Eine Auszubildende im Friseurhandwerk
Friseurlehrlinge gehören zu den Geringverdienern unter den Azubis. Bildrechte: dpa

Pläne der Bundesregierung Sächsischer Handwerkstag kritisiert geplanten Azubi-Mindestlohn

Nicht nur in Sachsen werden Lehrlinge sehr unterschiedlich bezahlt, je nach Branche und Beruf. Die Bundesregierung will das ändern und eine Mindestausbildungsvergütung einführen. Das Handwerk warnt vor den Folgen.

Eine Auszubildende im Friseurhandwerk
Friseurlehrlinge gehören zu den Geringverdienern unter den Azubis. Bildrechte: dpa

Wer einen Handwerksberuf in Sachsen lernen möchte, der muss sich auf sehr unterschiedliche Löhne während seiner Lehrlingszeit einstellen. So verdient ein Friseur-Azubi im ersten Lehrjahr 200 Euro, ein Lehrling im Elektrohandwerk dagegen 750 Euro im Monat. Um das zu ändern, will die Bundesregierung ab 2020 eine Mindestausbildungsvergütung einführen. Der sächsische Handwerkstag hat jetzt Alarm geschlagen und diese Pläne kritisiert.

Fatale Folgen für kleine Handwerksbetriebe

Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen, die sich gerade auf dem Wachstumspfad befinden, hätte dies fatale Folgen, sagte der Präsident des Sächsischen Handwerkstages Roland Ermer am Montag in Dresden. Eine bundeseinheitliche Mindestausbildungsvergütung nehme keine Rücksicht auf die Wirtschaftskraft einzelner Branchen und Regionen. Er befürchte, dass durch eine wachsende Zahl nicht mehr ausbildungsfähiger Betriebe eine neue Abwanderungswelle junger Leute von Ost nach West ausgelöst werde, so Ermer. Vor allem kleine Handwerksbetriebe mit wenigen Angestellten könnten sich die Ausbildung womöglich nicht mehr leisten, sollte die Mindestausbildungsvergütung kommen.

504 Euro im ersten Ausbildungsjahr

Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag ab 2020 eine Mindestausbildungsvergütung einführen - unabhängig von Beruf und Bundesland. Für das erste Ausbildungsjahr ist eine Vergütung von 504 Euro geplant, die bis zum vierten Lehrjahr auf 580 Euro steigen soll. Der Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßt das Vorhaben, fordert aber eine noch höhere Vergütung – mindestens 635 Euro im ersten Jahr. Damit könne man Ausbildungsberufe wieder attraktiver machen und die Lehrlinge motivieren, ihre Ausbildung auch abzuschließen und nicht vorzeitig abzubrechen, heißt es von Seiten der Gewerkschaft.

Besonderheiten im Osten berücksichtigen

Der Ausbildungsberuf müsse angesichts des gravierenden Fachkräftemangels attraktiver werden, räumte auch Roland Ermer vom Handwerkstag ein. Er ist selbst Bäckermeister und betreibt eine Bäckerei in Bernsdorf. "Wir haben nichts gegen eine entsprechende Vergütung." Diese müsse aber die Besonderheiten der kleinteiligen Wirtschaft im Osten berücksichtigen. Und sie sei zudem Sache der Tarifpartner, nicht des Staates.

Bis Ende Oktober wurden für das neue Ausbildungsjahr im sächsischen Handwerk 5.455 Lehrverträge unterzeichnet, 68 weniger als im Jahr zuvor. Insgesamt sind mehr als 300.000 Menschen in rund 56.700 Handwerksbetrieben beschäftigt.


Ausbildungsvergütungen in Handwerksberufen 2018 (Auswahl)
Beruf 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr
Augenoptiker 440,00 Euro 500,00 Euro 640,00 Euro
Bäcker 565,00 Euro 670,00 Euro 800,00 Euro
Drucker (gewerbliche Lehrlinge) 853,00 Euro 904,53 Euro 955,66 Euro
Elektrohandwerk 750,00 Euro 800,00 Euro 850,00 Euro
Fotografen 200,00 Euro 270,00 Euro 300,00 Euro
Friseure 200,00 Euro 235,00 Euro 325,00 Euro
Karosserie- und Fahrzeugbauer 310,00 Euro 350,00 Euro 410,00 Euro
Schornsteinfeger 450,00 Euro 510,00 Euro 595,00 Euro
Tischler 543,75 Euro 674,25 Euro 826,50 Euro

Handswerkskammer Leipzig

Quelle: MDR/dpa/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.11.2018 | 19:00 Uhr

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