10.03.2020 | 15:25 Uhr Krankschreibung via Telefon: So soll es laufen!

Ab sofort ist es in Deutschland möglich, sich bei leichten Erkrankungen vom Arzt übers Telefon krankschreiben zu lassen. Wie soll das konkret ablaufen? Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung klärt auf.

Arzt 4 min
Bildrechte: Colourbox

MDR SACHSEN: Wie muss ich mir das praktisch vorstellen? Einfach beim Arzt anrufen und dann werde ich krankgeschrieben?

Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Wenn ich morgens aufwache und ich fühle mich unwohl, habe vielleicht einen leichten Husten, fühle mich matt, dann würde ich normalerweise in die Arztpraxis gehen, mich untersuchen und mich eventuell krankschreiben lassen. In diesen Fällen rufe ich idealerweise bei meinem Arzt an. Derjenige kennt mich. Ich schildere meine Symptome am Telefon. Und dann kann der Arzt eine Krankschreibung bis zu sieben Tagen ausstellen, sodass ich nicht extra in die Praxis kommen muss.

Das gilt aber ausdrücklich nur für diese leichten Fälle und nicht für Fälle, wo ein Corona-Verdacht oder auch ein Grippe-Verdacht herrschen würde. Also wenn der Arzt sagt, ich muss sie aber angucken, das ist erforderlich, dann ist es etwas anderes. Aber für diese leichten Fälle gilt diese Ausnahmeregelung, die am 9. März in Kraft gesetzt worden ist.

Und wie kommt der Krankenschein dann zum Patienten?

Der kommt von der Praxis per Post zum Patienten.

Kann auf diese Art und Weise nicht auch Missbrauch betrieben werden?

Wir hoffen natürlich, dass die Menschen damit verantwortungsvoll umgehen. Das ist keine Einladung dafür, sich ein paar zusätzliche Urlaubstage zu verschaffen, sondern es dient in dieser besonderen Situation, in der wir jetzt gerade sind, vor dem Hintergrund der Coronaviren-Infektion, dass wir die Praxen von leichten Fällen entlasten. Das kommt ja auch dem Patienten zugute, wenn er ein solcher leichter Fall ist, dass er eben nicht in die Praxis muss. Diese Situation ist auf vier Wochen beschränkt, dass gilt nicht unendlich.

Ist das denn überhaupt in den Praxen durchzusetzen? Die Telefone sind doch jetzt schon überlastet. Wenn die Leute wegen einer Krankschreibung anrufen, dann kommen die Schwestern im Vorzimmer ja gar nicht mehr zu ihrer Arbeit.

Das ist sicherlich ein Engpass, das ist korrekt. Andererseits sind da die vollen Praxen. Der Klassiker ist der Montagmorgen. Da ist die Hausarztpraxis voll mit Patienten, die eine Krankschreibung brauchen. Da gibt es auch längere Wartezeiten. Wenn viel übers Telefon läuft, kann man nur an alle Seiten appellieren, vor allem in Richtung Patient, hier Geduld zu haben. Jetzt werden wir schauen, wie das angenommen wird und bundesweit läuft.

Das ist neu, das ist noch nie gemacht worden. Das ist eine Ausnahmesituation. Eine Ausnahmesituation fordert auch Ausnahmeregelungen. Wir hoffen damit einen Beitrag beigesteuert zu haben, der sowohl die Praxen als auch die Patienten entlastet.

Roland Stahl | Kassenärztliche Bundesvereinigung

Wirkt sich das für die Ärzte bei der Abrechnung anders aus?

Nein, das wirkt sich für die Ärzte nicht anders aus.

Das Gespräch führte Gabi Kammel.

Quelle: MDR/gk/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2020 | 13:00 bis 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2020, 15:25 Uhr

Mehr aus Sachsen