16.10.2019 | 17:43 Uhr Wie sicher sind Lebensmittel in Sachsen?

Nach dem Lebensmittelskandal um listerienverseuchte Wurst bei der Firma Wilke fordern Verbraucherschützer mehr und andere Kontrollen. Wie werden in Sachsen Betriebe überwacht? Reichen die Kontrollen aus? Und sind inzwischen alle Wurstwaren von Wilke aus dem Handel entfernt? MDR SACHSEN mit Fragen und Antworten.

verschiedene Lebensmittel wie Wurst, Käse und Gemüse liegen auf einem Tisch, die Wurst durch eine Lupe gesehen
Bildrechte: MDR/ Imago Images - CHROMORANGE / panthermedia

Welche Kontrollen nach dem Listerien-Fall in Wilke-Wurstwaren laufen derzeit noch in Sachsen?

Die Lebensmittelkontrollbehörden in Sachsen prüfen laut Verbraucherschutzministerium, ob die belieferten Firmen über den Rückruf der Firma Wilke informiert sind und betroffene Waren vom Verkauf ausgeschlossen haben. Dazu würden sämtliche Lieferwege nachvollzogen, um sicherzustellen, dass keine vom Rückruf betroffenen Produkte mehr vermarktet werden, sagte Ministeriumssprecher Jörg Förster MDR SACHSEN. Die bisher durchgeführten Rückrufkontrollen zeigten: Die beanstandeten Produkte seien mit Bekanntwerden des Rückrufs sofort gesperrt worden, Wilke-Produkte seien im Verkauf nicht gefunden worden.

Wie viele Betriebe kontrolliert und wie viele Wurstwaren von Wilke entfernt wurden, werde statistisch nicht erfasst, sagte der Sprecher weiter. Dies sei vor dem Hintergrund teils weit zurückliegender Lieferdaten bei nur begrenzt haltbaren Produkten auch nicht hilfreich.

Wie werden Lebensmittel und Betriebe in Sachsen kontrolliert?

Ähnlich wie in anderen Bundesländern gibt es auch in Sachsen drei Kontrollebenen: Die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter in den Landkreisen und kreisfreien Städten kontrollieren Betriebe und nehmen Proben in Gaststätten, Kantinen und Betrieben wie Fleischereien und Bäckereien. Die Proben werden in der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen in Dresden, Chemnitz und Leipzig untersucht. Außerdem befasst sich die Landesdirektion Sachsen mit der Lebensmittelkontrolle und ist für die Zulassung von Betrieben zuständig. Oberste Überwachungsbehörde ist das Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz.

Welche Mängel stellten die Kontrolleure in Sachsen zuletzt fest?

In Sachsen hat es laut der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen bei Kontrollen im vergangenen Jahr bei mehr Betrieben Beanstandungen gegeben. Etwa jede zweite der 66.870 erfassten Firmen wurde kontrolliert. Bei 1.597 oder 4,5 Prozent gab es Mängel, 2017 waren es 3,5 Prozent. Wegen gravierender Hygienemängel wurden in 21 Fällen Betriebsschließungen sowie 36 Betriebsbeschränkungen verhängt. In 157 Fällen wurden Bußgeld- und 18 Strafverfahren eingeleitet.

Was wurde bei Lebensmitteln beanstandet?

2018 wurden mehr als 21.100 Lebensmittelproben untersucht, 16,9 Prozent mit Beanstandung. Mit gut 56 Prozent fiel die Quote bei den Nahrungsergänzungsmitteln besonders hoch aus, bei Kindernahrung waren es 32,4 Prozent, bei Speiseeis fast 32 Prozent. In mehr als 80 Prozent der Fälle habe es sich um irreführende oder nicht vorschriftsmäßige Kennzeichnung gehandelt, hieß es. Nur in 49 Fällen wurden unter anderem schädliche Keime wie Listerien oder Salmonellen nachgewiesen. In einer Probe stießen die Experten auf Glassplitter, in einer anderen auf zwei kleine Metallklammern.

Welche Verbesserungen bei der Lebensmittelkontrolle sind in Sachsen geplant?

Konkrete Veränderungen sind nach dem Lebensmittelskandal bei der Firma Wilke in Sachsen nicht geplant. Wie der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums Jörg Förster MDR SACHSEN sagte, ist das Kontrollsystem historisch gewachsen und funktioniert gut. Die Kontrolleure vor Ort seien verpflichtet, verhältnismäßig zu handeln und zwischen den Interessen der Verbraucher und den Interessen des Unternehmens abzuwägen.

Dennoch sei in Sachsen ein interdisziplinäres Team bereits im Aufbau - eine Taskforce Lebensmittel. Sie soll landkreisübergreifend in größeren Betrieben mit komplexen Unternehmensstrukturen zuständig sein. "Somit können zukünftig nicht nur in Krisenfällen die kommunalen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter personell als auch mit breiteren fachlichen Kompetenzen unterstützt werden," so Förster. Konkret sollen vier zusätzliche Experten bei Lebensmittelkontrollen in Sachsen den kommunalen Behörden künftig helfen. Dafür werden vier neue Stellen eingerichtet - für einen Lebensmittelchemiker oder Tierarzt, einen Lebensmitteltechnologen, einen Wirtschaftsinformatiker und einen Lebensmittelkontrolleur. Ende des Jahres soll das Team starten. Zwei Stellen sind laut Ministerium bereits besetzt worden.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR BRISANT | 16.10.2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 17:43 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen

ein Banner an einer Brücke 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK