25.12.2019 | 12:19 Uhr Vertreter aus Handel und Handwerk kritisieren Bonpflicht ab 2020

Ab Januar gilt in den Läden die Bonpflicht. Zu jeder Ware muss dem Kunden ein gedruckter Kassenbeleg angeboten werden. Das soll Steuerhinterziehung erschweren. Handels- und Handwerksverbände fühlen sich gegängelt.

Kassenbons
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Die Kritik an der ab 2020 geltenden Bonpflicht im Einzelhandel reißt in Sachsen nicht ab. "Das passt nicht in unsere Zeit", sagte René Glaser, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen. Es sei ein "Gesetz auf dem Rücken des Einzelhandels". Diesem werde pauschal Kriminalität unterstellt. Glaser zufolge wird bei der Ausstattung von elektronischen Kassen mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) eine zusätzliche Bonpflicht zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung nicht gebraucht. Die Pflicht zur Ausrüstung der Kassen mit einer TSE ist auf Ende September verschoben worden.

Zuvor hatte schon Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer die Bonpflicht als "Blödsinn" bezeichnet. "Die Betriebe fühlen sich gegängelt und vorgeführt", sagte er. Die Unternehmen müssten viel in die neuen elektronischen Kassen investieren.

Der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Jörg Dittrich, sprach von "falschen Auswüchsen der Bürokratie". Diese belaste die Handwerksbetriebe zusätzlich, erschaffe eine sinnlose Zettelwirtschaft und sei zudem schädlich für die Umwelt. Statt das Handwerk mit immer neuen Vorschriften und Hürden weiter einzuschränken, müsse der umgekehrte Weg eingeschlagen werden und endlich ein substanzieller Bürokratieabbau beginnen.

Vor allem die Bäcker waren gegen die Bonpflicht Sturm gelaufen. "Der Anteil der Kunden, die einen Bon brauchen, liegt bei unter drei Prozent", sagte der Dresdner Bäckermeister und Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Michael Wippler. "In Zeiten, in denen unsere Betriebe und die Gesellschaft zunehmend auf Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung achten, ist es geradezu unsinnig, wenn für den Kauf von ein paar Brötchen ein Kassenzettel gedruckt werden muss."

Kassengesetz soll Steuerbetrug bekämpfen

Mit dem 2016 verabschiedeten Kassengesetz soll der Steuerbetrug etwa durch manipulierte Ladenkassen bekämpft werden. Dem sächsischen Finanzministerium zufolge werde mit der sogenannten Belegausgabepflicht nur eine Regelung eingeführt, die es schon in 21 weiteren EU-Ländern gebe. Die neuen Anforderungen erhöhten den Schutz vor Manipulation an den Aufzeichnungen der elektronischen Kassensysteme. Kunden hätten zudem zukünftig einen Anspruch auf Aushändigung des Bons. Sie seine aber nicht verpflichtet, den Bon entgegen zu nehmen, hieß es.

Wie viel Steuern dem Staat etwa durch manipulierte Kassen entgehen, konnte das Ministerium nicht sagen. "Uns liegen keine konkreten Berechnungen vor", hieß es. Der in den Medien und einigen Länderministerien genannte Betrag von etwa zehn Milliarden Euro, der dem deutschen Fiskus in allen Branchen jährlich an Steuereinnahmen entgehe, werde aber als plausibel erachtet. Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt den Kunden, vor allem bei werthaltigeren Artikeln den Kassenbon mitzunehmen. Das sei vor allem bei Reklamationen ein Nachweis, den Gegenstand erworben zu haben. Ob die Bonpflicht für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung erforderlich sei, könne er jedoch nicht beurteilen.

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR AKTUELL RADIO | 20.Dezember 2019 | 05:00 Uhr

6 Kommentare

zenkimaus vor 48 Wochen

Wenn es nur über Papier Bons läuft gehe ich voll mit ihnen. Jetzt mein Einwand. Im Gesetz ist auch Papierlose Bons vorgesehen. Warum wurde noch nicht eine App entwickelt die dies bewerkstelligt. China und der asiatische Raum machen es vor.

Ullrich vor 48 Wochen

Einen angucken Vorgang hab es bei dieser Innung bereits zur Einführung des Mindestlohn!
Da frage ich mich ob strategisches planen in dieser Innung überhaupt bekannt ist!
Zum Thema.
Die Bonplicht kann ich aus steuerlichen Gesichtspunkten nachvollziehen. Wie häufig wird in kleinen Geschäften bei offener Lade kassiert und (gefühlt) hat nichts eingegeben. Diese Praxis schaffst allen, weil Steuereinnahmen verringert werden!
Ökologisch gesehen ist die Pflicht ein Irrsinn! Zumal viele Laden mit einem Termindruck arbeiten und das entsprechende Papier dazu in den meisten Fällen Sondermüll ist

zenkimaus vor 48 Wochen

Das Gesetz ist 2016 beschlossen wurden. Warum jetzt der aufschrei. Blödsinn. Gerade die Bäckerkammer und Innungen hätten schon längst reagieren können. Haben sie nicht. Total versagen der Herrschaften die jetzt sich aufregen.

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