Kohleförderung Leag legt neuen Revierplan vor - Kritik von Umweltschützern

Ursprünglich sollte der Tagebau Nochten, der das Kraftwerk Boxberg mit Braunkohle versorgt, so sehr ausgeweitet werden, dass auch Rohne den Schaufeln zum Opfer gefallen wäre.
Tagebau Nochten Bildrechte: MDR/Tino Wiemeier

Die Leag passt ihre Revierplanung an den gesetzlichen Kohleausstiegspfad an. Die Braunkohleförderung in den Tagebauen in Sachsen und Brandenburg werden entsprechend verringert, teilte das Energieunternehmen mit.

Teil des Truppenübungsplatzes bleibt

So werde nach neuem Revierkonzept der Bereich der Kommandantur des Bundeswehrtruppenübungsplatzes Oberlausitz am Standort Haide nicht mehr in Anspruch genommen, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Abbaupläne des Teilfeldes Mühlrose im Tagebau Nochten blieben jedoch unverändert. Die Umsiedlung des dort gelegenen Dorfs Mühlrose soll wie vorgesehen weiter laufen. Aufgrund der Lage, der Beschaffenheit der Reichwalder Kohle sowie des Tagebaufortschritts gäbe es dazu keine Alternative, um insbesondere das Kraftwerk Boxberg langfristig zu versorgen, so die Begründung der Leag.

Der Tagebau Welzow-Süd an der sächsisch-brandenburgischen Grenze wird nicht wie geplant vergrößert. Hier bleibt der Ort Proschim erhalten.

Der neuen Revierplan der Leag zur Braunkohleförderung.
Revierplan der Leag Bildrechte: Leag

Kritik wegen Abbaggerung von Mühlrose

Kritik zu dem neuen Revierkonzept kommt von Umweltschützern und den Grünen. René Schuster vom Umweltnetzwerk Grüne Liga bezeichnet das Konzept als "schon heute überholt". Es müsse deutlich mehr Kohle im Boden bleiben, so seine Forderung. So werde mit der Verschärfung des EU-Klimaziels für 2030 viel weniger Kohle für die Stromerzeugung benötigt.

Wo Kohle liegen bleiben kann, sollte außerdem nicht ein privates Unternehmen, sondern der Staat entscheiden, heißt es von der Grünen Liga mit Blick auf die Abbaggerung des Dorfs Mühlrose im Landkreis Görlitz.

Es ist widersinnig, einen genehmigten Tagebau wie Reichwalde zu verkleinern und gleichzeitig im Tagebau Nochten ein neues Abbaufeld beantragen zu wollen.

René Schuster Grüne Liga

Nötig ist laut Grüner Liga auch ein größerer Abstand der Grube des Nochtener Tagebaus zu Dörfern wie Rohne und Mulkwitz. Das fordere seit Jahren eine Bürgerinitiative.

Abrissarbeiten
Im Sommer vergangenen Jahres waren in Mühlrose die ersten Abrissarbeiten erfolgt. Bildrechte: xcitepress

"Das Revierkonzept der Leag ändert nichts am weiterhin fehlenden Nachweis der Notwendigkeit des Abbaus der Kohle unter dem Dorf Mühlrose", kritisiert Daniel Gerber, energiepolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag. Ein erst kürzlich veröffentlichtes Gutachten im Auftrag der Bundesregierung habe belegt, dass ein weiteres Abbaggern von Dörfern zugunsten der Braunkohleverstromung energiepolitisch nicht notwendig sei, so Gerber.

1,75 Milliarden Euro Entschädigung für Leag

Die Leag erhält für die vorzeitige Stilllegung von Kraftwerks-Blöcken im Zuge des Braunkohleausstiegs 1,75 Milliarden Euro. Einen entsprechenden Vertrag zwischen Bund und den Kraftwerksbetreibern hatte der Bundestag am Mittwoch gebilligt. Zum Schutz des Klimas ist geplant, dass in Deutschland die Stromgewinnung aus Kohle spätestens im Jahr 2038 endet. Bei der Braunkohle wurden dabei feste Abschaltdaten ausgehandelt.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.01.2021 | 14:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 14.01.2021 | 19:00 Uhr

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