Sächsischer Landtag Sachsen will Kampf gegen Borkenkäfer verstärken

Das Jahr 2018 war für Sachsen ein Jahr der Wetterextreme. Sturmschäden und Dürre führten in den Wäldern zum höchsten Borkenkäferbefall seit 1945. Die Landesregierung hat deshalb weitere Hilfen für Waldbesitzer beschlossen. Das befallene Holz soll damit möglichst schnell aus dem Wald geholt werden. Weil der Holzpreis durch das Überangebot stark gesunken ist, gerät auch der Staatsbetrieb Sachsenforst in Schieflage.

Sachsen befürchtet eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers und will den Kampf gegen den Holzschädling verstärken. Forstminister Thomas Schmidt sagte im Landtag, seit Sommer seien mehr als 500.000 Kubikmeter Holz betroffen, Schätzungen gingen von bis zu einer Million Kubikmeter "Käferholz" bis Mai 2019 aus. Deshalb werde auch im Winter Bruchholz aus den Wäldern geholt.

Die privaten und kommunalen Waldbesitzer sollen dabei noch stärker unterstützt werden, so Schmidt. Bislang seien schon eine Ausnahmeregelung für den Holztransport erwirkt, Lagerplätze eingerichtet und bei den Landkreisen Krisenstäbe gebildet worden. Für 2019 würden bis zu acht Millionen Euro für die Beseitigung der Schäden und die Bekämpfung des Borkenkäfers bereitgestellt.

Holzpreis drastisch gesunken

Schmidt sprach vom schwierigsten Jahr für die sächsischen Wälder und die hiesige Forstwirtschaft seit der Wende. Sachsen werde die Waldbesitzer nicht im Stich lassen. Der Minister erinnerte an die wirtschaftlichen Folgen. Der jetzt nahezu gesättigte Holzmarkt habe reagiert - mit halbierten Preisen und Aufarbeitungskosten, die um etwa 50 Prozent höher sind als zuvor. Auch der Staatsbetrieb Sachsenforst ist in finanzielle Schieflage geraten. Er verzeichnet nach Angaben des Ministers ein Defizit von 11,1 Millionen Euro.

Sachsenforst hat bisher einen großen Teil seiner öffentlichen Aufgaben mit dem Holzverkauf aus dem Staatswald finanziert.

Thomas Schmidt Forstminister

Im gerade verabschiedeten Doppelhaushalt ist deshalb ein Sondervermögen gebildet worden, aus dem sowohl der Mehrbedarf von Sachsenforst als auch Fördermaßnahmen im Privat- und Körperschaftswald finanziert werden. Insgesamt stehen zur Beseitigung der Sturmschäden 39,4 Millionen Euro bereit.

 Grüne fordern stärkeren Waldumbau

Borkenkäfer
Bis zu drei Käfergenerationen in diesem Jahr haben Schadholz befallen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Landtagsfraktion der Grünen forderte von der Staatsregierung mehr Einsatz für den Waldumabau. Ihr umweltpolitischer Sprecher Wolfram Günther erklärte, Fichten würden häufig nicht auf ihren natürlichen Standorten angepflanzt. "Gesunde Mischwälder sind wesentlich widerstandsfähiger und besser für Extremwetterereignisse vorbereitet." Der Waldumbau müsse eine Daueraufgabe der Staatsregierung sein und dürfe nicht erst dann zum Thema werden, wenn ein Dürresommer über das Land komme. Die Regierung hat die Mittel für den Waldumbau um über drei Millionen Euro aufgestockt.

Schwere Stürme hatten von Herbst 2017 bis Spätsommer 2018 rund 2,6 Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsens Wäldern hinterlassen. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Freistaat in seinem Staatswald in diesem Jahr regulär einschlagen wollte. Vor allem die in Sachsen reichlich vorhandenen Fichtenbestände sind betroffen.

Folgen von Sturm und Dürre in Zahlen - Sachsenweit 2,6 Millionen Kubikmeter Sturmholz und damit weitaus mehr Holz als sonst im Durchschnitt in Sachsen jährlich genutzt wird (zu rund 80 Prozent aufgearbeitet).

– Davon 1,76 Millionen Kubikmeter im Staatswald und 840.000 Kubikmeter im Privat- und Körperschaftswald. Zusätzlich Dürreschäden an weit über 3.000 Hektar Forstkulturen: Insbesondere ältere Bäume und junge Bäume der Aufforstungen sind betroffen.

– Die Trockenheit hat die Vermehrung der Borkenkäfer zudem stark befördert: Seit Juni 2018 sind rund 511.000 Kubikmeter Holz betroffen (307.000 Kubikmeter Holz im Staatswald, 204. 000 Kubikmeter Holz im Privat- und Körperschaftswald; insgesamt zu rund 45 Prozent aufgearbeitet).

– Schätzungen gehen von bis zu einer Million Kubikmeter Käferholz im Gesamtwald bis Mai 2019 aus.

Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.12.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2018, 20:11 Uhr

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1 Kommentar

14.12.2018 15:54 Sachse43 1

Seit der Wende hat Sachsenforst in meinem Forstbezirk so gut wie keinen MA für den Wald eingestellt. Jetzt fällt es den Schlipsträgern auf die Füße. Mir tut dabei nur der Wald leid.

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