Strukturwandel Schnelle Züge, neue Jobs - Bahn investiert in der Lausitz

Eine Drehscheibe für Züge am Fahrzeuginstandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Cottbus.
Das derzeitige Fahrzeuginstandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Cottbus. Bildrechte: dpa

Die Deutsche Bahn hat im Zuge des Strukturwandels wegen des Kohleausstiegs Großinvestitionen in Milliardenhöhe in der Lausitz angekündigt. Sie will die Eisenbahn-Infrastruktur in der Region ausbauen und modernisieren sowie zahlreiche neue Jobs schaffen. Die konkreten Vorhaben für die kommenden Jahre stellten Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und DB-Vorstand Ronald Pofalla am Donnerstag in Cottbus vor.

Cottbus wird Bahn-"Gigafactory"

Größtes Projekt ist demnach der Ausbau des Bahnwerks in Cottbus. Dort soll ab 2023 eine neue Halle für die Instandhaltung von ICE-Elektrotriebzügen der Baureihe 4 entstehen. Außerdem geplant sind eine weitere neue Halle für die Umrüstung von Dieselfahrzeugen auf Hybridtechnik mit Elektroantrieb, ein Technologiezentrum zur Hybridforschung und moderne Lehrwerkstätten. Dabei werden den Angaben zufolge bis 2026 insgesamt 1.100 neue Industriearbeitsplätze und 100 Ausbildungsplätze geschaffen. Die Deutsche Bahn spricht vom modernsten und umweltfreundlichsten Bahninstandhaltungswerk in Europa.

Hier setzen wir etwas um, das zeigt, wie der Strukturwandel ganz konkret klappen kann.

Olaf Scholz Bundesfinanzminister

Bahn will viel und schnell bauen - auch in Sachsen

Das Werk in Cottbus ist das erste große Vorhaben, das auf Grundlage des Strukturstärkungsgesetzes des Bundes finanziert wird. Doch nicht nur Brandenburg sondern auch Sachsen profitiert davon in großem Umfang. So werden voraussichtlich auch viele Menschen aus dem Freistaat in Cottbus einen Job finden. Zudem sollen der geplante Bahntest-Ring in Niesky und das vorgesehene Bundesforschungszentrum Schiene in Dresden mit den Einrichtungen in Cottbus eng verzahnt werden.

Nicht zuletzt werden Bahnstrecken von und nach Cottbus sowie in Sachsen selbst ausgebaut - einige als sogenannte Tempo-Projekte. Das bedeutet, die Verkündung durch den Bund ist quasi schon der Planfeststellungsbeschluss - Klagen und Einwände können den Bau nicht verzögern oder komplett verhindern. Vorbild für dieses Modell sind die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit.

Pläne der Deutschen Bahn für die Lausitz
Pläne der Deutschen Bahn für die Lausitz Bildrechte: Deutsche Bahn

Von der Lausitz ganz schnell in die Metropolen

Größtes dieser Tempo-Projekte ist der Bau einer ICE-Strecke von Görlitz nach Berlin. Über sie sollen Reisende aus der Europastadt in 90 Minuten den neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg erreichen können. Außerdem werden die Strecken zwischen Leipzig und Cottbus, zwischen Dresden und Cottbus über Priestewitz sowie zwischen Dresden und Görlitz für Tempo 160 ausgebaut. Letztere erhält zudem die schon seit langem geforderte Elektrifizierung.

Weitere zugesagte Projekte, die über den normalen Planungsweg verwirklicht werden sollen, sind der Ausbau der Strecke Dresden - Cottbus über Kamenz und Spremberg, wo derzeit nur noch abschnittsweise Personenzüge fahren sowie die Elektrifizierung der Strecke zwischen Bischofswerda und Zittau.

Auf dem Umlauf einer Diesellok stehen Michael Kretschmer (Ministerpräsident des Freistaates Sachsen), Olaf Scholz (Bundesminister der Finanzen), Andreas Scheuer (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) und Dietmar Woidke (Ministerpräsident Brandenburg) (v.l.n.r.). Vor der Lok stehen Ronald Pofalla (DB-Vorstand Infrastruktur) und Sabina Jeschke (DB-Vorstand Digitalisierung und Technik)
Zwei Bundesminister, zwei Ministerpräsidenten, zwei Bahnvorstände - mit großem Bahnhof wurden die Investitionspläne in Cottbus präsentiert. Bildrechte: Deutsche Bahn

Kretschmer hat Berlin erfolgreich "genervt"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer begrüßte die Vorhaben als starkes Signal für die Lausitz. Mit dem Cottbuser Bahnwerk würden hochwertige Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen. Das helfe, qualifizierte Fachkräfte in der Region zu halten. Kretschmer sagte, solche großen Infrastrukturprojekte seien der Grund dafür, warum derzeit in der Bevölkerung ein Zutrauen und eine Zuversicht in diesen Prozess des Strukturwandels wachse. Die Bürger würden merken, dass es die Politik und die Projektbeteiligten ernst meinten. Zu seinem Anteil meinte Kretschmer, er und sein Brandenburger Amtskollege Woidke seien den zuständigen Bundesministern wegen des Projekts "schon ziemlich auf den Geist gegangen".

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.09.2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

GEWY vor 5 Wochen

Ich stimme Ihnen völlig zu. Politiker sprechen gern von der Zukunft und haben morgen schon vergessen was sie gestern gesagt haben. Ist ja auch nicht so schlimm denn das Morgen liegt in der Politik so weit in der Ferne, dass sie meistens schon abgewählt sind. Und dann beginnt die Märchenstunde mit anderen Akteuren von vorn. Probleme die sofort gelöst werden können weil die Infrastruktur (speziell DB) vorhanden ist (siehe Fernverkehr für Süd-West Sachsen), die lässt man links liegen. Da kann man nicht nur darüber reden. Zum Beispiel an einem Küchentisch. Nein das macht Arbeit. Verflixt aber auch.

lausbub vor 5 Wochen

MP Kretschmer's Äußerungen sind doch völlig sinnfrei. Es würden hochwertige Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen. Ja, richtig. An der Lausitzer Braunkohle hängen aber um die 8000 Arbeitsplätze. Und die 1100 neu entstehenden Jobs im künftigen ICE-Werk in Cottbus teilen sich dann ausschließlich Beschäftigte aus Brandenburg und Sachsen? Qualifizierte Fachkräfte würden in der Region gehalten. Fachkräfte, die es noch gar nicht gibt? Wo nimmt der MP die angebliche Zuversicht der Bevölkerung in seine Politik wahr? Er mag ja einige Bundesminister genervt haben, hat aber nicht annähernd das bekommen, um den Lausitzern eine zukunftsfähige Beschäftigungsperspektive zu bieten. Die Modernisierung von Bahnstrecken verkauft er jetzt als kluge Strukturpolitik. Und was wird aus den Braunkohlekumpeln? Denen hat er sinngemäß gesagt: " Eure Arbeitsplätze können wir nicht erhalten, aber dafür bekommt ihr von uns eine moderne Einbauküche mit allem Komfort."

GEWY vor 6 Wochen

Na nicht so pessimistisch. Herr Kretschmer MP von Sachsen begrüßt zum Beispiel, dass in Cottbus (Brandenburg) Arbeitsplätze entstehen und Züge fahren die dann auch Ostsachsen tangieren. Dazu hat er "Berlin erfolgreich "genervt". Ich glaube 1,5 Mill. Einwohner im Großraum Chemnitz-Zwickau- Plauen würden es begrüßen wenn der MP von Sachsen in Berlin mal Nerven würde, wenn denen mal einen Fernverkehr auf vorhandenen elektrifizierten Strecken angeboten würde. Aber dafür langt das Geld nicht einmal um Verträge für Regioverkehr durch die DB zu organisieren.

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