Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) spricht am 18.12.2017 in der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden (Sachsen) anlässlich der Vorstellung seines neuen Kabinetts. Kretschmer hat am gleichen Tag sein Kabinett mit vier neuen Ministern vorgestellt.
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Nach Gespräch mit Chefs in München Kretschmer sieht Chancen für Siemens in Görlitz und Leipzig

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) spricht am 18.12.2017 in der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden (Sachsen) anlässlich der Vorstellung seines neuen Kabinetts. Kretschmer hat am gleichen Tag sein Kabinett mit vier neuen Ministern vorgestellt.
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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht weiter gute Chancen für die Siemens-Standorte in Görlitz und Leipzig. Kretschmer war am Mittwoch zu einem kurzfristig anberaumten Treffen mit Siemens-Vorstand Joe Kaeser nach München gereist. "Es war ein sehr intensives Gespräch", erklärte Kretschmer im Anschluss. "Es muss fair und gerecht zugehen, wenn es um die Frage geht, welche Standorte im Konzern diejenigen sind, die in Zukunft eine Perspektive haben sollen. Wir wollen in diesen Wettbewerb eintreten." Der neue sächsische Ministerpräsidente zeigte sich zuversichtlich: "Wir sehen für Leipzig und Görlitz sehr gute Chancen, aber am Ende müssen Zahlen und Fakten sprechen, und darauf habe ich heute noch einmal gedrungen."

Kretschmer will die Gespräche mit der Siemens-Konzernleitung fortsetzen. "Ich sehe in dem Besuch von Joe Kaeser in Görlitz ein Signal, dass er sich Sachargumenten nicht verschließen will", erklärte der Ministerpräsident. Er sei froh, dass die Gewerkschaften sowie die Betriebsräte in Leipzig und Görlitz so intensiv gekämpft haben. Dadurch hätten sie die intensiven Gespräche mit dem Konzern überhaupt erst ermöglicht. Die beiden Standorte in Görlitz und Leipzig gehören zur Kraftwerkssparte, in der Siemens weltweit Tausende Arbeitsplätze abbauen will.

Kaeser sprach Dienstag mit Belegschaft in Görlitz

Siemens-Chef Kaeser hatte sich am Dienstag erstmals nach der Bekanntgabe der Schließungspläne mit der Belegschaft des Görlitzer Turbinenwerks getroffen. Bereits dort signalisierte der Konzernchef Gesprächsbereitschaft. "Es wäre echt schade, wenn dieser Standort verloren ginge, nur weil uns nichts Gutes gemeinsam einfällt", erklärte Kaeser. Er bedauerte zudem die misslungene Kommunikation zur geplanten Schließung des Görlitzer Werkes. Die Mitarbeiter hatten das Aus für das Görlitzer Werk aus den Medien erfahren. Selbst danach gab es lediglich eine Videoübertragung aus der Zentrale in München.

In der Belegschaftsversammlung versprach Kaeser zuem, sich für die Mitarbeiter einzusetzen und sie nicht allein zu lassen. Siemens werde seinen Beitrag zur strukturellen Weiterentwicklung der Region leisten, erklärte Kaeser im Interview mit MDR SACHSEN. Hier sehe er aber auch die Landes- und Bundesregierung in der Verantwortung.

Zukunft liegt in Erneuerbaren Energien

Die Turbinensparte ist laut Kaeser hart umkämpft. Hier werde man in den nächsten zwei bis fünf Jahren etwa 2.900 Arbeitsplätze in Deutschland verlieren. Gleichzeitig wolle man 12.000 bis 15.000 Mitarbeiter in anderen Sparten neu einstellen. Requalifizierung ist laut Konzernchef eine Lösung. Die Zukunft liege beispielsweise in den Erneuerbaren Energien und in der Batteriefertigung für die E-Mobilität.

Aufträge für Kraftwerke in Libyen und Russland

Siemens hatte zuletzt Aufträge zum Bau von Kraftwerken in Libyen und Russland erhalten, bei denen Turbinen benötigt werden. Trotzdem will das Unternehmen die Standorte in Görlitz und Leipzig schließen. Allein in Görlitz wären rund 900 Menschen betroffen. Die Konzernspitze begründete das Vorgehen mit einer Absatzflaute in der konventionellen Kraftwerkssparte.

Mann mit Helm schraubt an Turbine im Siemens-Werk Görlitz
Dampfturbinen aus Görlitz werden weltweit in Kraftwerke verbaut. Bildrechte: dpa

Donnerstag: Weihnachtslieder vor dem Siemens-Tor

Auch im örtlichen Bombardierwerk steht Stellenabbau an. Den drohenden Entlassungen in beiden Werken setzen die Kirchen jetzt Gebete und Weihnachtslieder entgegen. Die Arbeiter hätten den konkreten Wunsch geäußert, zur Ruhe zu kommen, sagte der evangelische Pfarrer Burkhard Behr. Zum Weihnachtsliedersingen am Tor des Siemenswerkes laden der katholische Bischof Wolfgang Ipolt und der evangelische Generalsuperintendent Martin Herche am Donnerstag um 19:30 Uhr ein.

Quelle: MDR/kt/ma

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.12.2017 | ab 17:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 20.12.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2017, 19:27 Uhr

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4 Kommentare

21.12.2017 01:23 Hans 4

Ja, wenn es Steuergelder regnet, ja dann gibt es Chancen für Görlitz. Am Ende werden die Politiker es Siemens vorne und hinten reinstecken. Vielleicht gibt es dann später einen Aufsichtsratposten.

20.12.2017 21:46 Na so was 3

"Kretschmer sieht Chancen für Siemens in Görlitz und Leipzig"
Was der Herr Kretschmer sieht, ist vollkommen uninteressant. Siemens muß Chancen für Görlitz und Leipzig sehen. So wird ein Schuh draus !

20.12.2017 20:51 Paulchen 2

Chancen für Siemens auf Kosten der Steuerzahler? Um dann danach an der Ruhr die Konkurrenz zu "retten"? Dann lieber eine ehrliche Wirtschaftspolitik mit kritischer Betrachtung des "freien Markts" und des Renditestrebens als eine dem Staatssozialismus immer ähnlicher werdende teure Subventionierung durch Lobbyismus und Gegeneinander-Ausspielen. Es kann nicht sein, dass der am meisten bekommt, der am lautesten schreit.

20.12.2017 19:58 Michel 1

Siemens macht es so wie andere auch. Der Osten ist Versuchsfeld. Funktioniert etwas schlecht, wird es geschlossen und die Leute entlassen, funktioniert etwas gut, wird es in den Westen verlegt