Mann mit Fahrrad im knietiefen Wasser
Bildrechte: MDR/Christian Grube

Heiß und nass Klimawandel ist in Sachsen angekommen

Heiße Sommer, Starkregen und heftige Gewitter - die Zunahme von extremen Wetterlagen ist nicht nur gefühlt. Die Auswirkungen des globalen Klimawandels sind in Sachsen schon erkennbar.

von Katrin Tominski

Mann mit Fahrrad im knietiefen Wasser
Bildrechte: MDR/Christian Grube

"Das Risiko für Wetter-Extreme nimmt in Sachsen im bundesweiten Vergleich immer weiter zu." Das sagte Werner Sommer, Abteilungsleiter im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, MDR SACHSEN in der Sendung Dienstags direkt. Die ersten unmittelbaren Folgen des globalen Klimawandels seien auch in Sachsen erkennbar. "Die Temperaturen haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Dadurch steigt das Risiko von Trockenheit und Starkregen." Gleichzeitig häuften sich intensive Gewitter. "Die Region Erzgebirge ist hier ein Hotspot", sagte Sommer. Bei der Auswertung der Blitzdaten würden jedes Jahr mehr und stärkere Blitze gemessen.

Blitze am nächtlichen Horizont
In Sachsen werden jedes Jahr mehr und vor allem stärkere Blitze registriert. Bildrechte: MDR/André März

Gleichzeitig wirkt sich der Klimawandel nach Ausführungen des Experten auch stark auf die Landwirtschaft in Sachsen aus. "Wir haben bei 60 Prozent der Ackerfläche in Sachsen Erosionsprobleme durch Starkregen", erklärte Sommer. Gerade dort wo leichte Böden schnell weggeschwemmt werden können, sei dies ein Problem. Vor diesem Hintergrund müsse die Landwirtschaft neue Wege finden, die Böden zu bearbeiten, durch das bisher übliche Umpflügen würde die Erosion noch verstärkt. "Bereits jetzt fahren wir langfristige Versuche, um uns auf Veränderungen einzustellen", sagte Sommer. Mulchen und Direktsaat seien etwa Strategien, um dem Klimawandel zu begegnen.

Sondersituation Sachsen

Werner Sommer
Klimaforscher Werner Sommer Bildrechte: Werner Sommer

Doch warum macht sich der Klimawandel in Sachsen stärker bemerkbar als in anderen Bundesländern? "Das ist im Wesentlichen auf zwei Aspekte zurückzuführen", erklärte Sommer. Einerseits zeige sich im sächsischen Relief als "Sondersituation" eine Ost-West-Ausrichtung der Mittelgebirge. "Anströmende Wetterlagen fangen die Niederschläge also an den nebligen Gebirgen ab", erläuterte Sommer. "Andererseits liegen wir im Übergangsbereich zwischen atlantischem und kontinentalem Klima."

Trockenheit gefährdet Wälder

Die Trockenheit wirkt sich auch auf Sachsens Wälder aus. "Viele Nadelbäume werden durch die Trockenheit im Tiefland anfällig gegen den Borkenkäfer", sagte Sommer. Die natürliche Vegetation der Mischwälder sei viel resistenter. "Deswegen haben wir eine Waldumbaustrategie entwickelt und bauen jedes Jahr bis zu 1.500 Hektar Wald um." Im Augenblick betrage der Anteil der Nadelbäume am sächsischen Wald 70 Prozent. "Ziel ist, den sächsischen Wald bis 2030 so umzubauen, dass er je zur Hälfte aus Laub- und Mischwald besteht", sagte Sommer.

Hitze in den Städten

Der Anstieg der Temperaturen führt nach Meinung des Experten besonders in den Großstädten Dresden und Leipzig zu einer großen Hitzebelastung. Grün in den Innenstädten sei deswegen ein wichtiger Klimafaktor. Dresden beispielsweise habe bereits umfangreiche Maßnahmen entwickelt, nachdem die Regklam-Klimastudie die Folgen des Klimawandels für die Stadt im Elbtal genauer benannt hat. Die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie empfiehlt beispielsweise, städtische Grünflächen mit "klimawandelangepassten Pflanzen" zu bestücken oder nicht mehr benötigte Parkplätze und Gewerbeflächen zu entsiegeln, damit Regenwasser einsickern kann.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.08.2017 | 20:00 Uhr | Dienstags direkt
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.08.2017 | 05:20 Uhr | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2017, 13:59 Uhr

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5 Kommentare

10.08.2017 22:32 W. Merseburger 5

Was für eine tolle Überschrift! Der Klimawandel ist in Sachsen angekommen. Kam er über die Autobahn oder hat ihn die Deutsche Bahn transportiert oder ist er ein Flüchtling. Das ist Ironie, sie soll aber etwas beleuchten. Als älterer aus Sachsen stammender Bürger habe ich bis zu meinem 18. Lebensjahr alles miterlebt. Ich glaube 1947 (oder 1948) hatten wir eine extreme Dürre. Das Wasser war extrem knapp. Anfang der 50 ger Jahre hatten wir Frost bis zu 35 Grad unter Null. An der Weißeritz gab es zu ähnlicher Zeit ein schlimmes Hochwasser. Anfang der 60 iger Jahre habe ich in Zinnwald Schneehöhen weit über 1 m erlebt. Es gab auch ein Jahr, von dem mein Vater berichtete, wo die Bauern im mittleren und oberen Osterzgebirge wegen Regen und Kälte kein Korn ernten konnten. Thomas Klobig (wenn der Name falsch ist ,Sorry) hat uns einmal einen Winter in Hiddensee gezeigt und gesagt: "die nächsten 50 Jahre passiert dies nicht wieder". Das folgende Jahr brachte gleiche Schneehöhen auf Hiddensee.

10.08.2017 19:09 Ullrich 4

Ganz ehrlich - der Klimawandel ist unbestritten! Wer das negiert sollte eventuelle Folgen ohne Hilfe Dritter Schultern!

10.08.2017 18:26 Barbara 3

@ 2 richtig die Leute die stets mit dem Klima Aussagen treffen wollen doch auch was verdienen,
mein erster Kommentar dazu wurde nicht veröffentlicht sehr eigenartig............. das ist nur eine große Lüge , das Wetter ändert sich stets.

10.08.2017 18:03 Frank 2

"Der Klimawandel ist in Sachsen angekommen"
Selten derartigen Blödsinn gelesen. Das Klima befindet sich ständig im Wandel, ist kein statischer Zustand. Es wandelte sich bereits, da spielte der Mensch auf der Erde noch gar keine Rolle.

10.08.2017 14:22 Spottdrossel 1

Die Erosionsprobleme auf den Ackerflächen dürften sicher nicht nur vom Wetter verursacht werden, denn wenn unsre lieben Landwirte Biogasmais auf Biogasmais auf Biogasmais anbauen, dann braucht man sich nicht über massive Bodenerosion zu wundern. Es gibt durchaus bodenschonende 6 bis 12 gliedrige Fruchtfolgen.