Igel
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19.10.2019 | 15:02 Uhr Fragen und Antworten zum Igel

Im Herbst ist Igel-Hochsaison. Doch über die kleinen Stacheltiere sind zahlreiche Irrtümer in Umlauf. Wir klären die wichtigsten Fragen - z.B.: Darf ein Igel in der heimischen Wohnung aufgepäppelt werden? Woran erkennt man hilfsbedürftige Igel? Und was fressen Igel eigentlich?

Igel
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Darf ein Igel in der heimischen Wohnung aufgepäppelt werden?

Nein. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Ansonsten ist die Igelpflege sowie die Pflege anderer Wildtiere im Haus sogar gesetzlich verboten. Auch zum Überwintern sollte man die Tiere nicht ins Haus holen, da sie dann erhebliche Anpassungsschwierigkeiten haben, wenn sie im Frühjahr wieder in die Natur entlassen werden. Schließlich sollten sich um hilfsbedürftige Igel immer ausschließlich fachkundige Betreuer kümmern.

Ziel der Igelbetreuung ist es, dass die Tiere alleine in ihren Lebensräumen überleben und nicht aus übertriebener Sorge in menschliche Abhängigkeit geraten.

Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Woran erkennt man hilfsbedürftige Igel?

Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden und noch geschlossene Augen haben, brauchen meist Hilfe. Verletzte Igel, die zum Beispiel an Straßen oder in Gruben gefunden werden, benötigen ebenso Hilfe wie Igel, die nach Wintereinbruch tagsüber herumlaufen. Bei diesen Tieren handelt es sich um kranke oder schwache Alttiere oder aber spät geborene Jungigel, die sich kein ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

Kann man auch erkennen, wenn Igel krank sind?

Ja. Kranke Igel suchen ihr Futter auch tagsüber. Sie fallen durch einen unsicheren Gang auf oder liegen apathisch herum und rollen sich kaum noch ein. An der Einbuchtung hinter dem Kopf und den herausstehenden Hüftknochen erkennt man, dass es sich um abgemagerte Tiere handelt. Ihre Augen stehen nicht halbkugelförmig hervor, sondern sind eingefallen und schlitzförmig. Auf kranken Tieren sitzen zudem oft Fliegen und legen ihre Eier ab.

Jedes Jahr werden Hunderttausende Igel auf Straßen überfahren. Wo lauern sonst noch Gefahren?

Vor allem in Gärten: Dort sind chemische Mittel wie Schneckenkorn, Moosvernichter und Ähnliches eine große Gefahr – nicht nur für Igel, sondern auch für andere Wildtiere.

Wie kann ich meinen Garten igelfreundlich gestalten?

Die beste Igelhilfe ist eine naturnahe Gestaltung des Gartens! Bieten Sie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten. Verzichten Sie auf englischen Rasen, exotische Gehölze und kleinmaschige Zäune.

Igel-Baby
Igel-Babys wiegen zwischen 12 und 25 Gramm, sind etwa sechs Zentimeter groß und tragen rund 100 weiße Stacheln. Bildrechte: imago/Anka Agency International

Worauf sollte ansonsten im Garten geachtet werden, um Igel nicht in Gefahr zu bringen?

Beim Abbrennen von Reisig oder Laub sollte man den Haufen vorher vorsichtig umsetzen, um eventuell versteckte Igelnester zu entdecken. Bei Mäharbeiten ist ebenfalls Vorsicht geboten, vor allem wenn Mähroboter im Einsatz sind. Verzichten Sie auf Laubsauger. Kellerschächte und Gruben sollten abgedeckt sein. Teiche und Wasserbecken versehen sie am besten mit Rettungsplanken, damit sich Igel im Notfall selbst retten können.

Was fressen Igel eigentlich?

Igel sind in erster Linie Insektenfresser. Sie fressen Laufkäfer, Larven von Nachtschmetterlingen und sonstige Insekten, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken, Hundert- und Tausendfüßer sowie Spinnen.

Und was ist mit Obst und Gemüse?

Igel sind keine Vegetarier und fressen weder Obst noch Gemüse. Auch wenn in vielen Kinderbüchern der Igel mit dem Apfel auf dem Rücken zu sehen ist.

Ein Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), überwintert in Laubstreu.
Igel haben ihre Nester oft in Laubhaufen. Bildrechte: IMAGO

Darf man Igel auch zufüttern oder sollten sie sich selbst ihr Futter suchen?

Zufüttern ist bei Igeln nur vor und nach dem Winterschlaf als kleine Unterstützung gerechtfertigt. Nicht artgerechtes Futter führt zu Verdauungsstörungen, zudem werden an Fütterungsstellen leicht Infektionskrankheiten übertragen. Gefüttert werden sollten auf keinen Fall Speisereste. Igelexpertin Martina Gehret vom Landesbund für Vogelschutz empfiehlt außerdem Katzenfutter, dem Haferflocken oder Weizenkleie beigemischt werden können. Außerdem wären Rühreier, gebratenes Hackfleisch oder gekochtes Geflügel zu empfehlen - alles ungewürzt. Von spezieller Igelnahrung rät sie ab.

Wann beginnen Igel mit dem Winterschlaf?

Igel suchen meist im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad ein Winterquartier auf – meist Laub- oder Reisighaufen. Das nutzen sie bei schlechtem Wetter bis in den April und Mai.

Quelle: MDR/cnj/NABU/LBV

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR JUMP | 18.10.2019 | 12:40 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 15:02 Uhr

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