Bilanz Hochschulen im Corona-Modus: Online-Hörsäle und "zurückgezogene" Prüfungen

Sachsens Hochschulen sind wegen der Corona-Pandemie mit einer Mischung aus Präsenz- und Onlineangeboten in das Wintersemester gestartet. Im Dezember kam es noch zu einer Lockdown-Verschärfung, bei der sich auch die Universitäten nochmals anpassen mussten. Wie die erste Hälfte dieses wechselhaften Semesters verlaufen ist, hat MDR SACHSEN bei Hochschulen in Chemnitz, Leipzig und Dresden erfragt.

Eine Kamera nimmt eine Online-Vorlesung in einem Hörsaal an der ETH Zürich auf
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Eine Studentin, die anonym bleiben möchte, schrieb MDR SACHSEN, dass an Ihrer Hochschule alle Prüfungen wieder als Präsenzveranstaltungen erfolgten. "Wo im Sommer alles online statt gefunden hat und nur wenig Präsenzprüfungen, haben die meisten Bildungseinrichtungen nun fast ausschließlich wieder Präsenzprüfungen." Außerdem kritisierte die Studentin aus ihrer Sicht veraltete Hygienevorschriften an Hochschulen, die noch aus der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr 2019 stammten.

Sachsens Wissenschaftsministerium widerspricht der Darstellung. Sprecher Falk Lange erklärt: "Die aktuelle Corona-Schutz-Verordnung regelt dazu [in Paragraf 5 Absatz 1 ], dass die Hochschulen auf Präsenzveranstaltungen verzichten sollen, außer für Labortätigkeiten, Praktika, praktische und künstlerische Ausbildungsabschnitte und Prüfungen. Soweit Präsenzbetrieb notwendig und zulässig ist, gelten die Regeln zur Hygiene und Kontaktdatenverfolgung." Diese Regelung sei – anders als die Studentin es vermutet – kein Relikt aus dem Frühjahr, sondern eine aktuell und bewusst getroffene Entscheidung.

Und was sind die Erfahrungen an den Hochschulen? Wie viel Präsenz war nötig, wie viel Digitales möglich?

Technische Universität Dresden: Viele "zurückgegebene" Prüfungen

Gebäude der TU Dresden
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Die Technische Universität Dresden hatte sich im Herbst das konkrete Ziel gesetzt, 85 Prozent der Veranstaltungen digital umzusetzen. Ist das gelungen? "Der Anteil an Präsenzlehrveranstaltungen lag (bis zum 9.12.2020, d.h. bis der Präsenzunterricht eingestellt wurde), bei etwa 15 Prozent", teilt die Universität mit. Unter dem verschärften Lockdown gebe es nur noch in Einzelfällen Präsenzveranstaltungen: "Gegenwärtig laufen noch wenige Praktika und ähnliche Lehrformate, bei denen der Kompetenz- und Wissenserwerb nur durch Präsenz erreichbar ist. Das sind z.B. bestimmte Laborpraktika."

Über etwaige veränderte Studienleistungen könne die Hochschule noch keine abschließende Beurteilung abgeben. Allerdings sei von der Möglichkeit, Prüfungsleistungen "zurückzugeben", rege Gebrauch gemacht worden, so Professor Gerald Gerlach, Prorektor Bildung der TU Dresden.

Im Sommersemester 2020 ebenso wie im Wintersemester 2020/21 ist es möglich, Prüfungsleistungen 'zurückzugeben', das heißt, dann ist es, als hätte die Prüfung nicht stattgefunden. Davon ist vielfältig Gebrauch gemacht worden.

Professor Gerald Gerlach, Prorektor Bildung der TU Dresden

Risikogruppen, die bei nötigen Präsenzveranstaltungen zur Uni kommen müssen, würden besonders geschützt. "Dafür werden sowohl in der Lehre, als auch an den Arbeitsplätzen flächendeckend Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen umgesetzt." Man habe die Lehrenden jedoch gebeten, überall, wo es möglich ist, auch digitale Lehrangebote zu machen. "Führungskräfte sind aufgefordert, Beschäftigten aus Risikogruppen bevorzugt die mobile Arbeit zu ermöglichen."

Uni Leipzig: Präsenz nur im Einzelfall

An der stärker geistesswissenschaftlich ausgerichteten Uni Leipzig ist man ähnlich strukturiert. "In Präsenz dürfen lediglich Praktika, praktische Übungen,  studienvorbereitende Maßnahmen, Labortätigkeiten sowie praktische und künstlerische Ausbildungsabschnitte unter Einhaltung der im Hygiene- und Infektionsschutzkonzept festgelegten Schutzmaßnahmen stattfinden," heißt es von Pressesprecher Carsten Heckmann. Grundsätzlich fänden ansonsten alle Lehrveranstaltungen digital statt. Zudem seien unter anderem die Verlängerung von Abgabefristen und die Annullierung von nicht bestandenen Prüfungsleistungen geregelt.

Es gibt also aktuell keine Präsenzprüfungen und  Prärsenzlehrveranstaltungen - mit den genannten Ausnahmen. Weitere Ausnahmen sind Staatsprüfungen des Justizprüfungsamtes, die aber nicht von der Universität Leipzig verantwortet werden.

Pressesprecher Carsten Heckmann, Universiät Leipzig

Für Risikogruppen suche man individuelle Lösungen. Dazu zählten beispielsweise zeitliche Anpassungen, Ersatztermine, alternative Prüfungsformen. "Die Prüfungsämter und -ausschüsse  in den Fakultäten helfen Betroffenen weiter", so Heckmann.

Die Sonne scheint 2017 auf das Paulinum der Universität Leipzig.
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Technische Universität Chemnitz: Digitale Prüfungen beliebt

Der überwiegende Anteil der Lehre im Wintersemester finde digital statt, so Matthias Fejes, Sprecher der TU Chemnitz.  Eine konkrete Zahl gebe es nur bei den Leistungsnachweisen.

Nach aktuellem Stand werden zudem mindestens 90 Prozent der Prüfungen im Rahmen der Prüfungsperiode im Wintersemester 2020/2021 digital oder in einer alternativen Form, die keine Präsenz erfordert (zum Beispiel Hausarbeiten), stattfinden.

Matthias Fejes, Sprecher der TU Chemnitz
Ein Student bearbeitet ein Arbeitsblatt einer Hochschule am Computer
Digitale Prüfungen werden als "entspannter" erlebt. Bildrechte: dpa

Bei den Studienleistungen erwartet die Hochschule nach eigener Aussage keine Einbrüche. Optimistisch heißt es dazu: "Studierende selbst haben hervorgehoben, dass digitale Klausuren als 'entspannter' erlebt werden, da die Prüfung in einer ruhigen, gewohnten Arbeitsumgebung geschrieben werden kann. Auch diese Rückmeldung deutet nicht auf größere Veränderungen bei den Studienleistungen hin." Für die technischen Abläufe seien Unterstützungsangebote für Studierende und Lehrende ausgeweitet worden. So könne für die anstehende Prüfungsperiode damit gerechnet werden, dass alle Studierenden ihre Studienleistungen adäquat erbringen könnten.

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Quelle: MDR/st

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