16.10.2019 | 19:55 Uhr Umstrittener Landesbischof bekommt Zuspruch über Petition

Der noch amtierende sächsische Landesbischof Carsten Rentzing hat über eine anonyme Petition Unterstützung bekommen. Zur Stunde haben mehr als 2.100 Menschen für den Verbleib Rentzings im Amt unterschrieben. In der Erklärung ist von einer "Schmutzkampagne" gegen den Bischof die Rede. Die Vorwürfe gegen ihn seien haltlos. Er gelte als "der letzte verbliebene konservative Bischof in der Evangelischen Kirche in Deutschland" und sei von seinem Amtsantritt an "heftigen Anfeindungen und Angriffen" ausgesetzt gewesen. Auch die Gruppierung "Christen in der AfD" solidarisiert sich mit Rentzing. AfD-Landtagsabgeordneter Jörg Kühne sagte zum MDR SACHSENSPIEGEL, Rentzing sei einer der wenigen, an denen man sich noch orientieren könne.

Am Montag fällt Entscheidung über Personalie

Landeskirchenamts-Präsident Hans-Peter Vollbach bedauert den Umgang von Landesbischof Rentzing mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Vollbach sagte MDR SACHSEN, die Kirchenleitung habe immer loyal zu Rentzing gestanden. Nur sei das immer schwieriger geworden. Die Kirchenleitung hatte Rentzings umstrittene Texte als elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich eingestuft. Auf Kontaktversuche des Landeskirchenamts und des MDR reagierte Rentzing bisher nicht. Die Kirchenleitung will am Montag entscheiden, ob sie Rentzings Rücktrittsangebot vom Freitag annimmt. Sollte sie dies tun, gelte es zu beraten, wann ein Verfahren für die Nachfolge beginnen könnte, sagte Vollbach. Rentzing selbst werde nach jetzigem Stand nicht an der Sitzung teilnehmen.

Rücktrittsangebot am Freitag

Rentzing hatte am Freitag überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Tags darauf wurde bekannt, dass der Bischof als Student vor rund 30 Jahren Texte in der Zeitschrift "Fragmente" verfasst und das Blatt auch mit herausgegeben hat. In den Wochen zuvor war unter anderem Kritik daran laut geworden, dass Rentzing bis heute Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung ist und 2013 einen Vortrag in der Berliner "Bibliothek des Konservatismus" (BdK) gehalten hatte, die dem Umfeld der Neuen Rechten zugeordnet wird. Geleitet wird die BdK heute von Wolfgang Fenske, wie Rentzing vor Jahren Redakteur der "Fragmente."

Der 52 Jahre alte Rentzing gilt als konservativer Theologe, der etwa die Segnung homosexueller Paare ablehnt. Er sorgte immer wieder für Diskussionen, unter anderem, weil er sich in den Augen seiner Kritiker nicht deutlich von der AfD abgrenzte. Vollbach sagte auf die Frage, ob die Vergangenheit von Bischofskandidaten in Sachsen künftig genauer geprüft werde: "Ich gehe fest davon aus, dass das so sein wird". Dies könne etwa Mitgliedschaften in "Vereinen, Parteien, Burschenschaften oder anderen Organisationen" betreffen, ergänzte er.

Quelle: MDR/st/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.10.2019 | 19:00 Uhr

31 Kommentare

DER Beobachter vor 42 Wochen

Der Rückhalt Rentzings in unserer Landeskirche ist eben nicht stark. Und unter den petententen dürften Mitglieder unserer Landeskirche eine absolute Minderheit darstellen. Wobei bis letzte Woche ausserhalb dieser der Name weitgehend unbekannt war...

Augen auf vor 42 Wochen

Welche Massenmigration meinen Sie ? Das ist ein Begriff der üblicherweise von - bringen wir es doch einfach mal auf den Punkt - ausländerfeindlichen Rassisten benutzt wird. Es gibt keine Massenmigration. Es gibt aber leider sehr viele asylsuchende Krisen- und Kriegsflüchlinge, übrigens befinden sich unter diesen auch viele verfolgte Christen.......Krisen und Kriege die von uns Europäern als Stellvertreterkriege unterstützt werden. Liebe „Konservative“: Erklären Sie mir doch bitte wovor Sie Angst haben - ich verstehe Sie nicht. Oder möchten Sie mit Ihrer Haltung doch nur Ihre Fremdenfeindlichkeit verschleiern, so wie es möglicherweise auch die Absicht Herr Rentzing gewesen sein könnte. Kann man als Christ Rechtspopulisten/Nationalisten folgen ? Habe ich in der Bergpredigt etwas falsch verstanden, wie kommen Sie auf linksgrünen Zeitgeist - werden wir aktuell nicht eher mit einer Zunahme national-völkischen Denkens konfontiert. Das Christentum wurde übrigens nicht in Europa „erfunden“.

aus Elbflorenz vor 42 Wochen

leider, leider, leider.... hat das BVerfG selber schon die Abkürzung BVG zur Eigenbezeichnung benutzt....

Und mit der Aussage, dass die Kirche mit ihren führenden Vertretern nicht die Massenmigration befürwortet, ... da kommen Sie ein paar Jahrhunderte zu spät. Die Heilige Liga ist (leider) nicht mehr.

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