Lehrerin und Grund-Schüler an einer Grundschule
Ob Grundschule, Oberschule oder Gymnasium - in Sachsen gibt es immer mehr Schulen in Freier Trägerschaft. Bildrechte: dpa

Neues Schuljahr So viele Privatschulen gab es in Sachsen noch nie

In Sachsen befinden sich immer mehr Bildungseinrichtungen in Freier Trägerschaft. Mit dem Schuljahr 2017/18 hat die Zahl an Privatschulen einen neuen Höchststand erreicht. Auch die Schülerzahlen liegen auf Rekordniveau.

von Madeleine Arndt

Lehrerin und Grund-Schüler an einer Grundschule
Ob Grundschule, Oberschule oder Gymnasium - in Sachsen gibt es immer mehr Schulen in Freier Trägerschaft. Bildrechte: dpa

Zum neuen Schuljahr starten sechs Privatschulen. Damit gibt es in Sachsen insgesamt 399 Schulen in Freier Trägerschaft. "Bei den allgemeinbildenden freien Schulen ist das ein Höchststand seit der Wende", sagt Manja Kelch vom Kultusministerium MDR SACHSEN. Von Jahr zu Jahr gibt es mehr Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien, die nicht staatlich sind. Aktuell handelt es sich um 85 Grundschulen, 70 Oberschulen und 40 Gymnasien. Dagegen werden die privaten berufsbildenden Schulen weniger.

Dass die Zahlen auf einem neuen Höchststand angekommen sind, hat laut Konrad Schneider von der AG Freie Schulen Sachsen mehrere Gründe. Zum einen wachse eine neue Bildungseinrichtung allmählich mit dem Übergang der Schüler in die jeweils höhere Klassenstufe. "Das ist eine Dynamik, die automatisch immer dranhängt", sagt er. Zum anderen gebe es allgemein immer mehr Kinder in Sachsen, die zur Schule müssen. Hier stelle sich dann die Frage, ob man das öffentliche Schulwesen ausbaut oder freie Schulen aufmacht.

Lücken mit Privatschulen stopfen

Anfang der 1990er Jahre seien die Schulgründungen Freier Träger eine Art revolutionäre Bewegung gewesen, so Schneider. Es ging darum, dem festgefahrenen Bildungswesen mit neuen pädagogischen Konzepten etwas entgegenzusetzen. Heute sei die Lage anders: Man sehe die Löcher im öffentlichen Bildungswesen, das über die Jahre ausgedünnte Schulnetz, den Fachkräftemangel und die Überalterung des Kollegiums und versuche die Lücken mit Privatschulen zu stopfen, beobachtet Schneider. Dass die freien Träger letztlich dann auch mit gleichen Problemen - wie dem Lehrermangel - zu kämpfen haben, steht auf einem anderen Blatt. Die AG versucht diesbezüglich, die privaten Schulträger mit ihrer über die Jahre angesammelten Fachkompetenz und ihren Netzwerken zu unterstützen.

Es ist nicht einfach, eine Schule zu gründen.

Konrad Schneider Arbeitsgemeinschaft Freie Schulen Sachsen

"In aller Regel orientieren sich die Träger bei der Schulgründung an den Vorgaben der sächsischen Lehrpläne für die jeweilige Schulart", erklärt Petra Nikolov von der Sächsischen Bildungsagentur. Prinzipiell gewährleistet das Grundgesetz die Errichtung freier Schulen. Erfüllen sie in den Lernzielen und in der wissenschaftlichen Ausbildung der Lehrer mindestens den öffentlichen Standard, müssen sie vom Staat genehmigt werden.

Juristisches Gezerre bei Neugründungen

Bei Grundschulen gelten schärfere Bedingungen. Hier müsse der Träger auf Grund der gesetzlich festgeschriebenen Vorrangstellung öffentlicher Grundschulen ein besonderes Konzept vorlegen, an dessen Erprobung ein anerkennenswertes pädagogisches Interesse besteht, wie Nikolov beschreibt.

Bücherstapel vor einer Tafel
Wer eine freie Grundschule gründen will, braucht ein überzeugendes Konzept. Bildrechte: Colourbox.de

Jüngster Streitfall ist die Aktive Schule in Dresden. Erst vor einem Jahr gegründet, wollen die Lehrkräfte an der kombinierten Grund- und Oberschule in Form eines offenen Unterrichts die Kinder zum selbstorganisierten Lernen bewegen. Die Sächsische Bildungsagentur hegt starke Zweifel, dass dies wirklich gelingt und widerrief im Juli die Betriebserlaubnis. Es sei nicht gewährleistet, dass das Leistungsniveau und der Wissensstand der Kinder zum Ende der Schulzeit dem Standard vergleichbarer Schüler an öffentlichen Schulen entsprechen wird, lautete die Begründung der Bildungsagentur.

Kurz vor dem ersten Schultag hat das Verwaltungsgericht Dresden jedoch dem Schulträger Epharisto e.V.  vorläufigen Rechtsschutz erteilt und damit der Aktiven Schule die Erlaubnis, ins neue Jahr zu starten. Das Gericht verlangte von der Bildungsagentur, innerhalb des ersten Halbjahres die bestehenden Verdachtsmomente zunächst umfassend aufzuklären, wie der Sprecher Robert Bendner mitteilte. "Für diesen überschaubaren Zeitraum seien auch unter Berücksichtigung der bestehenden Verdachtsmomente für erhebliche Mängel im Schulbetrieb der Aktiven Schule Dresden keine gravierenden Beeinträchtigungen der Interessen der Schüler durch einen unzureichenden Lernerfolg zu erwarten", so die Erklärung.

Wir wollen gegen die Entscheidung der Bildungsagentur in Widerspruch gehen.

Wolfgang Schmidt Trägerverein, Freie Schule Rietschen

Abgelehnt hat die Bildungsagentur auch die Zulassung für eine neue Einrichtung in Rietschen in der Oberlausitz. Der Träger der dortigen freien Oberschule wollte im August zusätzlich mit einem beruflichen Gymnasium starten. Die Bildungsagentur schickte Mitte Juli den Ablehnungsbescheid samt einer Gebühr von 1.489,12 Euro. Es fehle an qualifizierten Lehrkräften, war einer der wesentlichen Punkte in der Begründung. "Darüber kann man sich streiten", meint Wolfgang Schmidt vom Trägerverein Freie Schule Rietschen. Schließlich würden die öffentlichen Schulen auch mit Quereinsteigern arbeiten. "Statt sich zu freuen und die Initiativen der Bürger der Gemeinde Rietschen auf dem Bildungssektor zu unterstützen, werden mächtige Findlinge in den Weg gelegt", bedauert er. Der Trägerverein will im nächsten Jahr einen neuen Anlauf wagen und holt sich jetzt juristische Unterstützung. "Wir haben vor, gegen die Entscheidung der Bildungsagentur in Widerspruch zu gehen", sagt Wolfgang Schmidt.

Abiturienten während des Zentralabiturs, 2009.
Die Rietschener hätten gern ein berufliches Gymnasium. Die SBA lehnte das ab. Und schickte einen Bearbeitungsbescheid über 1.489,12 Euro. Bildrechte: IMAGO

In Sachsen gibt es derzeit 1.755 Schulen. Zu den Neuzugängen in freier Trägerschaft gehören die Christliche Grundschule in Oßling, die International Primary School in Glauchau, die TÜV Rheinland Oberschule in Dresden, die Evangelische Oberschule in Klipphausen, das Internationale Gymnasium in Niederwürschnitz und die Parzivalschule in Chemnitz. Im Schuljahr 2017/2018 werden rund 470.000 Mädchen und Jungen die Schulbank drücken. Mehr als 37.000 Schüler gehen auf Einrichtungen in Freier Trägerschaft.

Übersicht zur Entwicklung der Freien Schulen

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.08.2017 | ab 6 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2017, 10:57 Uhr

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22 Kommentare

09.08.2017 12:16 gwm 22

"divide et impera" ist immer noch aktuell .

09.08.2017 10:02 Fragender Rentner 21

In Sachsen gibt es Schulen die hatten für die Kinder bis jetzt noch nicht mal einen Stundenplan bis Gestern ausgegeben!

Mal sehen ob es Heute einen geben könnte.

Fragt nicht nach dem Grund.

09.08.2017 08:47 Bernd L. 20

Alter Greiß:
Sachsen liegt im Bildungsystem in Deutschland mit an der Spitze- am anderen Ende der Skala sind Länder, die länger durch rotgrüne Regierungen geprägt wurden (Bremen, Berlin, NRW).
Den Trend zu Privatschulen gibt es weltweit, Eltern wollen ihren Kindern eine bessere Schulbildung ermöglichen und Problemen mit "schlechten Zusammensetzungen" der Klassen aus dem Weg gehen (dabei sind häufig die sonst soo toleranten Grünen oft an der Spitze wie ich aus dem Bekanntenkreis weiß).

09.08.2017 08:34 Hans 19

Eine Privatschule kostet nicht viel Geld und hat den Vorteil, dass man Störfaktoren zum Schutz der anderen Kinder auch der Schule verweisen kann.
Sowas ist heutzutage unbezahlbar. Und wenn man sich das Lager der Hetzer gegen Privatschulen mit engagierten Lehrern anschaut, dann weiß man auch woher der ideologische Wind weht.

08.08.2017 16:45 Alter Greiß 18

Nachdem ich hier die Diskussion verfolgt habe, werde ich mir hier einschalten.
Hat denn wirklich mal einer darüber nachgedacht, warum es in Sachsen soviele Privatschulen gibt? Das hat etwas mit der Schulpoltik in Sachsen zutun. Jahrelang wurde in den ländlichen Regionen Schulen geschlossen oder zusammengelegt. Das haben sich private Investoren zu nutze gemacht. Außerdem kann der Freistaat sachsen so einiges an Gehältern sparen. Außerdem bekommen die Privatschulen nur 80-90% der Mittel oder weniger die eine öffentliche Schule vom Freistatt erhält. Das passt doch in die Sparpolitik des Freistaats. Nur geht diese Politik, nicht mehr auf. Auch wird es nicht zu spät sein, das Ruder noch rum zureißen. Es ist schon zu spät! Die kommenden Monate vor der Landtagswahl 2019 werden interessant und spannend werden, was hinsichtlich der Personalpolitik in Sachsen noch alles zu Tage kommt.

08.08.2017 15:18 Fragender Rentner 17

@jochen zu 14
Aus deinem Text:
Die reichen schicken ihre Kinder sehr oft auf Privatschulen.
Weshalb wohl ?

Ja, weshalb wohl, nur weil sie Geld haben.

Sage mal einem Kind von einem H4ler deine Eltern wollen nicht zahlen.

Nein die können nicht zahlen!!!

08.08.2017 13:43 mattotaupa 16

@#3: "Wenn sich so viele über meinen Text aufregen, da muß doch so einiges in unseren Schulsystem nicht i.0. sein?" man weist sie auf unvollständige gedankengänge hin und daraus schlußfolgern sie recht zu haben? ... nunja ... zumindest erstaunlich ... neulich beim bezahlen an der supermarktkasse: v: "macht 25,95 euro" k: "hier sind 20 euro" v: "da fehlen noch 5,95 euro" k: "sehen sie, ich hab doch recht. tschüüüüß"

08.08.2017 12:25 Janes 15

@Bingo 12: Und, was heißt das jetzt? Wer sitzt denn auf dem Sonnendeck? Die Privatschüler? Und die am Ruder sind im Keller und arbeiten? Die haben doch die verantwortungsvollere Aufgabe, als die, die sich nur sonnen? Wie kommen sie zu so einer Annahme? Das Gleichnis ist unpassend gewählt.

08.08.2017 11:34 jochen 14

Die reichen schicken ihre Kinder sehr oft auf Privatschulen.

Weshalb wohl ?

08.08.2017 09:26 Fragender Rentner 13

@Janes zu 11

Ich kenne es nicht so mit dem Kühler.

Kenne es nur so, dass es Nachts dunkler ist als Draußen.