Ein Meisterbrief hängt in einem Friseursalon.
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Bundesrat Sachsens Handwerker begrüßen Entscheidung zur Meisterpflicht

Im Rahmen der Agenda 2010 lockerte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder in zahlreichen Handwerksberufen die Meisterpflicht. Dies soll jetzt rückgängig gemacht werden. Sachsens Handwerker reagieren erfreut.

Ein Meisterbrief hängt in einem Friseursalon.
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Sachsens Handwerker haben die Empfehlung des Bundesrates begrüßt, in Deutschland wieder zur Meisterpflicht zurückzukehren. Die Entscheidung sei mit "großer Sympathie" aufgenommen worden, erklärte der Sprecher der Geschäftsführung des Sächsischen Handwerkstages, Klaus Bertram. Der Sächsische Handwerkstag fordert seit langem die Wiedereinführung der Meisterpflicht, die 2004 in mehr als 50 Handwerksberufen weggefallen war - beispielsweise in Berufen wie Fliesenleger, Parkettleger und Goldschmied. "Wir erwarten, dass nunmehr auch Bundesregierung und Bundestag in der Sache zügig tätig werden", so Bertram.

Die Länderkammer hatte am Freitag einem entsprechenden Antrag Bayerns zugestimmt. Darin wird die Bundesregierung gebeten, den verpflichtenden Meisterbrief in allen Handwerken wieder einzuführen, bei denen es fachlich geboten und europarechtlich möglich sei. Besteht Meisterpflicht, dürfen nur Handwerker mit entsprechender Qualifikation Betriebsinhaber sein.

Die wichtisten Frage und Antworten im Überblick

Was ist die Meisterpflicht?

Die Meisterpflicht regelt, dass bestimmte Handwerksbetriebe nur von Personen geführt werden dürfen, die eine Ausbildung zum Meister absolviert haben. Sie besteht aktuell unter anderem für Maurer, Dachdecker und Zimmerer. Rein wirtschaftlich betrachtet stellt die Meisterpflicht eine Marktzugangsbeschränkung dar und kollidiert mit der im Grundgesetz verbrieften freien Berufswahl. Als Argument für die Meisterpflicht wurden häufig die Sicherung der Qualität, die Abwehr von Gefahren und die Nachwuchssicherung angeführt.

Wann wurde die Meisterpflicht gelockert?

Die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte 2004 die Meisterpflicht für 53 von 94 Berufen abgeschafft. Dazu gehören unter anderem Fliesenleger, Uhrmacher oder Estrich-Leger. Ziel damals: die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Welche Folgen hatte die Abschaffung der Meisterpflicht?

Obwohl die Zahl der Betriebe stieg, ging die Anzahl der Auszubildenden zurück. Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer Leipzig, fand die Zahlen bereits Anfang 2017 auf MDR-Anfrage alarmierend. Damals wies er darauf hin, dass im Handwerkskammerbezirk Leipzig 2003 in rund 170 Fliesenleger-Betrieben 49 Lehrlinge ausgebildet worden sind. Mittlerweile waren es knapp 700 Unternehmen - meist Ein-Mann-Betriebe - die ingesamt nur fünf Lehrlinge ausbildeten.

Welche Auswirkungen hat die Meisterpflicht für die Kunden?

Konkret ist dies schwer zu sagen. Grundsätzlich gilt die Meisterpflicht als eine Marktabschottung, die das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften verringert. Demnach besteht die Möglichkeit, dass es teurer wird. Mit Sicherheit sagen lässt sich das aber nicht.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.02.2019 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2019, 12:06 Uhr

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5 Kommentare

18.02.2019 08:51 J.Heder 5

Ich finde, das in allen sicherheitsrelevanten Handwerksberufen (Elektriker, Klempner, Schlosser, Hoch, und Tiefbau usw.) die Meisterausbildung wegen der Qualifikation zur Pflicht werden sollte. Allerdings bringt das weder mehr Lehrlinge; weil es generell keinen Nachwuchs gibt und der angebliche Pfusch wird auch eindeutig nicht weniger! Das hat etwas mit "Geiz ist Geil" zu tun!
Die Preise sind wegen des Fachkräftemangel und der Auslastung auf einem angemessenen Niveau. Jeder will doch auch ein angemessenes Salär für seine Arbeit sehen.....
Allerdings könnte der Mitgliedszwang in IHK und/oder Handwerkskammer abgeschafft werden. Dem Handwerksbetrieb dient das aus eigener gesammelter Erfahrung gar nichts außer Kosten und Bürokratie! Wenn man dort um konkrete Hilfe nachsucht; FEHLANZEIGE!

17.02.2019 19:29 Gert Mentner 4

Sehr guter Vorschlag. Dadurch wird die einheimische Wirtschaft gestärkt wenn es zusätzlich in den Vergaberichtlinien eingebracht wird. Lieber 10% höhere Preise als noch mehr Pfusch.

17.02.2019 14:15 kurzfrisige Freude? 3

mal sehen, wie lange die Freude währt und, ob das Erhoffte eintrifft. Früher war eben alles besser. Nur diese Maxime zählt.

17.02.2019 13:16 UweZi 2

Die Folgen einer Wiedereinführung der Meisterpflicht bringt als erstes einen Anstieg der Schwarzarbeit, weil automatisch die Preise steigen. Ein Anstieg der Qualität ist ein rein theoretisches Argument. Bestes Beispiel sind Apotheken mit der angeblichen Beratung. Wenn überhaupt beraten wird, so meine Erfahrung, bekommt man oftmals himmelschreienden Blödsinn zu hören. Und was wird aus den jetzt bestehenden Betrieben? Müssen die schließen oder einen Meister einstellen? Darüber konnte ich noch nichts lesen. Das alles dient eigentlich nur zur Unterdrückung von Konkurrenz, der Finanzierung von Innungen und der Profitsteigerung zum Nachteil der Kunden. Und wo Azubis fehlen zaubern auch Meister keine her, siehe Bäcker.

17.02.2019 12:44 Janes 1

Und jetzt sollen die Zahlen der Auszubildenen wieder sprunghaft ansteigen?

Scheint mir wenig durchdacht und nur Lippenbekenntnisse für die Lobby. Aber passt zu Bayern

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