", so Brenner.

Folgende Aktionen sind geplant:

Tag betroffene Region Aktion
Dienstag, 12. Februar Stadt Leipzig

Landkreis Nordsachsen

Landkreis Leipziger Land
11 Uhr Streikkundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz (Leipzig)

Aufruf von Verdi & GEW, SLV
Mittwoch, 13. Februar Stadt Chemnitz

Landkreis Mittelsachsen

Erzgebirgskreis

Landkreis Zwickau

Vogtlandkreis
11 Uhr Streikkundgebung auf dem Johannisplatz (Chemnitz)

Aufruf von Verdi & GEW, SLV
Donnerstag, 14. Februar Stadt Dresden

Landkreis Meißen

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Landkreis Bautzen

Landkreis Görlitz
11 Uhr Streikkundgebung vor dem Finanzministerium (Dresden)

Aufruf von Verdi & GEW, SLV, dbb

Quelle: MDR/cb/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.02.2019 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 14:33 Uhr

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31 Kommentare

10.02.2019 13:24 Hippiehooligan 31

Streiken für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Löhne ist für rechte Kreise also "verantwortungslos". Interessant. Niemand, der noch bei Verstand ist, kann ernsthaft wollen, dass die Rechten (in Form von AfD, AdP oder wie auch immer) nochmal an die Macht kommen. Sollte das nochmal passieren, wars das automatisch mit dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Recht, für faire Entlohnung zu kämpfen. Dann heißt es wieder "Friss oder Stirb". Einige scheinen das aber zu wollen. Nur sindmir die Beweggründe nicht klar. Hasst ihr Freiheit?!

09.02.2019 19:12 sh 30

Man kann nur hoffen, dass z.B.
Altenpfleger genau so verantwortungslos sind wie Lehrer und während eines Streikes deren Angehörige einfach liegen lassen. Vielleicht sollten sich das dieser Bsierke und Co. Mal überlegen was da los wäre. Die sollen endlich arbeiten gehen? Es werden überall Arbeitskräfte gesucht.

09.02.2019 16:17 Lehrer in Sachsen 29

Ich bin Lehrer unter 42 und ab dem 01.03. Beamter. Ich werde meine älteren Kollegen/-innen unterstützen, deren Arbeit jahrelang und auch beim letzten Bildungspaket nicht genügend gewürdigt wurde.
Dabei geht es mir nicht nur um Entlohnung, sondern ebenso um Arbeitsbedingungen, die uns und vor allem den Kindern helfen würden. Kleinere Klassen, geringeres Deputat und dadurch mehr Zeit für die Kinder, ihre Bedürfnisse sowie die vielseitigen Probleme. Arbeitsbedingungen sind aber nicht bestreikbar. Eine andere Möglichkeit der Artikulation von Unzufriedenheit gibt es leider nicht!
Naja, bald werden Stunden gekürzt, um die Schüler zu entlasten. Natürlich hat dies rein gar nichts mit dem Lehrermangel zu tun.
Ich möchte nach der Landtagswahl keinen CDU-Politiker hören, der sich über Wahlergebnisse beschwert. HAUSGEMACHT!!!!!

09.02.2019 16:14 Hippiehooligan 28

Blumenfreund, dass du es wieder bist, der die Gewerkschaften und deren demokratischen Mittel am liebsten beseitigen möchtest, wundert mich nicht. Was arbeitest du denn, dass du auf eine legitime Arbeitnehmervertretung verzichten kannst? Entweder bist du selbst Chef und sitzt auf der anderen Seite des Tisches (sorry, aber das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen), du bist ebenfalls im Staatsdienst (dann dürftest du dich am allerwenigsten beschweren) oder du bist selbst Malocher und hast selbst die Möglichkeit, dich gewerkschaftlich vertreten zu lassen. Wie man es auch dreht, oft genug tust du ja so, als würdest du für den kleinen Mann sprechen und die Partei wählen, die vorgibt, den kleinen Mann zu unterstützen. Warum also, lehnst du Sreiks und Gewerkschaften ab?

09.02.2019 15:43 Hannes 27

Lieber @IchIch,
es war mir leider entgangen, dass man für die Arbeit bei der Müllabfuhr (Hochachtung!) ein mehrjähriges Studium absolvieren musste. Auch wusste ich nicht, dass dort jüngere Kollegen deutlich mehr verdienen als die "alten Hasen".
Der Rest Deiner Thesen klingt sehr stark nach Stammtisch und Neid.

Warum gibt es denn nicht genug Lehrer, wenn es angeblich so ein überbezahlter Job mit unheimlich viel Freizeit ist?

09.02.2019 12:40 Robert Paulson 26

@sächsische Lehrer: Lasst die Hütte brennen. Streikt diese CDU-Regierung (seit 1990!) in Grund und Boden. Streikt in den Prüfungen, streikt, streikt und zeigt der Bürokratie, dass es so nicht geht. Alle 42+ sollten sich nicht hinter "für die Schüler" verstecken sondern endlich klare Kante zeigen. Das Gewese um die Verbeamtung war der letzte Tritt in Euer Gesicht. Wenn Ihr Euch das gefallen lasst, ist Euch nicht mehr zu helfen.
@Gewerkschaften: Schaut Euch die GDL an, die hat Euch gezeigt, wie man das macht. Findet ENDLICH Eure Eier wieder und steht für Eure Mitglieder ein!

09.02.2019 12:35 Robert Paulson 25

@Sachse43: Gehalt E13 Stufe1 (Lehrer, Sachsen) Monats-Brutto: 3672.02 €, dafür 4-5 Jahre Studium +1,5 J. Vorbereitungsdienst. Ingenieur bei VW, 6000 Brutto, ebenfalls studiert, kein Vorbereitungsdienst, erheblich weniger "Personalverantwortung", Dipl. Ing. in Dresden im Schnitt 4.200 Brutto.
Ansonsten: Vorschläge zur Personalgewinnung her!
@Ichich: In Sachsen ist nicht ein "normaler" Lehrer frühpensioniert worden, denn es gab keine Beamten (nur in Funktion, z.B. Schulleiter). Weiterhin sind die Pensionsansprüche (nicht Rente!) mit 58 mitnichten 100%, die hätte man nach 40 Dienstjahren (und nicht ein Lehrer fängt mit 18 an zu unterrichten!) Beamte werden analog zur Rente mit 63...67 pensioniert, für jedes Jahr früher -3,6%, jedes fehlende Dienstjahr an den 40 Jahren -1,7...%... Fakten sind für Weicheier, oder? Das war in den 90ern schon so. Entweder weißt Du es nicht besser - dann ist es dumm, sowas zu behaupten, oder Du weißt es besser - dann lügst Du!

09.02.2019 10:50 Robert Paulson 24

@übliche Lehrerbasher: google öffnen, nach "Seiteneinstieg Lehrer Sachsen" suchen, morgen bewerben :)

09.02.2019 09:01 ichbins 23

Hier geht es um den gesamten öffentlichen Dienst in den Ländern. Warum werden die Lehrer als "Täter" in den Vordergrund gerückt? Warnstreiks in Tarifverhandlungen sind eine im demokratischen Deutschland völlig legitime, normale und von vernünftigen Menschen akzeptierte Sache. Wenn man das frustriete Geschriebsel einiger hier so liest, fragt man sich, ob sie das Prinzip von Tarifverhandlungen verstanden haben. Aber so ist es ja von der Landesregierung auch gewollt. Verunglimpfen und gegeneinander ausspielen - Teile und Herrsche. Nirgendwo in Deutschland wird dieses Prinzip so perfekt umgesetzt, wie in Sachsen.

08.02.2019 22:22 na so was 22

Hallo MDR.DE Mitarbeiter, ich möchte euch danken, dass Ihr trotz hohem Krankenstand so viele Beiträge zum Kommentieren freigeschalten habt (Polizeigesetz, Schulstreik z.B.). Ich weiß, Ihr müsst die zugeschickten Kommentare erst noch lesen und dann Ja oder Nein sagen bei der Veröffentlichung. Also Leute, danke nochmal, und macht weiter so !!!

[Vielen Dank für den Zuspruch! :)
Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

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