Umfrage des Kultusministeriums Sachsens Eltern wollen mehr Personal in den Kitas

Seit Jahren schon kämpfen Elterninitiativen, Erzieher und Gewerkschaften für mehr Personal in Sachsens Kindereinrichtungen. Über insgesamt vier Maßnahmen ließ die Staatsregierung alle Eltern und Erzieher abstimmen. Die Ergebnisse fielen eindeutig aus. Sie sollen zum teil im nächsten Doppelhaushalt Folgen haben.

Kita-Kinder beim Spielen
Sachsens Erzieherinnen und Erzieher müssen sich ganz schön strecken, um allen Aufgaben gerecht zu werden. Oft fehlt es an Vor- und Nachbereitungszeit für pädagogische Arbeiten. Das soll sich ab 2019 ändern. Bildrechte: Colourbox.de

Sachsens Eltern und Erzieher wollen deutlich mehr Personal, damit sich die Qualität der frühkindlichen Bildung verbessert. Das ist ein Ergebnis einer Kita-Umfrage der Staatsregierung. Mehr als 36.500 Befragte sprachen sich darin für mehr Betreuer aus und dass die Fachkräfte in den Einrichtungen mehr Vor- und Nachbereitungszeiten angerechnet bekommen. Bei der Kita-Umfrage hatte die Sächsische Staatsregierung vier Themen zur Qualitätsverbesserung vorgeschlagen und wollte dazu die Meinungen der Eltern und Erzieher wissen.

Ergebnisse in Haushalt berücksichtigt

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz gab an, das Ergebnis im nächsten Doppelhaushalt 2019/2020 zu berücksichtigen. "Wir werden im nächsten Landeshaushalt ausreichend Mittel vorsehen, um den Erzieherinnen und Erziehern neben ihrer pädagogischen Tätigkeit zusätzliche Zeit für die Vor- und Nachbereitung zu ermöglichen", sagte er. Für diese zwei Stunden mehr pro Woche seien etwa 75 Millionen Euro vorgesehen. Rein rechnerisch wären für die Arbeit laut Kultusministerium 1.350 Vollzeitstellen zusätzlich nötig. Die meisten Erzieher arbeiten in Teilzeit. Laut Kultusministerium könnte die Vor- und Nachbereitungszeiten auch durch mehr Wochenarbeitszeit der Teilzeitkräfte erreicht werden, so dass keine 1.350 neue Stellen entstünden.

Zusätzliche pädagogische Arbeit meint Aufgaben wie diese: Kinder fördern, Eltern zuhören, sich weiterbilden, an Team-Beratungen teilnehmen, Praktikanten anlernen und Dokumentationen führen. All das sollen Sachsens Fachkräfte in den Kindereinrichtungen laut Bildungsplan seit 2006 leisten. Kritiker bemängelten seit Jahren, dass gerade für diese Dinge viel zu wenig Zeit in den Einrichtungen sei.

Mehr Selbstverwaltung, mehr Fachkräfte

Sachsens Kitas sollen künftig jedes Jahr ein eigenes Budget bekommen, um Sachkosten für zusätzliche pädagogische Maßnahmen selbst zu verwalten und zu bezahlen. Kindertageseinrichtungen, die Kinder mit Lern- oder Lebenserschwernissen betreuen, können Fachkräfte zur Sprachförderung einstellen.

Kritik: Zwei Stunden mehr reichen nicht

Kultusminister Piwarz kann bei der Anerkennung der zusätzlichen Vor- und Nachbereitungszeiten auf Unterstützung des Koalitionspartners SPD setzen, erklärte Kita-Expertin der SPD-Fraktion, Juliane Pfeil-Zabel. Sie nannte es eine längst überfällige Maßnahme, die zwei Stunden gesetzlich festzuschreiben.

Die zwei Stunden lösen allerdings die Probleme der" überlasteten Fachkräfte" nicht, kritisierte Astrid Axmann, stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW). Zwingend notwendig sei eine höherer Personalschlüssel an allen Kindertageseinrichtungen. Der Sächsische Erzieherverband verlangt vier Stunden als Vor- und Nachbereitungszeit pro Woche für jede Fachkraft. Soviel arbeiteten die Mitarbeiter schon jetzt unentgeltlich.

Hintergründe zur Umfrage Die Kita-Umfrage richtete sich an alle Eltern und 36.000 Erzieher der etwa 309.000 Kinder in Sachsens Einrichtungen. Der Nachwuchs wird in 3.167 Krippen, Kindergärten oder Horten betreut.
Bis 1. Mai 2018 konnten vier Vorschläge der Staatsregierung zur Qualitätsverbesserung online bewertet werden. 63 Prozent der Kita-Leitungen machten bei der Umfrage mit. Allerdings nahmen nur 35 Prozent der Fachkräfte und 13 Prozent der Eltern teil.
Zum einen ging es um die Verbesserung des gesetzlichen Personalschlüssels von Betreuern mit Blick auf die Kinderanzahl: In Krippen ging es um den Schlüssel einer Vollzeitfachkraft für 4,8 Kinder statt bisher 1:5, im Kindergarten um 1:11,5 statt 1:12 und im Hort um 0,9:18,5 statt 0,9:20. Auch wurde vorgeschlagen, wöchentlich zwei Stunden Vor- und Nachbereitungszeit für Erzieher anzuerkennen. Gefragt wurde auch, ob jede Einrichtung ein zusätzliches Geldbudget in eigener Verwendung haben sollte oder Kitas mit besonderem Bedarf unterstützt werden sollten.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.05.2018 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

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6 Kommentare

23.05.2018 11:33 Karl Winter 6

@Sophia 5
Geiz-ist-geil“-Mentalität oder Friss oder stirb 2018
"..unentgeltlich geleistet wird..."
"vier Stunden als Vor- und Nachbereitungszeit pro Woche. Soviel arbeiteten die Mitarbeiter schon jetzt unentgeltlich ", laut Angaben der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft.
Keiner zwingt die Menschen dazu. Dadurch wurde der Sparwahn der alten Herren und der Gefolgschaft noch unterstützt. Sofortmaßnahmen müssen her oder Streik bis zum abwinken. Aber das juckt die dort nicht die Bohne. Kinder- und menschfeindliche Politik.

23.05.2018 05:48 Sophia 5

Ich verstehe die Forderungen nach mehr Geld und einer angemessenen Vorbereitungszeit sehr gut. Allerdings fürchte ich, dass es hier Probleme geben wird. Warum soll man etwas bezahlen, was doch bisher auch unentgeltlich geleistet wird?

22.05.2018 22:06 Udo Degen 4

Am Ende ist es wieder eine Utopie die nicht aufgehen kann. Vorschläge gut und schön für Bürokratie, die schon erstickt im eigenen Politmief der Selbstgefälligkeiten der Obrigkeit. Die Realitäten vor Ort in den Kindereinrichtungen sprechen aber andere Wahrheiten. Mit 2 Stunden Mehraufwand das Gesamtproblem vom Tisch fegen zu wollen ist wieder ein typisches Phantom der Verantwortlichen in Dresden, von vielen,die man seit eh und jeh hinterher jagt ohne eine vom Grundansatz her passende Lösung zu haben. Das nicht erst seit heute.

22.05.2018 21:25 Na so was 3

"Sachsens Kuturminister Christian Piwarz (CDU) gab an, das Ergebnis im nächsten Doppelhaushalt 2019 / 2020 zu berücksichtigen." Etwas anderes konnte er ja auch nicht sagen. Was hat er denn erricht seit November 2017 ? Etwas Durchschlagendes bestimmt nicht, mir fehlt auf jeden Fall nichts ein. Gut, dass die Probleme der Lehrer, Kindererzieherinnen, Schulen, Kindergärten, Turnhallen, Entlohnung der Lehrer und Erzieherinnen, usw. nicht gelöst werden konnten, ist ihm nun nicht unbedingt anzulasten. Er hat zwar schon jahrelang im sächs. Landtag gesessen und das Nichtstun der Regierung bei der Lösung dieser Probleme mit begleitet, anscheinend ohne sich dagegen aufzulehnen. Deswegen, merkt euch alle, was er gegenwärtig verspricht !

22.05.2018 20:18 Fred Wunderlich 2

Det sàsische Plen is we a Boum. Im Schatten wechst nischt. Aber Schneeboll kanste toasten..

22.05.2018 17:43 jackblack 1

Wir wollen, wir wollen, wir wollen- wo sollen denn SCHNELLSTENS Fachkräfte wie Lehrer, Erzieher, Polizisten, Rettungshelfer herkommen, die fallen nicht vom Baum und kurzfristig hilft auch mehr Geld nicht, die DDR wurde als Planwirtschaft schlechtgeredet, aber der aktuelle Zustand des Staates ist PLANLOS.