24.03.2020 | 16:20 Uhr Corona-Pandemie treibt Sachsens Künstler und Kulturschaffende in die Armut

Freischaffende Künstler kämpfen derzeit um ihr finanzielles Überleben. Vielen hat die Corona-Krise die Arbeitsgrundlage entzogen. Die Bestseller-Autorin Nina George warnt vor irreparablen Schäden.

Eingang Sächsische Galerie Chemnitz
Die Schließung der sächsischen Galerien ist für viele Künstler existenzbedrohend. Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Für Kunst- und Kulturschaffende ist die Corona-Krise existenzbedrohend. Die Wege in die Galerien und Kulturstätten sind verschlossen. Die Auftragslage bei den Autoren, Künstlern, Musikern und Fotografen ist prekär. Viele von ihnen gehen in Vorleistung, jetzt bleiben die Einnahmen aus. "Als Künstler lebt man in riskantem Fahrwasser, aber die Situation jetzt ist wirklich dramatisch", sagt der Grafikdesigner und Kunstmanager Karsten Messner. Die Pandemie könnte viele in die Arbeitslosigkeit führen. Bereits jetzt stellt die Regierung sich auf Tausende neue Hartz IV-Empfänger ein.

"Nie gekannte Herausforderung"

Die Bestseller-Autorin Nina George ("Die Schönheit der Nacht") sieht den deutschen und europäischen Buchmarkt vor einer nie gekannten Herausforderung. Als Präsidentin des European Writers Council vertritt sie rund 160.000 Kreative, die mit Sprache und Texten arbeiten. "Wenn wir uns den Bereich Kinder- und Jugendliteratur ansehen, machen dort Lesungen einen Großteil des Verdienstes für die Schriftsteller aus. Wenn bis zu drei Monate Veranstaltungen ausfallen, bedeute das Verluste pro Künstler von 6.000 bis 9.000 Euro." Wer jetzt ein neues Buch auf den Markt gebracht habe, sei "quasi unsichtbar".

Nina George
Bildrechte: Helmut Henkensiefken

Wenn wir nicht aufpassen, wird unsere Kulturlandschaft irreparabel amputiert. Im schlimmsten Fall müssen etliche Kulturschaffende ihre Arbeit aufgeben und sich komplett umorientieren.

Nina George Autorin

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind solo-selbstständig, schreibt der Evangelische Pressedient. Zu dieser Gruppe gehören in der Kultur- und Kreativwirtschaft Musiker, Autoren, Filmemacher, Maler, Architekten, Designer, Journalisten. Sie alle trifft die Verbreitung des Coronavirus hart, weil allerorts Veranstaltungen gestrichen werden, mit denen sie üblicherweise ihr Geld verdienen. Während in kleinen, mittleren oder großen Firmen Kurzarbeitergeld entlasten kann, müssen Solo-Selbstständige auf Ersparnisse zurückgreifen, sofern sie überhaupt welche haben.

Soforthilfe-Maßnahme

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig hat umfangreiche Unterstützung für Klein- und Kleinstunternehmer angekündigt. Im Rahmen der Maßnahme "Sachsen hilft sofort" können Selbständige ein Darlehen beantragen, das drei Jahre tilgungsfrei ist. Die Rückzahlung werde unkompliziert geregelt. Karsten Messner erscheint ein Kredit, auch zinslos, für Solo-Selbstständige der Kultur- und Kreativwirtschaft wenig sinnvoll. "Wir wissen ja nicht, ob nach dem Abklingen der Gesundheitsgefahr drei Mal so viel Kunst gekauft wird wie vorher."

Zugang zu Hartz IV wird einfacher

Zudem hat die Bundesregierung am Montag beschlossen, den Zugang zu Hartz IV zu erleichtern. Rückwirkend ab dem 1. März können Leute ohne oder mit zu geringen Einkünften Hartz IV beantragen, ohne dass ihr Vermögen bei der Berechnung berücksichtigt wird. Nur "erhebliches Vermögen" gilt als ein Ausschlussgrund, heißt es im Gesetzentwurf. Dabei will man sich auf die Selbstauskunft des Antragstellers verlassen.

Quelle: MDR/epd/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.03.2020 | 07:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2020, 16:20 Uhr

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