Am Gürtel einer Person hängen mehrere Haken mit Seilen, in der Hand hält sie einen Helm.
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Bei der Bergwacht nachgefragt Verunglücken in Sachsen immer mehr Bergsteiger?

Egal ob Klettern, Wandern, Canyoning oder Radfahren: Outdoorsportarten werden in Sachsen immer beliebter. Allein der Sächsische Bergsteigerbund hat seit Juli über 15.000 Mitglieder und ist damit der zweigrößte Sportverein in Sachsen. Nur Dynamo Dresden hat mehr Mitglieder. Doch steigt mit der zunehmenden Beliebtheit auch die Zahl der Unfälle?

Am Gürtel einer Person hängen mehrere Haken mit Seilen, in der Hand hält sie einen Helm.
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Zuletzt waren in der Sächsischen Schweiz zwei Bergsteiger schwer verunglückt, die am vergangenen Sonnabend am Mittleren Torstein im Gebiet der Schrammsteine kletterten. In ganz Sachsen werden nach Angaben der sächsischen Bergwacht pro Jahr etwa 20 Kletterunfälle registriert. Die meisten passieren demnach in der Sächsischen Schweiz oder im Zittauer Gebirge. Die wenigsten enden tödlich und die Zahlen seien seit mindesten zehn Jahren konstant.

Ein Mann mit Vollbart trägt einen Kletterhelm auf dem Kopf.
Jürgen Rolke ist Pressesprecher der sächsischen Bergwacht. Bildrechte: Jürgen Rolke

Wie der Sprecher der sächsischen Bergwacht, Jürgen Rolke, MDR SACHSEN sagte, sind die Gründe für Kletterunfälle vielfältig. Die meisten Bergsportler seien gut auf die sächsischen Kletterrouten vorbereitet. Doch insbesondere der Sandstein in der Sächsischen Schweiz berge Gefahren, die vor allem auswärtige Kletterer vor besondere Herausforderungen stelle. So stelle das unvorhergesehene Herausbrechen des Gesteins, der sogenannte Griffausbruch, einen der häufigsten Unfallgründe dar. Der Bergretter empfiehlt daher, stets so viele Sicherungen wie möglich am Fels anzulegen. Auch die Witterungseinflüsse spielen laut Rolke beim Sandstein eine ganz besondere Rolle.

Bei Regen sollte man in der Sächsischen Schweiz absolut nicht klettern gehen.

Jürgen Rolke Bergwacht Sachsen

Bergwacht nicht nur bei Kletterunfällen im Einsatz

Doch nicht nur Kletterer verunglücken in den schwer zugänglichen Gebieten der sächsischen Mittelgebirge. Auch Wanderer, Radfahrer oder Canyoning-Athleten müssen von der Bergwacht gerettet werden. Und obwohl immer mehr Menschen in diesen Sportarten aktiv würden, sei die Zahl der Verunglückten in den letzten zehn Jahren konstant geblieben, so Rolke. Insgesamt müssten die Bergretter in der Sächsischen Schweiz durchschnittlich rund 80 mal pro Jahr ausrücken.

Nicht jeder Einsatz sei gleich ein schwereres Unglück. Speziell in der Sächsischen Schweiz würden einige Touristen die Wanderrouten unterschätzen und etwa über Kreislauf- und Herzprobleme klagen. Andere könnten nicht mehr weiterlaufen, weil sie umgeknickt sind. Manchmal müsste auch ein Kletterer vom Gipfel gerettet werden, weil er sich selbst nicht mehr herunter traut. Auch in solchen Fällen werde die Bergwacht aktiv, so Rolke. Und obwohl die Ausbildung und Ausrüstung vieler Outdoorsportler immer besser werde, ärgert sich der Bergretter auch über das leichtsinnige Verhalten mancher Touristen.

Die sächsische Schweiz ist ein Gebirge und nicht der Große Garten in Dresden.

Jürgen Rolke Bergwacht Sachsen

Saisonbedingte Schwankungen

Die Zahl der Bergwachteinsätze variiere außerdem aufgrund des Wetters. Im Jahr des Elbehochwassers 2002 gab es laut Rolke witterungsbedingt nur 40 Einsätze in der Sächsischen Schweiz. In diesem Jahr könnten es deutlich mehr als die durchschnittlich 80 Einsätze werden, da das anhaltend gute Wetter die Leute nach draußen locke. Die Kollegen am Fichtelberg hätten hingegen rund 300 Einstätze im Jahr zu bewältigen. Diese allerdings fast ausschließlich in den Wintermonaten.

Bei den Einsätzen der Bergretter sieht Rolke eine Verlagerung von den Wochenenden auf die Woche. Etwa weil ältere Menschen heute fitter sind als früher und ihre freie Zeit und das schöne Wetter an den Wochentagen entsprechend nutzen würden. Rund die Hälfte der Bergewachteinsätze finde mittlerweile zwischen Montag und Freitag statt.

Quelle: MDR/ms

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.07.2018 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2018, 18:03 Uhr

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3 Kommentare

17.07.2018 15:18 nuit 3

Naja....es steht doch im Text, dass es eben nicht mehr Unfaelle sind, sondern die Zahl konstant bleibt, obwohl mehr Leute an den Fels gehen.

"Und obwohl immer mehr Menschen in diesen Sportarten aktiv würden, sei die Zahl der Verunglückten in den letzten zehn Jahren konstant geblieben, so Rolke."

Also die Frage von der Bergwacht verneint worden und damit eigentlich nur ein reisserischer Aufmacher fuer den Text.

16.07.2018 21:20 Fragender Rentner 2

Vielleicht klettern auch immer mehr und dann verunglücken leider auch mehr.

Kommen da auch welche aus diesen Bolderhallen oder wie sie sich nennen?

16.07.2018 21:15 Morchelchen 1

Diese Frage ist irgendwie merkwürdig. Man könnte daraus seltsame Rückschlüsse auf die uns von den Medien "angehangene" dunkeldeutsche Gegend schließen... Vielleicht sollte man das Große und Ganze betrachten. Eventuell nehmen die Kletterunfälle generell zu, also überall in den Gebieten, wo geklettert wird? Weil sich mittlerweile zu viele Menschen an komplizierte Freizeitsportarten heran wagen...

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