Nu Pagadi | Teil 2 WM-Kolumne: "Jetzt spielen wir wirklich Fußball"

"Ein Supermatch, Fußball fürs Auge, Fußball fürs Herz". MDR-SACHSEN-Sportreporter Ronny Maiwald findet für das WM-Spiel Portugal gegen Spanien nur lobende Worte. In seiner Kolumne verleiht er seiner Freude Ausdruck.

Otlitschno! Molodtsy! - Ausgezeichnet! Prachtkerle! Dass hätte der Russischlehrer Spanien und Portugal für das gestrige 3:3 in die Muttihefte geschrieben. Schreiben müssen! Ein Supermatch, weltmeisterlich. Fußball fürs Auge, Fußball fürs Herz. Alles auf höchstem Niveau. Dazu sechs Tore. Was willst du mehr?

3:3 im iberischen Duell, im Duell Europameister gegen Ex-Weltmeister. Und Portugals Natschalnik, Entschuldigung, Kapitän Christiano Ronaldo macht allein drei Stück. Seine Weltklasse war schon immer unbestritten. Aber was wurde der Junge wegen seiner diven-, manchmal auch mädchenhaften Art in Fußballkreisen mitunter schon verhöhnt und verspottet? Ich gebe zu, mein Kollege Gert Zimmermann und ich, wir haben einst bei MDR-SACHSEN-WM-Party-Gewinnern aus Jux und Tollerei vor Jahren mal Ronaldos Freistoßgehabe samt abgezähltem Anlauf vom Hof bis in die Scheune nachstellen lassen, samt gegnerischer Freistoßmauer, wo jeder nur den Job hatte, seine männlichen Genitalbereiche mit einem vorgehaltenen Helm abzusichern. Selbstverständlich nur für die Galerie und fürs Foto.

Und selbstverständlich stand damals fest: Ronaldos Ball würde irgendwo in die Baumkrone fliegen. Und gestern? Vchera? Nitschewo! Von wegen! Schon bei Ronaldos Anlauf beim Freistoß kurz vor Schluss, seinem konzentrierten Blick, wusste ich, er packt einen aus. Baumkrone, das war einmal. Da konnte die spanische Freistoßmauer noch so gut springen. Besser, perfekter kann kein Fußballer diesen Ball ins Tor hineinzirkeln. Was für ein Treffer zum 3:3 gegen Spanien, die insgeheim schon mit dem Sieg liebäugelten.

Christiano Ronaldo. Selbst seine größten Kritiker müssen anerkennen: Der Junge ist auch mit inzwischen 33 Lenzen nicht nur weiter absolute Weltklasse, der Junge ist zum Mann gereift. Er ist erwachsener geworden, er ist mehr denn je Portugals Antreiber und absolute Führungsfigur.

Und die Spanier? Nachdem zwei Tage vor Turnierbeginn ihr komplettes Trainerteam geschasst wurde und Ex-Real-Idol Fernando Hierro kurzfristig übernommen hatte? Hut ab, vor diesem Team. Denn es war ein Team, sage ich. Von der Trainerposse war nichts zu spüren. Zweimal einen Rückstand aufgeholt und spielerisch dem Sieg insgesamt sogar näher gewesen. Spanien und Portugal, bolschoye spasibo!

Großen Dank für diesen weltmeisterlichen Fußballabend! In dieser Verfassung können beide in Russland weit kommen. Spanien gegen Portugal, da stand nicht nur Spanien gegen Portugal drauf, da war auch Spanien gegen Portugal drin. Und mit diesem Match heißt es bei der WM in Russland ab jetzt hoffentlich wirklich weiter: "Mui igrajem futbol" - Jetzt spielen wir wirklich Fußball. Denn alles andere zuvor, war doch mehr oder weniger Fallobstfußball.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.06.2018 | ganztägig im Programm

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2018, 08:21 Uhr

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