Referendar am Overheadprojektor
Bildrechte: IMAGO/Michael Weber

Kompromiss CDU-Fraktion lässt Verbeamtung von neuen Lehrern prüfen

Die Verbeamtung von Lehrern wird in Sachsen derzeit heftig diskutiert. Der neue Kultusminister Frank Haubitz sieht diese als Lösungsmodell gegen den Lehrermangel und stieß damit bei Teilen der CDU auf Widerstand. Eine Fraktionssitzung in Dresden brachte Klarheit. Es wurde ein Kompromiss gefunden, der nun von der Staatsregierung geprüft werden soll.

Referendar am Overheadprojektor
Bildrechte: IMAGO/Michael Weber

Die CDU-Fraktion im sächsischen Landtag hat die Staatsregierung beauftragt, eine befristete Verbeamtung von neuen Lehrern zu prüfen. Das gab Fraktionschef Frank Kupfer im Anschluss an eine Sondersitzung bekannt. Danach sollen neue Lehrkräfte möglichst schon ab dem 1. August 2018, spätestens aber ab 2019 verbeamtet werden - zunächst auf fünf Jahre befristet. Bei der Abstimmung habe es keine Gegenstimme gegeben. Nach drei Jahren soll die Verbeamtung noch einmal überprüft werden.

Es sei eine schwere Entscheidung für die Fraktion gewesen, weil sie über 27 Jahre aus guten Gründen eine Verbeamtung abgelehnt habe, sagte Kupfer. Die Staatsregierung solle bis 31. Januar kommenden Jahres einen Vorschlag erarbeiten, wie bereits angestellten Lehrern über Eingruppierungen und Erfahrungseinstufung ein Ausgleich gezahlt werden kann. Auch der Vorschlag zur befristeten Verbeamtung soll geprüft werden. Abschließend sollen die Regierungsfraktionen darüber entscheiden.

Haubitz: "Das ist eine gute Entscheidung für meine Schülerinnen und Schüler"

Damit folgten die Abgeordneten der CDU einem zuletzt ausgehandelten Kompromiss zur Verbeamtung von Lehrern zwischen dem neuen Kultusminister Frank Haubitz und Finanzminister Georg Unland. Haubitz, der vor wenigen Wochen noch Schulleiter in Dresden war, begrüßte die Entscheidung. Die CDU-Fraktion spreche sich damit "deutlich für eine hohe Bildungsqualität an Sachsens Schulen aus und gegen den Unterrichtsausfall", erklärte der parteilose Kultusminister.

SPD: "Verbeamtung keine gute Lösung"

Sabine Friedel, SPD-Abgeordnete im Sächsischen Landtag.
Sabine Friedel, SPD, ist skeptisch Bildrechte: SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag/Julian Hoffmann

Die Bildungsexpertin der SPD-Fraktion, Sabine Friedel, äußerte sich vorsichtig zu den Plänen des Koalitionspartners. "Wir haben noch keine Gespräche geführt". Einig sei man sich, dass die Attraktivität des Lehrerberufes erhöht werden müsse. Eine Verbeamtung sei nach Ansicht ihrer Fraktion aber "keine gute Lösung". Natürlich sei man generell kompromissbereit. Wenn man verbeamte, müsse man aber vorher für all die Lehrkräfte etwas tun, die nicht verbeamtet werden können. Und da sei die einzige Lösung ein sächsischer Tarifvertrag.

Der Beschluß, den wir jetzt gelesen haben, ist aus meiner Sicht eine Nichtentscheidung, man hat die Entscheidung verschoben auf Ende Januar 2018.

Sabine Friedel bildungspolitische Sprecherin SPD Fraktion

Kretschmer will Schulterschluss mit Lehrern

Der designierte Ministerpräsidenten Michael Kretschmer sagte vorab im Interview mit MDR SACHSEN, er suche den Schulterschluss mit den Lehrern. Derzeit sei Sachsen nicht konkurrenzfähig, wenn es darum geht, neue ausgebildete Lehrer ins Land zu holen. Kretschmer sagte weiter, es gebe verschiedene Varianten, das zu ändern."Da spielt das Thema Verbeamtung eine Rolle. Das hat auch mit dem Gehaltsniveau zu tun." Darüber müsse in der Fraktion gesprochen werden. "Ab Februar werden wieder junge Lehrer eingestellt und diese brauchen eine Aussage wie in Sachsen in Zukunft verfahren wird."

Michael Kretschmer
Bildrechte: IMAGO

In der Fraktion wird es dazu eine Grundsatzdiskussion geben und ich bin froh, dass sich die Kollegen dieser Diskussion stellen. Wir haben Jahrzehnte einen anderen Weg verfolgt. Wir sehen jetzt, dass wir mit dieser Strategie, die in den vergangenen Jahren ja auch erfolgreich war, in eine Situation kommen, in der das nicht mehr so einfach funktioniert. Deshalb müssen wir uns nun neue Instrumente nehmen und das werden wir auch tun.

Michael Kretschmer designierter Ministerpräsident Sachsen

Es wird teuer

Sicher ist: Der Kampf gegen den Lehrermangel wird teuer. Es gibt verschiedene Rechenmodelle. In einem Brief an die sächsischen Schulleiter hatte Haubitz sich Mitte November - am Tag seiner Vereidigung als neuer Kultusminister - für die uneingeschränkte Verbeamtung ab 2019 ausgesprochen. Dies sei notwendig, um im bundesweiten Wettbewerb um junge Lehrkräfte zu bestehen. Bildungspolitiker der Regierungsfraktionen CDU und SPD hatten irritiert und teils verärgert auf das unabgestimmte Vorgehen des neuen Ministers reagiert. Hinter dem Vorstoß vermuteten einige in der CDU-Fraktion den künftigen Ministerpräsidenten.

Quelle: MDR/dpa/kb

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.12.2017 | Nachrichten ab 11:00 Uhr sowie im aktuellen Programm
MDR SACHSENSPIEGEL | 06.12.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 21:34 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

19 Kommentare

07.12.2017 09:23 M. Kraus 19

Ein weiteres Beispiel dafür, dass man am Dresdner "Hof" einfach nicht rechnen kann. Statt sich nun endlich mal mit wirtschaftlich und sozialer Gleichbehandlung der angestellten Lehrer gegenüber all' den Beamten in Deutschland mit einem sächs. Angestelltentarif modern und zukunftsfähig zu erweisen, buhlt man um ggf. 1700 neue Beamten-Lehrer (Wählerstimmen) und verprellt dauerhaft ca. 30000 (mit Familenangehörigen sogar über 60000) Angestellten-Lehrer-Wählerstimmen. Damit verliert die CDU die Landtagswahl 2019.

07.12.2017 08:56 Frederic 18

Die BRD hat schon viel-zu-viele Beamte. Ergo die Beamtung von Lehrer ist Unsinn. Kenne etliche Länder, auch außerhalb von Europa - nur dort gibt es keine "BEAMTE" wie in der BRD. Dort sind Lehrer /innen Angestellte der Schulen, der Stadt etc.

06.12.2017 21:12 Anirac 17

Ich bin 30 Jahre alt und seit 6 Jahren Grundschullehrerin mit Klassenleitertätigkeit. Von einem extra Bonus für Junglehrer war da noch keine Rede. Dies muss auch nicht sein, da alle jungen Kollegen erstmal leisten müssen, was die erfahrenen Lehrer schon viele Jahre tun. Ich kann nicht fassen, wie wenig die Arbeit der älteren Kollegen und auch meinige geschätz wird!!!!
Wenn jetzt eine Verbeamtung für ausschließlich neueingestellte Lehrer erfolgt, werden vor allem die Kinder darunter leiden, denn die gesamten zusätzlichen und ungesehenen sowie unbezahlten Arbeiten (im Grundschulbereich nicht zu unterschätzen) müssten dann wohl die jungen Kollegen mit Bonuszahlung übernehmen.....

Ich wünsche mir endlich eine ordentliche Wertschätzung für ALLE Bestandslehrer!!! Auf keinen Fall dürfen Sie weniger verdienen, als frisch eingestellte Kollegen!

06.12.2017 20:43 Anton 16

Wozu braucht ein Lehrer nach Sachsen, wo er nur befristet verbeamtet wird? Er geht lieber nach Brandenburg oder nach Mecklenburg, wo er auf Lebenszeit verbeamtet wird! So bleibt Sachsen auch weiter ohne Lehrer.

06.12.2017 20:07 Lieber Herr Haubitz 15

"Das ist eine gute Entscheidung für meine Schülerinnen und Schüler" Vielleicht wird aber auch genau das Gegenteil eintreten. Denn für mich steht fest, sollte es so kommen, dass nur Neulehrer verbeamet werden werde ich meine Arbeitsweise stark überdenken. Das bedeutet, ich werde keine Klassenfahrten mehr durchführen, keine zusätzlichen Stunden übernehmen oder zusätzliche Aufsichten durchführen. Denn das können dann die gut bezahlten Beamten machen. Leider wird das besonders die Schüler treffen, scheint aber der einzige Weg zu sein, sich gegen solche Ungerechtigkeiten zu wehren.

06.12.2017 19:30 Silvia R. 14

Wo bleiben die Lehrer, die das sächsiche Gymnasium aufgebaut haben und die Schüler zu Spitzenleistungen geführt haben (G8), die Referenare in ihren Fächern ausgebildet haben und so für Nachwuchs gesorgt haben. Nach der Veröffentlichung unserer Gehaltstabelle auf der Vorderseite der "Freien Presse" fuhle ich mich von der Vergütung her als Lehrerin 3. Klasse. Ich fordere eine GERECHTE Bezahlung der Bestandslehrer, erst dann kann über Verbeamtung junger Kollegen überhaupt nachgedacht werden.

06.12.2017 18:38 Gerald 13

Beamte sind nun die besseren Lehrer? Glaube ich nicht! Beamtentum kann generell abgeschafft werden! Nicht mehr zeitgemäß!

06.12.2017 17:56 karstde 12

Die Politik soll das Beamtentum gänzlich abschaffen, dann haben wir auch nicht solch einen Unsinn. Typisch Klassengesellschaft und alle finden es in letzter Konsequenz geil.

06.12.2017 17:28 os lehrer 11

Die CDU-Bildungspolitik in Sachsen war, ist und bleibt wohl ein schlechter Witz. Es wird wirklich immer skurriler, was sich die feinen Anzugträger so ausdenken. Immer weiter so mitten in den bildungspolitischen Abgrund bis irgendwann gar nichts mehr geht. Fragt sich bloß, wer dass irgendwann mal ausbaden muss. Herr Unland bestimmt nicht mehr ...

06.12.2017 17:21 Rene 10

Ich bin leicht entsetzt von dieser Lösung. Es scheint mir, dass Dilettanten mit Realitätsverlust alles daran setzten das Lehrerkollegium zu verstärken, dabei aber eine Sprengung provozieren.
Einige Folgen dieser grandiosen Idee sind in den vorherigen Kommentaren klar benannt. Zudem braucht der Jungbeamte auch eine sehr gute Alleingängermentalität, denn viel Unterstützung wird man mit dem Sonderstatus nicht bekommen.

Der Slogan "Lehrer aus Überzeugung" war lange Zeit bitterer Trost, aber mit dieser Welle der Ungerechtigkeit wird es auf die Spitze getrieben.