28.08.2019 | 10:50 Uhr Sind Giftschlangen in der Wohnung erlaubt?

Nicht jedes Hobby muss man mögen, vor allem wenn der Nachbar eine Leidenschaft für gefährliche Haustiere hat. Noch schlimmer wird es, wenn ein solches Tier ausbüxt. Im Ruhrgebiet soll das am Wochenende passiert sein. Eine Kobra wird vermisst. Bei der Schlange soll es sich um eine Monokelkobra handeln, ca. 1,40 bis 1,60 Meter lang. Kategorie: hochgiftig. Stellt sich die Frage, ob jeder in Deutschland so ein Tier halten darf. MDR SACHSEN fragt nach bei Anwalt Thomas Kinschewski.

Wie ist die Rechtslage in Deutschland: Darf jeder ein gefährliches Tier bei sich zu Hause halten?

Thomas Kinschewski: Da gibt es im Wesentlichen keine Beschränkung. Man muss aber zwei Sachen beachten: Nummer eins, wenn ich Mieter in einer Wohnung bin, dann muss ich alles, was übers Kleintier hinausgeht, beim Vermieter anfragen. Das Zweite: Für bestimmte Menschen ist das Halten einiger Tierarten nicht gestattet. Vor allem im Bereich Kampfhunde gibt es gesetzliche Regelungen in Sachsen. Danach dürfen bestimmte Personen, die zum Beispiel straffällig oder deren Tiere auffällig geworden sind, für eine bestimmte Zeit oder für immer keine dieser Tiere halten.

Sie sagten Kleintiere: Was ist mit der Vogelspinne? Die wird gern gehalten. Ist das ein Kleintier?

Eine Vogelspinne auf einem großen grünen Blatt.
Wer eine Vogelspinne in der Mietwohnung hält, muss seinen Vermieter darüber informieren. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Das Kleintier im Sinne der Justiz ist ein Tier, das in Deutschland auch domestiziert ist. Das heißt, es muss ein heimisches Tier sein. Meerschweinchen beispielsweise kann man als domestiziert ansehen. Die Vogelspinne ist es nicht, auch wenn es davon eine Menge gibt. Das ist ein Exot. Spinnen, Reptilien, Schlangen, aber auch teilweise Vögel, die hier bei uns überhaupt nicht vorkommen, die fallen zwar unter den Begriff "Kleintier" im umgangssprachlichen, aber nicht im rechtlichen Sinne und auch nicht im mietrechtlichen Sinne. Der Vermieter muss darüber Bescheid wissen.

Im Ruhrgebiet mussten Anwohner wegen der ausgebüxten Schlange, die immer noch nicht gefunden wurde, ihre Wohnung verlassen. Haben die ein Recht auf Schadenersatz?

Da gibt es tatsächlich einen Paragraphen im BGB, der ist über 100 Jahr alt, Paragraph 833. Da steht drin, dass der Halter eines Tieres für alles haftet, was sein Tier anrichtet, ohne Rücksicht auf Verschulden. Wenn ich mit dem Auto einen Unfall baue, hafte ich nicht, wenn ich keine Schuld habe. Wenn ich aber einen Hund habe, der jemanden beißt, kann ich machen, was ich will, ich muss die Behandlung des Geschädigten bezahlen, muss das Krankenhaus bezahlen, aber auch die Arbeitsunfähigkeit, wenn das der Fall ist.

Gibt es Ausnahmen des Gesetzes, die man wissen muss?

Ja, von der unbeschränkten Halterhaftung gibt es eine Ausnahme, nämlich, wenn der Halter mit dem Tier sein Geld verdient. Das ist eine Art Bauernprivileg aus alten Zeiten. In der heutigen Zeit ist aber so gut wie alles versicherbar in Deutschland. Die Frage Tierversicherung bei Exoten ist ein heißes Thema, weil das Halten von exotischen Tieren gerade "in" ist. Sich eine Kobra zu halten, ist nicht so ungewöhnlich.

Der Mann in Herne soll nicht nur eine, sondern 20 Giftschlangen in einem Mehrfamilienhaus halten. Wenn ich das als Nachbar weiß, habe ich dann das Recht, dass die Tiere aus der Wohnung verschwinden?

Das würde ich als übermäßigen Mietgebrauch einordnen. Die Frage ist hier, wusste der Vermieter, dass der Mieter dort Schlangen hält. Bei 20 Giftschlangen spricht viel dafür, dass der Vermieter das untersagen kann. Ich muss mir als Mieter nicht selbst die Mühe machen, gegen den Nachbarn vorzugehen. Ich kann ihn zwar fragen, ob das sein muss, aber mein Unterlassungsschuldner, der mir störungsfreie Miete in meiner Wohnung schuldet, ist mein Vermieter. Der hat seine anderen Mieter zur Ordnung anzuhalten, notfalls auch vor Gericht.

Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.08.2019 | 5-10 Uhr

1 Kommentar

Exotenhalter vor 15 Wochen

Selten so einen Quatsch gehört wie von dem Tierartz eine positivliste für Exoten. Ja viele Halter züchten seltene u d bedrohte Tierarten nach. Wo noch nicht mal der Zoonachgezüchtet bekommt. Da kommt der Zoo zu uns und fragt nach wie wir das machen.

Vorallem würde eine positivliste dem Grundgesetz in die Quere kommen.

Die einfachste Lösung für die auch alle Exoten halter sind, wäre eine Sachkundepflicht die erbracht werden muss. Durch praktikas im Zoo und andere Institutionen wie zum Beispiel das IZW.

Wer keine Sachkunde hat bekommt keine Tiere vorlage der Sachkunde bei Eintritt auf Börsen und wenn das nicht reicht müssen halt Halter alle 2 Jahre die Sachkunde auffrischen.

Somit werden die schwarzen Schafe aussortiert. Und dieser Kerl dem die Cobra entwischt ist , den kennt man nur zu gut in den Giftschlangen Foren bei Facebook und ist allen Haltern ein Dorn im Auge. In der Regel verkauft auch keiner aus den Gruppen Tiere an so Idioten.