26.03.2020 | 10:10 Uhr Kriminalstatistik für Sachsen: Nackte Zahlen mit Unschärfen

Wegen der Corona-Pandemie hat das Innenministerium Sachsen auf die übliche Präsentation der jährlichen Kriminalstatistik im Rahmen einer Pressekonferenz verzichtet. Diese Prioritätensetzung ist derzeit sicherlich mehr als nachvollziehbar und vernünftig. Eine schriftliche Zusammenfassung der Kriminalstatistik 2019 liegt MDR Sachsen dennoch vor – hier die Zahlen, Daten, Fakten und jene Erläuterungen, die üblicherweise bei offiziellen Präsentationen solcher Statistiken fehlen.

Ein Polizist führt einen mit Handschellen gefesselten Mann ab
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Was ist eine "Kriminalstatistik"

In einer Kriminalstatistik werden diejenigen, der Polizei bekannten Fälle erfasst, die innerhalb eines Kalenderjahres abgeschlossen wurden. Dazu gehören gelöste Fälle mit ermittelten Tatverdächtigen, aber auch jene, bei denen die polizeilichen Ermittlungen ergebnislos eingestellt worden sind. Sie ist also eine Art Arbeitsnachweis für abgearbeitete Fälle und keine Erfassung der Gesamtkriminalität.

In einigen Deliktfeldern liegen die Zahlen sehr nah an der Realität: Autodiebstähle beispielsweise werden von den Betroffenen schon aus Versicherungsgründen wohl grundsätzlich der Polizei gemeldet. Drogendelikte hingegen, wozu auch der Besitz einer für den Eigenkonsum bestimmten Menge Cannabis gehört, werden wohl weder von Käufern noch von Händlern angezeigt. Die Häufigkeit der Kontrollen durch die Polizei sorgt hier also für steigende oder fallende Zahlen. Kriminalstatistiken zeigen somit vor allem Tendenzen auf.

Erfasste Fälle in Sachsen erneut gesunken

Statt von "sinkender Kriminalität" zu sprechen, ist es also sinnvoller, über niedrigere Fallzahlen zu berichten. In Sachsen sank 2019 die Zahl der abgeschlossenen Fälle im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent auf 271.796 - nach dem vergangenen Jahr ein neuer Tiefstand. Die Aufklärungsquote lag mit 56,2 Prozent ungefähr auf Vorjahresniveau. Häufigstes Delikt: Diebstahl (inklusive Einbruch) mit insgesamt 111.179 Fällen (40,9 Prozent).

Kriminalitätsentwicklung im Freistaat Sachsen
Kriminalitätsentwicklung im Freistaat Sachsen: Die Zahl der erfassten Straftaten im Jahr 2019 ist im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Bildrechte: Sächsisches Innenministerium

Weniger Tatverdächtige, besonders bei "Zuwanderern"

Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen ist 2019 insgesamt um 1,9 Prozent auf 87.150 Personen gesunken. Besonders stark fällt der Rückgang bei der Gruppe der Zuwanderer aus: Hier wurden vergangenes Jahr 8.393 Tatverdächtige ermittelt, 8,7 Prozent weniger als im Vorjahr. "Zuwanderer" im Sinne der Kriminalstatistik sind Asylbewerber (abgelehnt oder im Verfahren), Geduldete oder Flüchtlinge mit anerkanntem Schutzstatus. Zu der Gruppe gehören aber auch Personen, die sich ohne gültige Aufenthaltsgestattung (zum Beispiel fehlendes oder abgelaufenes Visum) und somit ohne Fluchtkontext in Deutschland aufhalten.

Ermittelte Tatverdächtige 2019 im Vergleich zu 2018
Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen ist 2019 im Vergleich zu 2018 leicht gesunken. Bildrechte: Sächsisches Innenministerium

Gewaltkriminalität sinkt viertes Jahr in Folge

Seit 2015 sind Gewaltstraftaten von 8.252 auf 7.649 Fälle und somit um 7,3 Prozent gesunken. Unter "Gewaltstraftaten" werden Mord und Totschlag, gefährliche und schwere Körperverletzung, Raub sowie schwere Sexualdelikte zusammengefasst. Die Aufklärungsquote ist im gleichen Zeitraum von 75,5 Prozent auf 78,5 Prozent gestiegen.

Entwicklung der Gewaltkriminalität
Die Zahl der erfassten Gewalttaten in Sachsen ist im Vergleich zu den Vorjahren gesunken, die Aufklärungsquote leicht gestiegen. Bildrechte: Sächsisches Innenministerium

Deutlich weniger Wohnungseinbrüche

Einen auffällig starken Rückgang um 24 Prozent gab es bei den Wohnungseinbrüchen (inklusive Versuchen) auf 3.040 Delikte. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 22,4 Prozent auf 25,8 Prozent. Europol macht für die sinkenden Zahlen in Deutschland vor allem eine "Ausweichbewegung" von international operierenden Einbrecherbanden nach Skandinavien verantwortlich. Zudem tragen wohl auch eine Sensibilisierung und verbesserte Einbruchschutzmaßnahmen der hiesigen Bevölkerung dazu bei, dass vor allem die Zahl der erfolgreichen Wohnungseinbrüche sinkt.

Entwicklung des Wohnungseinbruchdiebstahls
Die sinkenden Zahlen bei Wohnungseinbrüchen führt die Polizei auch auf verbesserte Einbruchschutzmaßnahmen zurück. Bildrechte: Sächsisches Innenministerium

Rekordtief bei Autodiebstählen

Sogar um 26 Prozent ist die Zahl der Autodiebstähle gesunken: Auf 1.718 Fälle im vergangenen Jahr. Innerhalb von zehn Jahren bedeutet das einen Rückgang der Fallzahlen um 57,9 Prozent. Die Aufklärungsquote hat mir 36,7 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Auch hier spielen - ähnlich wie bei den Wohnungseinbrüchen - technische Verbesserungen und Ortungssysteme sicherlich eine wichtige Rolle. Deutlich zugenommen haben im vergangenen Jahr allerdings wieder Fahrraddiebstähle unter "erschwerenden Umständen" um 2.096 auf insgesamt 19.216 Fälle – das waren 7 Prozent aller Straftaten im Freistaat.

Entwicklung des Kraftwagendiebstahls
Die Zahl der erfassten Autodiebstähle ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Bildrechte: Sächsisches Innenministerium

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