23.12.2019 | 13:35 Uhr Illegaler Welpenhandel im Internet: Linke fordert rechtliche Regelung in Sachsen

Viele Tiere wechseln gerade kurz vor Weihnachten über soziale Netzwerke und Kleinanzeigenportale im Internet den Besitzer. Tierheime und der Deutsche Tierschutzbund warnen davor. Laut einer Statistik des Tierschutzbundes wird vor allem mit Hunden illegal gehandelt: Um die 90 Prozent aller bekannten Fälle betreffen den bellenden Vierbeiner. Zwar informiert das sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz auf seiner Webseite, was man beim Welpenkauf beachten sollte, nach Meinung der sächsischen Linken ist das jedoch nicht genug.

Grafik
Bildrechte: MDR/Panthermedia/Imago

Die Linken in Sachsen fordern härtere Maßnahmen, um illegalen Tierhandel im Internet zu unterbinden. "Die Bemühungen reichen nicht aus, um Verbrecherbanden, die häufig von Osteuropa aus operieren, die Nachfrage zu entziehen", erklärte Susanne Schaper, tierschutzpolitische Sprecherin der Linken im sächsischen Landtag, am Montag in Dresden. "Wir fordern daher größere Anstrengungen, um die Menschen über die Risiken des Online-Handels mit Heimtieren aufzuklären. Nach dem Vorbild von Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz sollten rechtliche Regelungen für den Online-Handel mit Tieren geschaffen werden", so Schaper.

Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz hatten in diesem Jahr einen Antrag für rechtliche Bestimmungen zum Online-Handel mit Tieren erarbeitet. Im Herbst beschloss der Bundesrat, den Antrag aus den beiden Bundesländern an den zuständigen Bundesausschuss für Agrarpolitik und Verbraucherschutz zu überweisen. Im Antrag werden unter anderem eine Identitätspflicht für Verkäufer, Zertifizierung von Online-Verkaufsportalen, Änderung des Bundestierschutzgesetzes und Engagement auf europäischer Ebene gefordert.

Sachsen nur in einem EU-Projekt aktiv

Doch wie sieht es mit diesbezüglichen Bestrebungen im Freistaat Sachsen aus? Laut Sozialministerium ist es nicht möglich, den illegalen Tierhandels unabhängig von der Personallage bei den Transportkontrollen durch Bundes- und Länderbehörden völlig zu unterbinden. Das teilte das Ministerium in der Antwort auf die kleine Anfrage der Linken mit.

Grafik
Welpen werden häufig in Käfigen im Kofferraum in Transportern über Grenzen zwischen EU-Ländern geschmuggelt und dann im Internet angeboten. Bildrechte: IMAGO/MDR

Sachsen habe sich jedoch in diesem Jahr an einem freiwilligen Pilotprojekt der Europäischen Kommission zur Überwachung des onlinebasierten Welpenhandels beteiligt. "Dabei wurden in verschiedenen Mitgliedstaaten der Europäischen Union auffällige Online-Inserate ermittelt. Die Inserate wurden auf Grundlage des Telemediengesetzes überprüft und die zuständigen Veterinärbehörden führten Vor-Ort-Kontrollen durch. Der Bericht zur Auswertung dieses Projektes liegt noch nicht vor", teilte die bisher für das Thema zuständige Staatsministerin Barbara Klepsch mit.

Schwerpunkt Osteuropa

Dabei könnte der Freistaat Sachsen gerade durch seine Lage in Europa Vorreiter im Kampf gegen illegale Welpentransporte werden. Mehrheitlich kommen diese nämlich aus Osteuropa.

Hauptherkunftsländer vom Deutschen Tierschutzbund erfasster illegaler Transporte 2017:

  1. Rumänien
  2. Ungarn
  3. Bulgarien

Bei Welpen aus dem Internet handelt es sich oft um im Ausland unter schlimmen Bedingungen gezüchtete und zu früh von den Muttertieren getrennte Junghunde, die in zu engen Transportboxen über lange Strecken an einen Bestimmungsort gebracht werden, wie das MDR FERNSEHEN im März berichtete.

Empfohlen wird die Trennung in der 10. bis 12. Woche. Vor der 15. Lebenswoche dürfen Welpen überhaupt keine europäischen Grenzen überschreiten, weil die geforderte Tollwutimpfung noch nicht wirksam ist.

Um Tiergeschenken an Weihnachten Einhalt zu gebieten, haben auch Tierheime in Sachsen bereits gehandelt. Sie haben entweder einen Vermittlungsstopp verhängt, oder prüfen in dieser Zeit besonders bei der Vermittlung, ob das Tier verschenkt werden soll.

Wenn es also zu Weihnachten doch ein Tier als Geschenk sein soll, kann man sich an lokale Züchter wenden und vielleicht eine Anschaffung für das nächste Jahr planen.

Quelle: MDR/sm/PM

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.12.2019 | ab 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2019, 13:32 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen