20.03.2020 | 16:55 Uhr Corona: Hilfen für Firmen und Angestellte

50 Euro Scheine Geld
Für betroffene Firmen und Selbständige gibt es mittlerweile viele Hilfs- und Entlastungsangebote, um die Corona-Krise zu bewältigen. Bildrechte: Colourbox.de

Die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus sind in der sächsischen Wirtschaft angekommen. Für betroffene Firmen und Selbstständige gibt es mittlerweile viele Hilfs- und Entlastungsangebote, von denen auch deren Mitarbeiter profitieren. Ein Überblick.

Freistaat richtet Hilfsfonds ein

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig hatte bereits am Dienstagabend angekündigt, kleinen Unternehmen mit einem Fonds zu helfen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern. Das Sonderprogramm ist für Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten sowie für Freiberufler gedacht, die durch das Coronavirus in eine Notlage geraten sind. Sie sollen über die Sächsische Aufbaubank (SAB) öffentliche Darlehen bis zu 100.000 Euro bekommen können – zinsfrei und mit einer Laufzeit von acht Jahren. Für die ersten drei Jahre müssen die Darlehen den Planungen zufolge auch nicht getilgt werden.

Eine Anlaufadresse ist das Beratungszentrum Konsolidierung der Sächsischen Aufbaubank, erreichbar unter der Telefonnummer 0351/4910-1100.

Finanzämter stunden Steuerzahlungen und verzichten auf Vollstreckungen

Auch die sächsischen Finanzämter wollen ihren Teil dazu beitragen, dass von der Corona-Pandemie betroffene Firmen "Liquidität für andere Dinge" als Steuerzahlungen verfügbar haben, sagte Finanzminister Hartmut Vorjohann. Dabei gehe es "vor allem um zinslose Steuerstundungen sowie die Anpassung von Steuervorauszahlungen", heißt es in einer Mitteilung des Finanzministeriums.

Auch von Vollstreckungsmaßnahmen solle "in diesen Fällen vorübergehend abgesehen werden". Die Firmen könnten – und sollten – sich bei Bedarf mit einem formlosen Antrag direkt an ihr zuständiges Finanzamt wenden.

Zudem, heißt es weiter, können die Finanzämter auf Antrag den Gewerbesteuermessbetrag mindern – damit sinken die Gewerbesteuervorauszahlungen. Stundungs- und Erlassanträge für die Gewerbesteuer seien allerdings an die jeweiligen Gemeinden zu richten. Auch für den Erlass oder die Stundung der Grundsteuer sind die Gemeinden zuständig.

Jede Gemeinde kann zudem erweiternde Regelungen treffen. Wie beispielsweise die Stadt Görlitz. Unternehmen, die darlegen können, dass ein Zusammenhang zwischen mangelnden finanziellen Mitteln und den aktuellen Corona-Folgen besteht, gewährt die Stadt ohne größere Nachweise eine zinslose Stundung der Gewerbesteuer. Dies sei längstens bis zum 31. Juli 2020 möglich, heißt es in einer Mitteilung. Bei Forderungen von über 25.000 Euro soll die Stundung zunächst für zwei Monate gewährt werden.

Bürgschaftsbank will schnell bürgen

Unternehmen, die sich in der gegenwärtigen Situation für weitere Kredite entscheiden, bekommen zudem Unterstützung von der Bürgschaftsbank Sachsen. Damit die Firmen weiterhin Kredite von ihrer Bank oder Sparkasse bekommen, wolle die Bürgschaftsbank Sachsen für viele Unternehmen bürgen.

Geschäftsführer Markus H. Michalow rechnet damit, 10.000 bis 12.000 Unternehmen rasch helfen zu können. Im Schnitt werden sie nach seiner Rechnung je 20.000 bis 50.000 Euro Kredit brauchen. Wer bisher "einwandfreie Kontoführung" hatte, könne mit dieser Hilfe rechnen. Die Bürgschaftsbank wolle entsprechende Anträge "innerhalb eines Tages bearbeiten".

Stadt Dresden will Kleinstunternehmen und Selbstständige unterstützen

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert will dem Stadtrat für seine Sitzung am kommenden Donnerstag ein Soforthilfeprogramm für Kleinstunternehmer, Selbstständige und Freiberufler vorschlagen. Die Stadt wolle kurzfristig und unbürokratisch helfen, Einnahmeausfälle zu kompensieren: Mit einer "Liquiditätshilfe" in Höhe von 1.000 Euro, die auch nicht zurückgezahlt werden muss.

Stimmt der Stadtrat zu, werden ab kommendem Freitag die Anträge angenommen, überprüft und "unmittelbar zur Auszahlung" gebracht. Zunächst sollen für das Programm fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, sagte Hilbert MDR SACHSEN.

Einzelheiten will die Stadtverwaltung am Montag unter www.dresden.de einstellen.

Kurzarbeitergeld für Firmen in Schwierigkeiten

Viele sächsische Unternehmen ziehen offenbar Kurzarbeit in Erwägung. Die Zahl der Anfragen zum neuen Kurzarbeitergeld ist bei der Regionaldirektion Sachsen der Arbeitsagentur "in den letzten Tagen kräftig gestiegen", sagt Sprecher Frank Vollgold. Betriebe aus fast allen Branchen hätten sich gemeldet.

Als Reaktion auf die Corona-Krise soll Kurzarbeitergeld schneller und einfacher fließen: Rückwirkend ab 1. März können Betriebe Kurzarbeitergeld beantragen, wenn zehn Prozent ihrer Mitarbeiter wegen der Pandemie nicht arbeiten können – zum Beispiel wegen Lieferengpässen oder einer behördlichen Betriebsschließung. Sonst muss mindestens ein Drittel der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sein. Mit dem Kurzarbeitergeld erstattet die Arbeitsagentur 60 Prozent des Verdienstausfalles, bei Arbeitnehmern mit Kindern 67 Prozent.

Außerdem übernimmt sie die gesamten Sozialabgaben, die Arbeitgeber bisher auch für die Kurzarbeit abführen müssen. War die Zahlung von Kurzarbeitergeld bisher auf 12 Monate beschränkt, kann es jetzt auf zwei Jahre verlängert werden. Die Bearbeitung der Anträge gehe jetzt "hintereinander weg", so Vollgold. Die Mitarbeiter täten alles, "schnellstmöglich" und möglichst unbürokratisch zu helfen.

Entschädigung nach Quarantäne

Können Mitarbeiter wegen angeordneter Quarantäne nicht arbeiten, bekommen sie ihr Gehalt weiter vom Arbeitgeber. Für deren Ausfall wollen die Bundesländer nach einer Ankündigung einspringen und die Kosten erstatten. In Sachsen wird Firmen nach Paragraph 56 des Infektionsschutzgesetzes auf Antrag eine Entschädigung gezahlt – allerdings nur, wenn das Gesundheitsamt die Quarantäne angeordnet hat. Dann werden auch Selbstständigen die Einnahmeverluste erstattet. Danach ersetzt die Behörde auch die Betriebsausgaben "in angemessenem Umfang". Der Antrag ist bis zu drei Monate nach dem Ende der Quarantäne einzureichen. In Sachsen ist dafür die Landesdirektion zuständig.

Minijobber bekommen sechs Wochen weiter Geld

Firmen, die Minijobber beschäftigen, müssen diesen bei einer nachgewiesenen Arbeitsunfähigkeit – das gilt auch für eine Corona-Infektion – bis zu sechs Wochen weiter Gehalt zahlen. Für den Fall dass der Minijob-Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt wird, gelten die Quarantäne-Regelungen analog.

Quelle: MDR/rad

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.03.2020 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

Mehr aus Sachsen

In Dresden gilt wie in vielen anderen Städten auch eine Maskenpflicht für bestimmte Teile der Innenstadt. Die Einhaltung der Maskenpflicht wird hier von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert. mit Video
In Dresden gilt wie in vielen anderen Städten auch eine Maskenpflicht für bestimmte Teile der Innenstadt. Die Einhaltung der Maskenpflicht wird hier von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert. Bildrechte: imago images / xcitepress