Andreas Tietz
Bildrechte: Andreas Tietz

14.04.2019 | 14:17 Uhr "Landwirtschaftsfläche ist eine gefragte Wertanlage"

Konzerne und Vermögende kaufen nicht nur Immobilien, sondern auch Ackerland. Die Folge: Preise für Böden und Pacht steigen. Große Konzerne  verdrängen kleine Bauern. Andreas Tietz vom Thünen-Institut für ländliche Räume hat mit MDR SACHSEN gesprochen.

von Katrin Tominski

Andreas Tietz
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Herr Tietz, wie auch die Mieten steigen die Preise für Ackerland in ganz Deutschland. Wieso?

Landwirtschaftsfläche ist in Zeiten niedriger Zinsen und unsicherer Finanzmärkte eine gefragte Wertanlage. Wir haben die Situation, dass man woanders für sein Geld nichts mehr kriegt. Also fließt viel Aufmerksamkeit in die Investition in landwirtschaftliche Nutzflächen. Die Landwirtschaft erscheint lukrativ - auch wegen der Subventionen. Doch gleichzeitig sind die Böden die Existenzgrundlage der Landwirtschaft. Es wird für Landwirte zunehmend schwierig, diese Existenzgrundlage zu sichern.

Warum?

Weil sie oft nicht das Geld haben, sich die Flächen für ihre Betriebe selbst zu kaufen. Grob geschätzt gehören beispielsweise in Sachsen den Landwirten nur etwa 30 bis 40 Prozent ihrer Fläche. Die übrigen Flächen sind gepachtet. Verkauft jetzt also ein Verpächter wegen hoher Gewinnerwartungen sein Land teuer an einen neuen Eigentümer, der wiederum - ähnlich wie auf dem Mietmarkt - vom Landwirt eine teurere Pacht verlangt, kann das für den Bauern existenzgefährdend sein.

Ein Problem sind auch die sogenannten Share Deals. Was verbirgt sich dahinter?

Bei Share Deals geht es darum, dass ein Investor Unternehmensanteile aufkauft. Landwirtschaftliche Fläche wird zu großen Teilen - im Osten sogar zur Hälfte - von Genossenschaften und GmbH-Agrarunternehmen bewirtschaftet. Weil deren Eigentümer jetzt in Rente gehen und keine Nachfolger finden, verkaufen sie ihre Anteile. Diese Chance nutzen oft Investoren. Sie kaufen sich über die Anteile in die Landwirtschaftsbetriebe ein. Das geschieht an den Behörden vorbei.

Der Verkauf ist also illegal?

Nein, das ist nicht illegal. Das ist eine Gesetzeslücke. Wenn ein Investor Anteile kauft, bekommt die Behörde das nicht mit. Sie hat keine Handhabe mehr. Das Grundstückverkehrsgesetz, mit dem der Verkauf jeder landwirtschaftlichen Fläche kontrolliert wird und das den Landwirten einen Vorrang beim Verkauf einräumt, wird somit in Frage gestellt.

Worin liegen die Gefahren?

Die Folgen dieser Share Deals sind, dass Landwirtschaftsflächen an Behörden vorbei intransparent verkauft werden. Zudem besteht die Gefahr, dass sich immer größere landwirtschaftliche Einheiten entwickeln. Man könnte auch von der Gefahr einer zunehmenden Konzentration sprechen.

Die Landwirtschaft könnte also zunehmend von Großbetrieben und Konzernen geführt werden?

Es könnte sich so entwickeln. Ähnliches hat es schon einmal mit dem börsennotierten Agrarunternehmen KTG-Agrar gegeben. Damals zählte es zu den führenden Produzenten in Europa, musste aber 2016 Insolvenz anmelden. Ganze Mähdrescher-Kolonnen sind von Standort zu Standort gefahren. Wenn Unternehmen jedoch zentral gesteuert werden und weder Personal noch Betriebe vor Ort haben, haben Bürgermeister keine Ansprechpartner mehr. Ohne die Menschen vor Ort gehen die Beziehungen zwischen Dorf und Landwirtschaft verloren. Konflikte verschärfen sich. Share Deals sind eine reale Gefahr, weil die Akzeptanz der Landwirtschaft insgesamt bei der Bevölkerung verloren gehen kann.

Was muss die Politik ändern?

Die Politik muss Gesetze schaffen, dass Share Deals anzeigepflichtig sind und Betriebe offen legen müssen, welchem Eigentümer sie gehören.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 09.04.2019 | 20:00 Uhr

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2 Kommentare

14.04.2019 17:07 Zeitgeist 2

Na ja wenn ein Geldmann oder Frau auf der Bank Null Prozent Zinsen bekommt, so kaufen diese Land in Anteilsform. Die Ursache ist anders zu suchen !

14.04.2019 16:33 jackblack 1

GELD regiert die Welt-oder glaubt jemand im Ernst, dass das die Politiker ( Sprachpuppen der Konzerne ) tun ???

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