Ein Junge sitzt an eine Mauer gelehnt auf einem Gehweg
Bildrechte: imago/McPHOTO

Zahlen rückläufig, aber immer noch hoch Hartz IV in der Kindheit: Wünsche bleiben offen

Für manche Kinder wird Weihnachten auch in diesem Jahr bescheidener ausfallen als erhofft. Weil ihre Eltern als Hartz IV-Empfänger mit jedem Euro rechnen müssen, fallen die Geschenke meist kleiner aus.

Ein Junge sitzt an eine Mauer gelehnt auf einem Gehweg
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Für Zehntausende Kinder in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dürften am Heiligabend nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. "Besonders zu Weihnachten spüren viele Kinder, dass sie in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen müssen", sagte die Zwickauer Linke-Politikerin Sabine Zimmermann mit Blick auf die Festtage. Denn für arme Eltern sei es ungleich schwerer, ihren Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren.

In diesen Familien werden auch dieses Jahr die Augen der Kleinen aus Vorfreude nicht glänzen, weil sie nichts Besonderes zu erwarten haben. Kinderarmut ist und bleibt einer der größten Skandale in einem der reichsten Länder der Erde.

Sabine Zimmermann Linke-Abgeordnete im Bundestag

Zimmermann fordert Konzept gegen Kinderarmut

Sabine Zimmermann
Sabine Zimmermann Bildrechte: Die Linke, Landesverband Sachsen

Nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit ging die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben, in den vergangenen Jahren bis auf wenige Ausnahmen zwar zurück. Allerdings ist die Gesamtzahl noch immer hoch. In Sachsen waren es im Juni dieses Jahre 90.421 Mädchen und Jungen, fünf Jahre zuvor betraf es noch 109.880. In Sachsen-Anhalt ging die Zahl im gleichen Zeitraum von 77.098 auf 68.614 zurück, in Thüringen von 52.538 auf 46.986. Tausende Kleinkinder sind betroffen - in Sachsen waren es Mitte dieses Jahres 17.645, in Sachsen-Anhalt 13.023 und in Thüringen 9.403.

Zimmermann stellte klar, dass die schwierige Situation dieser Kinder nicht nur an Festtagen deutlich werde, sondern das ganze Jahr über. "Die Bundesregierung muss dringend ein wirkungsvolles Konzept gegen Kinderarmut vorlegen", erklärte die Politikerin. Es gehe darum, dass soziale Leistungen Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Zimmermann, die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist, hatte die Zahlen im Bundestag erfragt. "Natürlich ist die Bekämpfung der Kinderarmut zuerst und vor allem eine Bekämpfung der Armut der Eltern", betonte Zimmermann. Deshalb gelte es prekäre Beschäftigung wie Leiharbeit, Teilzeit und Minijobs zurückzudrängen und den Mindestlohn auf zwölf Euro pro Stunde zu erhöhen. Zugleich brauche man aber bessere Angebote zur Betreuung der Kinder, vor allem in den so genannten Randzeiten.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 20. Dezember 2018 | 11:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2018, 07:00 Uhr

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9 Kommentare

24.12.2018 11:10 der_Silvio 9

@8 Ekkehard Kohfeld; "Bitte nicht pauschalisieren"
Das habe ich auch nicht gemacht.
Ich schrieb von "zumeist".
Jeder kann mit seiner Gesundheit machen was er will. Wenn aber genug Geld für Fluppen da ist, braucht niemand jammern, daß er zu wenig Geld hätte.
Meine Frau und ich haben 4 Kinder; ich gehe für Mindestlohn, und meine Gute geht halbtags arbeiten. Üppig ist anders. Lieber spare ich an mir selbst als an meinen Kindern.

24.12.2018 08:45 Ekkehard Kohfeld 8

@ der_Silvio 7 @2 S.; "mehr ALG II mit mehr Anrechnungsfreien Beträgen bzw. ein Anrechnungsfreien Kindergeld würden mehr bringen."
Genau, und das Geld wird dann (zumeist) für mehr Zigaretten und Alkohol ausgegeben.
Das habe ich einige Jahre bei einer Nachbarfamilie erleben müssen.
Da wurde der Großteil des Geldes für Kippen und Bier ausgegeben anstatt es in die Kinder zu investieren.##

Bitte nicht pauschalisieren das es die gibt und schwarze Schafe gibt es überall und wird auch gerne von Medien ausgeschlachtet (RTL2) aber schon mehrere Studien von namhaften Unis haben bewiesen das das weder die Mehrheit und auch kein großer Anteil ist.Sie können das doch nicht pauschal auf alle umlegen weil sie so einen Nachbarn haben.

23.12.2018 21:37 der_Silvio 7

@2 S.; "mehr ALG II mit mehr Anrechnungsfreien Beträgen bzw. ein Anrechnungsfreien Kindergeld würden mehr bringen."
Genau, und das Geld wird dann (zumeist) für mehr Zigaretten und Alkohol ausgegeben.
Das habe ich einige Jahre bei einer Nachbarfamilie erleben müssen.
Da wurde der Großteil des Geldes für Kippen und Bier ausgegeben anstatt es in die Kinder zu investieren.

23.12.2018 13:10 Volksmund 6

In Ungarn demonstrieren "Tausende" (aber nicht die Mehrheit) gegen zunehmende Sklaverei durch soziale Einschnitte und Mehrarbeit. In DEU sind wir Dank sozialistischer! und christlicher! Parteien längst in der Sklaverei angekommen: Nennt sich Hartz4, Unter-Rentenniveau-Mindestlohn und Niedriglohn-/Leiharbeit. Aus 1 Vollzeitstelle werden peu a peu 2-3 Teilzeit-/Niedriglohnstellen ...und unsere Parteienvertreter feiern das in ihren "Wohlfühlsesseln von Steuerzahlergeld" und abgehoben und fern der Arbeiterklasse noch als Aufschwung am Arbeitsmarkt. Denn Rest dieses Potjemkinschen Dorfes des Selbstbetruges erledigen dann obrigkeitsgenehme Statistikerstellungen. Auch in anderen gesellschaftlichen Lebensbereichen. Wer faktenbasiert kritisiert und offenlegt, wird systematisch zum "Staatsfeind" gemacht. Alles schon mal dagewesen: 33-45 und 49-89. Zwei dunklen Kapitel in hunderten Jahren deutscher Entwicklungsgeschichte: von Sozialisten geprägt.

23.12.2018 13:02 Nornalo 5

@ 1 Das wirksamste Mittel wäre wenn such die Eltern einen Job suchen. In Zeiten des Arbeirskräftemangels dürfte das mittlerweile fast kein Problem sein. Ausgenommen davon sind natürlich Alleinerziehende und Menschen mit Jobs die schlecht bezahlt werden.

23.12.2018 11:41 Heike 4

warum werden keine Kommentare veröffentlicht dazu MDR haben sie das nicht mehr notwendig oder was ist bei ihnen los so ??? langsam grenzt das schon etwas an bestimmter Frechheit von ihnen !!

23.12.2018 10:48 Heike 3

es ist sagenhaft traurig wir waren alle mal Kinder , da kann man nicht für Milliarden andere mit bezahlen , in dem so reichen Deutschl. wie immer gesagt würd,
Kinder werden es nicht verstehen, aber Millionen auch für die berater der Politiker ausgeben das Geld haben diese elender Saustall man bekommt bei so einem bericht unheimliche Wut da vieles geld verschleudert würd , jeder sollte sich da mal hinein versetzen und entlich diese Politiker die dafür verantwortlich sind abwählen.

23.12.2018 09:48 S. 2

Mich persönlich macht es traurig, das viele Weihnachtsaktionen und auch Spenden ins Ausland fliessen (z.B. Weihnachten im Schuhkarton etc), aber es in Deutschland genauso viel ärmliche Kinder gibt, die sich freuen würden, über solche Aktionen. Aber hier ist die Politik gefragt: mehr ALG II mit mehr Anrechnungsfreien Beträgen bzw. ein Anrechnungsfreien Kindergeld würden mehr bringen. Aber das interessiert niemanden, denn wer nicht selbst Armut erlebt hat, der hat keine Ahnung wie traurig viele Kinder unterm Tannenbaum sind.

23.12.2018 08:33 M. Jacob 1

Das wirksamste und gerechteste Mittel gegen Kinderarmut wäre, das Kindergeld anrechnungsfrei den Mitmenschen auszuzahlen, die es am nötigsten brauchen. Alle Diskussionen und alle Statements führen seit Jahren ins Leere, wenn nicht tatsächlich etwas getan wird. Insbesondere in der Vorweihnachtszeit überschlagen sich unsere Verantwortlichen mit warmen Worten und geheuchelter Mitmenschlichkeit. Das ist aber alles so was von verlogen, denn unsere Mitmenschen in dieser prekären Situation haben das Problem 365 Tage im Jahr, und da schert es viele in unserer Gesellschaft einen feuchten Kehricht!

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