26.06.2019 | 12:14 Uhr Schulen in Sachsen bekommen neue Lehrpläne

Schüler melden sich im Unterricht.
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An Sachsens Schulen sollen mit dem neuen Schuljahr politische Bildung, Medienkompetenz, Umwelt- und Klimaschutz mehr Gewicht bekommen. "Der Umgang mit Pluralität und Digitalisierung in der Gesellschaft, die Reaktion auf klimatische Veränderungen und die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen sind zukunftsentscheidende Fragen. Sie müssen im Unterricht umfassend behandelt werden", sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Er hat am Mittwoch die überarbeiteten Lehrpläne vorgestellt.

Es ist keine Revolution, aber eine wichtige Evolution, um sie auf einen neuen Stand zu bringen.

Christian Piwarz Kultusminister

Sachsen hatte bereits neue Stundentafeln beschlossen, daher mussten die Lehrpläne verändert werden. 90 Fachlehrpläne für Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien und Förderschulen wurden seit dem vergangenen September bewertet und überarbeitet.

In einigen Fächern wie Musik, Kunst und Fremdsprachen werden weniger Unterrichtsstunden gegeben, in anderen dafür mehr. Letzteres betrifft vor allem die politische Bildung, erklärte der Kultusminister. So wird für Schüler an Oberschulen in der 7. und 8. Jahrgangsstufe je eine Stunde Gemeinschaftkunde/Rechtserziehung zur Pflicht. Das Unterrichtsfach soll an Gymnasien bereits ab Klassenstufe 7 unterrichtet werden.

Informationen und Erklärungen zu den einzelnen Lehrplänen finden Sie im Blog des Kultusministeriums.

Landesschülerrat verlangt Nachbesserungen

Der Landesschülerrat sieht darin einen "ersten Schritt in die richtige Richtung". Bei der politischen Bildung sieht Sprecher Noah Wehn jedoch weiter Änderungsbedarf. Er kritisierte die Kürzung im Musik- und Sportunterricht, da gerade diese Fächer zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen könnten. Die Reduzierung bei Fremdsprachen in Zeiten zunehmender Internationalität seien zudem "nicht tragbar".

Parteienecho auf die neuen Lehrpläne

Für die Linke im Landtag ist die "Lehrplanreform am grünen Tisch" nicht ausreichend. Sie will eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, "was wie gelehrt und gelernt werden soll". Politische Bildung als Ein-Stunden-Fach reiche nicht aus, meinte die Lehrerin und bildungspolitische Sprecherin, Cornelia Falken. Sie verlangte eine grundlegende Modernisierung des Schulwesens.

Auch die Grünen kritisierten, dass das Fach Gemeinschaftskunde in der 10. Klasse wieder abgewählt werden könne. Die grüne Hochschulsprecherin Claudia Maicher hält die Lehrpläne für zu starr und plädierte für kompetenzorientierte Rahmenlehrpläne, die sich an bundesweiten Bildungsstandards orientierten.

Die AfD sprach sich ganz gegen den Ausbau der politischen Bildung aus. Für den Parteivorsitzenden Jörg Urban habe politische Bildung "keinerlei Mehrwert für die Berufsausbildung der Schüler".

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.06.2019 | 19:00 Uhr

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22 Kommentare

27.06.2019 21:59 Udo K 22

@ Agnostiker 16
Nicht die Lehrer müssen ausgetauscht werden, sondern deren Verhalten wird sich den entsprechend Herrschenden anpassen müssen.
Das war schon immer so, und derzeit ganz besonders krass in Richtung Verteufelung derer, die nicht dem Mainstream folgen.

27.06.2019 11:59 Eulenspiegel 21

Hallo Udo K 14
„Da ich aus Erfahrung weiß, wie die heutige politische Bildung oftmals aussieht, erinnert mich das sehr wohl an den Staatsbürgerunterricht der DDR.“
Dann klären sie uns. Wie sieht denn die heutige politische Bildung oftmals aussieht?

27.06.2019 11:47 A 20

Hoffentlich wird auch einmal endlich der Stoff der einzelnen Fächer entrümpelt. Da wäre dann bestimmt noch mehr Platz für Musik, Sport und Kunst.
Bei diesen Fächern sollte es keine Abstriche geben. Die musischen Fächer waren schon immer Streichobjekte oder es gab keine ausgebildeten Lehrer. Das wird wohl heute auch so sein, oder?

27.06.2019 11:21 A 19

Politische Bildung ist wichtig.
" Das gehört nicht hierher. " Diesen Satz darf es im Unterricht bei politischer Bildung nicht geben. Auch wenn es im Chemieunterricht ist. Wer gegen politische Bildung ist , ist für Verdummung.

27.06.2019 09:43 roca remeed 18

Obwohl der Artikel aktualisiert wurde, ist die Frage nicht beantwortet, zu Lasten welcher Fächer politische Bildung erweitert wird. Erst ein Blick in Medienservice Sachsen, 26.06.18, ergab: gekürzt wird ab 2019/2020 in Mathe und Technik, 2. Fremdsprache, Biologie, Sport, Musik um je eine Stunde; in den Grundschulen Musik, Deutsch, Sport; in den Oberschulen Englisch, Biologie, Sport. Das nennt die Koalition groteskerweise "Senkung der Unterrichtsbelastung", obwohl nun die besagten Meinungsfächer hinzukommen. Jetzt heißt die Evolution: Senkung der hohen Stundenlast um 4%! Dazu erübrigt sich jeder Kommentar! Nur noch so viel: wie z. B. die Beiträge 7 und 11 zeigen, ist Beherrschung der deutschen Sprache Grundvoraussetzung für Erfassen und Vermitteln von Zusammenhängen, Kausalitäten und logischen Denkprozessen; ohne Kenntnisse in Mathe und NW verbietet sich jede Mitsprache In Klima- und Umweltfragen. Oder obsiegt hier die linke Urweisheit: Haltung braucht keine Bildung??

27.06.2019 08:04 na so was 17

Warum wird und Verbrauchern nicht einfach die Wahrheit gesagt ? Laut Sächsischer Zeitung gibt es auch Kürzungen wie im Fach Mathematik z.B. Und das hat nur damit zu tun, dass in den letzten Jahren viel zu wenig Mathematiklehrer ausgebildet worden sind. In Märkten, Kaufhallen usw. ist bestimmt nicht nur mir aufgefallen, dass die Jugend in den ersten Jahren bei der Ausübung ihres erlernten Berufes sehr große Probleme mit dem Kopfrechnen auf niedrigsten Niveau hat. Und da ist der Königsweg, es werden die Mathematikstunden gekürzt, die optimale Lösung ? Gut, einige Leute glauben das. Da können die Oberen froh, dass es genügend Leute gibt, die sich durch salbungsvolle Reden beeindrucken lassen. 27.06.2019, 08:04

26.06.2019 23:46 Agnostiker (an Udo K) 16

Dann berichten Sie doch mal aus ihrer Erfahrung! Aber bitte ganz konkret an einem belegbaren Beispiel. Wo bzw. an welcher Schule haben Sie erlebt, dass Schüler im GRW Unterricht indoktriniert werden? Ach und noch eine Frage. Sollte die AfD jemals regieren, wären die ja dann die herrschende Politik. Wird da dann auch indoktriniert. Oder gibt es keine Lehrer die mit der AfD sympathisieren? Wann genau hat denn das indoktrinieren begonnen? Dann müssen ja immer gerade die Lehrer unterrichten, die mit der Regierung konform sind. Wechselt die Regierung müsste auch der Lehrer wechseln. Sollte demnach die AfD regieren müssten wir auch die GRW Lehrer austauschen.

26.06.2019 23:29 Agnostiker (an Atheist) 15

Immer die selbe Leier von Ihnen. Fehlt nur noch der Hinweis auf Ihren Enkel mit den zwei Meinungen. Kleiner Tip, einfach Aluhut absetzen und sich inhaltlich mit den Lehrplänen beschäftigen. Vielleicht dürfen Sie ja mal in einer GRW Stunde hospitieren. Dann können Sie ja mal erklären, was das Wissen über den Aufbau der Kommune (LB1 Klasse 9), Wissen über die Rechtsordnung bzw. Aufbau der Gerichte (LB2 Klasse 9) oder Wissen über den Wirtschaftskreislauf (LB2 Klasse 10) mit Saatsbürgerkunde zu tun haben. Wobei, dann müssten Sie sich ja mit richtigen Fakten beschäftigen und können nicht wieder irgendwas behaupten.

26.06.2019 21:29 Udo K 14

Da ich aus Erfahrung weiß, wie die heutige politische Bildung oftmals aussieht, erinnert mich das sehr wohl an den Staatsbürgerunterricht der DDR.
Alles im Sinne der herrschenden Politik, Indoktrinationsverbot steht nur auf dem Papier.
@ Barba 11
Wer sich aus verschiedenen Quellen eine Meinung bildet, wird in der Schule dann in "die richtige Richtung" gebracht. Anderes, als in der Schule vermittelt, wird ein kluger junger Mensch für sich behalten. Auch das beherrschten die Schüler in der DDR schon sehr gut.

26.06.2019 19:32 Jana 13

Neuer Name für Staatsbürgerkunde. Was hat das in der DDR nichts gebracht?

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