Zwei Männer der Stadtwirtschaft Nordhausen in weißer Schutzkleidung und mit Atemmasken beseitigen eine wilde Müllkippe nahe Nordhausen, auf der sie unter anderem Asbest gefunden haben
Bildrechte: MDR/Robert Müller

Entsorgung kostet Millionen Tonnenweise illegaler Müll in Sachsen

Statt Müll vom Bau, Schuttrest oder Sperrmüll offiziell zu entsorgen, werfen Zeitgenossen ihren Müll an Straßenränder, in den Wald oder in Flüsse. Das ist illegal. Sachsens Kommunen müssen jedes Jahr knapp 4.000 Tonnen widerrechtlich entsorgten Müll wegräumen. Denen stinkt das gewaltig, denn sie müssen von Jahr zu Jahr mehr Steuergeld dafür ausgeben. Ganz abgesehen von den Schäden für Natur, Tiere und Menschen, die durch Dreck und wilde Müllhalden entstehen können.

von Kathrin König

Zwei Männer der Stadtwirtschaft Nordhausen in weißer Schutzkleidung und mit Atemmasken beseitigen eine wilde Müllkippe nahe Nordhausen, auf der sie unter anderem Asbest gefunden haben
Bildrechte: MDR/Robert Müller

Alte Reifen, Säcke mit Bauschutt, Sofas, Rasenschnitt, Sperrmüll, tote Haustiere, Farbeimer – sächsischen Ordnungsämtern und Forstbehörden ist nichts fremd, was Leute illegal im Freien entsorgen. Laut Umweltministerium hatten 2016 die sächsischen Kommunen 3.736 Tonnen illegale Restabfälle und sperrige Abfälle zu entsorgen. Das Einsammeln und schadlose Entsorgen dieses Mülls kostete insgesamt 1,2 Millionen Euro. Ein Anstieg um 13 Prozent (157.000 Euro) im Vergleich zu 2015.

 Zwickau musstedafür  mit 244.475 Euro das meiste Geld aufbringen, die Stadt Leipzig folgte mit knapp 200.00 Euro. Dresden hatte für die Entsorgung der illegalen Ablagerungen 130.970 Euro zu bezahlen.

Immer wieder berichtet auch MDR SACHSEN über wilde Müllhalden. Zum Beispiel über Geröllhalden auf Heidekrautwiesen in der Dübener Heide oder verschmutzte Flüsse, die Anwohner ehrenamtlich reinigen.

Übersicht illegal abgelagerter Abfälle in Sachsen 2016
Abfallart Menge  
Grüngut 339 Tonnen  
sonstige Abfälle:   307 Tonnen  
Elektro- und Elektronikaltgeräte 223 Tonnen  
Reifen 221 Tonnen  
Kfz-Batterien 1 Tonne  
Quelle: Siedlungsabfallbilanz 2016, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, S. 41/42    

Illegale Autowracks in der Gegend

Zu all dem Müll mussten 2016 auch 118 illegal abgestellte Autowracks durch die Entsorger beräumt werden. Die meisten Autowracks wurden im Dresdner Stadtgebiet gemeldet: 61 Schrottautos mussten entsorgt werden. In Chemnitz waren es 21, in Leipzig und Bautzen wurde 2016 kein Autowrack mit öffentlichen Geldern weggeräumt. Allerdings: Drei von vier Fahrzeugbesitzern, die ihre Wracks illegal abgestellt hatten, konnten nach Ministeriumsangaben ermittelt und zur Kasse gebeten werden.

So gut sieht die Quote nicht aus, wenn man den Umweltverschmutzern auf die Spur kommen will, die im Wald oder an Straßenrändern ihren Müll abladen. Illegale Abfallentsorgung ist kein Kavaliersdelikt. Die Bußgeldkataloge für sächsische Müllsünder sind lang. „Was Mitbürger bewegt, ihren Abfall im Wald wegzuwerfen, kann nur vermutet werden. Zu verstehen ist dies nicht, denn für alle Abfälle gibt es ordnungsgemäße Entsorgungswege, die in vielen Fällen sogar kostenlos sind“, ärgert sich Matthias Rau von der Oberen Forstbehörde in der Oberen Forst- und Jagdbehörde bei Sachsenforst.

Was tun, wenn jemand illegal Müll ablädt? Wer beim Spazierengehen im Wald oder im Stadtgebiet beobachtet, wie jemand Abfall oder Sperrmüll ablagert, sollte sich ans Ordnungsamt oder Umweltamt seiner Gemeinde oder an die Polizei wenden und seine Beobachtung mitteilen. Je nach Fundort entscheidet sich, wer für die Beräumung zuständig ist.  

Wer unsicher ist, wohin er sich wenden soll, kann über die Eingabe des Müll-Fundortes auch online die zuständige Behörde herausfinden: https://amt24.sachsen.de/leistung/-/sbw/Wilden+Muell+melden-6000958-leistung-0

Manche Städte wie Leipzig (Tel.: 0341-123-88 88) und Landkreise haben auch spezielle Ordnungs-Hotlines, an die man sich wenden kann.

Sperrmüll und die Mülltouristen

In vielen Entsorgungsregionen gibt es regelmäßige Sperrmüll-Sammlungen. Weil diese Straßensammlungen nach Angaben einiger Landkreise aber immer häufiger missbraucht werden, um Sondermüll loszuwerden oder Leute aus Nachbarregionen ihren Müll ankarren und sich die Müllberge schon Tage vor dem Start türmen, wenden sich Kommunen immer häufiger davon ab.

Stattdessen organisieren sie Standort-Systeme, also feste Sammelpunkte, an denen die Bürger ihren Sperrmüll abgeben können. Im Landkreis Nordsachsen handhaben das Taucha, Rackwitz und Zschortau seit Jahresbeginn so, Schkeuditz hatte schon zuvor umgestellt. Die Kommunen haben sich die Stadt Delitzsch als Vorbild genommen, die seit vier Jahren feste Sammelpunkte betreibt. Damit wollen sie Folgekosten von Sperrmüll senken und Mülltourismus vermeiden.       

 Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.04.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2018, 16:26 Uhr

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