Coronakrise Teilweise lange Wartezeiten bei Zulassungsstellen in Sachsen

Wegweiser Kfz-Zulassungsstelle
Schnell mal zur Zulassungsstelle - nicht in diesen Tagen. Bildrechte: imago images / Emmanuele Contini

Nummer ziehen, im vollbesetzten Wartezimmer einen Platz suchen und darauf warten, dass die 29 Besucher vor einem ihre Anliegen schnell klären: So sah es in der Kfz-Zulassungsstelle im Technischen Rathaus in Leipzig noch vor einem Jahr aus. Doch mittlerweile herrscht hier gähnende Leere. Nur vereinzelt kommen und gehen Bürger durch die Tür, um ein Auto an-, um- oder abzumelden. Dass so wenig los ist, hat vor allem einen Grund: Zur Zulassungsstelle darf man nur noch mit Termin.

Zulassung nur mit Termin

Eingeführt hatten das die Stadt Leipzig sowie andere Städte und Kommunen zu Beginn der Corona-Pandemie. Damit nicht zu viele Menschen dicht gedrängt im Wartebereich Platz nehmen und stundenlang nebeneinander sitzen, soll es schnell gehen und ohne viel Kontakt. Um einen Termin zu bekommen, steht zumindest in Leipzig die Internetseite der Stadt zu Verfügung. Mit wenigen Klicks ist der Termin gebucht - jedenfalls in der Theorie. Denn der Praxistest zeigt, es gibt keine Termine in den kommenden Wochen.

Zulassung Termin Leipzig
Ein Screenshot vom Terminvergabe-Tool der Kfz-Zulassungsstelle der Stadt Leipzig am 23. September: In den nächsten Wochen ist kein Termin frei. Bildrechte: Stadt Leipzig

Wartezeit bis zu mehrere Wochen

In Leipzig beträgt die aktuelle Wartezeit für einen Termin bis zu vier Wochen, berichten Bürger. Die Stadt selbst hat auf Anfrage von MDR SACHSEN keine Auskunft zu aktuellen Wartezeiten gegeben. Eine Umfrage in anderen Städten und Kommunen Sachsens zeigt, dass es auch schneller geht: Aus Chemnitz heißt es, in den vergangenen Wochen habe man bis zu sieben Tage warten müssen. Mittlerweile bekomme man aber schon früher einen Termin. Der Landkreis Bautzen gibt an, dass die Wartezeit auf einen Termin zwischen fünf und acht Tagen beträgt.

Tagesaktuelle Termine möglich

Wer schneller drankommen möchte, sollte sich direkt am Morgen schlau machen, rät das Social-Media-Team der Stadt Leipzig über Twitter:

Auch bei einem morgendlichen Anruf in der entsprechenden Zulassungsstelle könne man Glück haben: Hat jemand kurzfristig seinen Termin storniert, sei für spontane Autobesitzer noch ein Termin am gleichen Tag möglich. So berichtet es der Landkreis Bautzen.

Bei dringenden Angelegenheiten ohne Termin sind wir ebenfalls bemüht, eine Lösung zu finden. Dabei ist mit entsprechend längeren Wartezeiten zu rechnen.

Landkreis Bautzen

Internet-Zulassung selten möglich

Einige Städte und Landkreise in Sachsen bieten bereits die internetbasierte Zulassung von zu Hause an. Das heißt, über ein Online-Tool können die Nutzenden selbst ihre Daten hinterlegen und die Zulassung beantragen - ohne extra Fahrt zur Zulassungsstelle. Allerdings sind dafür einige Voraussetzungen nötig, wie der neue Personalausweis (nPA) mit aktivierter Online-Ausweisfunktion (eID), sowie ein entsprechendes Kartenlesegerät oder ein Smartphone mit der App "AusweisApp2". Möglich ist die Nutzung bereits in Leipzig. Im Landkreis Bautzen hingegen heißt es weiter: Anrufen und warten.

Autohändler: "Situation ist geschäftsschädigend"

Die teilweise langen Wartezeiten für Privatpersonen sind zwar ärgerlich, in der Regel aber zu verschmerzen. Anders sieht das jedoch bei Autohäusern aus, die die Zulassungen für ihre Kunden übernehmen. René Musil ist Geschäftsführer eines Autohauses in Leipzig und berichtet, wie schwer es seine Branche derzeit hat: "Die aktuelle Situation ist schon geschäftsschädigend. Früher hat die Zulassung für uns höchstens 48 Stunden gedauert. Bis alle Unterlagen da waren - auch von der Bank - ist vielleicht eine Woche vergangen. Jetzt dauert der komplette Vorgang drei Wochen."

Das Problem der Autohändler: Sie gehen in Vorfinanzierung. Bis also die Unterlagen von der Bank des Käufers zurückkommen und damit die Finanzierung eines Fahrzeugs steht, schießt der Autohändler das Geld vor. Gerade bei Neuwagen sei das ein großer Kostenfaktor, erklärt Musil: "Da sind wir bei bis zu 50.000 Euro pro Fahrzeug. Wenn ich mehrere solcher Wagen verkaufe, nun aber drei Wochen das Geld vorstrecken muss, geht das nicht. So viel Kapital hat niemand - da müsste man schon Millionär sein." 

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.09.2020 | 06:30 Uhr in den Nachrichten

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