Lehrer demonstrieren am 14. Februar 2019 vor dem Finanzministerium in Dresden für mehr Geld
Bildrechte: Christian Essler/xcitePRESS

Arbeitskampf Tausende streiken in Dresden für mehr Geld

Nachdem die zweite Runde der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst kein Ergebnis gebracht hatte, haben die Beschäftigten diese Woche gestreikt. In Dresden gingen am Donnerstag wieder viele Lehrer auf die Straße.

Lehrer demonstrieren am 14. Februar 2019 vor dem Finanzministerium in Dresden für mehr Geld
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Rund 5.000 Lehrer und Bedienstete auf dem öffentlichen Dienst aus dem Raum Dresden und Bautzen haben am Donnerstag nach Gewerkschaftsangaben ihre Arbeit niedergelegt. Gemeinsam mit weiteren Länderbeschäftigten haben sie sich zu einer Protestkundgebung in Dresden vor dem Finanzministerium getroffen, teilte der sächsische Lehrerverband (SLV) mit. Hintergrund sind bislang ergebnislose Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Auch in Leipzig und Chemnitz gab es in den vergangenen Tagen Kundgebungen.

Positionen von Gewerkschaft und Arbeitgebern noch weit auseinander

"Ob die dritte Runde eine Entscheidung bringt, ist nicht sicher, denn bisher haben die Arbeitgeber wenig Interesse an einem Kompromiss gezeigt und unsere Forderungen nicht nur als zu hoch abgetan, sondern unerfüllbare Gegenforderungen gestellt", kritisierte der stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende und Fachvorstand Tarifpolitik Volker Geyer in Dresden. Die Gewerkschaften verlangen sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro zusätzlich pro Monat.

"Einkommensverbesserungen von sechs Prozent, die stufengleiche Höhergruppierung und die Realisierung der Paralleltabelle sind berechtigte Erwartungen, für deren Durchsetzung die sächsischen Lehrerinnen und Lehrer kämpfen, damit es Fortschritte bei den Tarifverhandlungen gibt!", sagte der stellvertretender Vorsitzende der Bundestarifkommission des dbb und Landesvorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes, Jens Weichelt.

Unter der Paralleltabelle ist zu verstehen, dass  jeder Besoldungsgruppe der verbeamteten Lehrer auf der anderen Seite eine identische Entgeltgruppe der angestellten Lehrer gegenübersteht. In diesem Bereich gibt es trotz bestimmter Zulagen noch Defizite, die die Gewerkschaft beheben möchte.

Lehrer demonstrieren am 14. Februar 2019 vor dem Finanzministerium in Dresden für mehr Geld
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Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hält diese Zielstellung in der aktuellen Auseinandersetzung für verfehlt. "Es geht hier um eine deutschlandweite Tarifrunde. Die Frage, ob ältere Lehrer mehr Geld bekommen, ist eigentlich nicht Gegenstand dieser Auseinandersetzung", sagte Piwarz und fügte an: "Wenn es nach mir ginge, hätte ich die Lehrer lieber in der Schule, aber ich habe zu akzeptieren, dass es auch die Option eines Warnstreiks gibt."

Formular fehlt noch

Für Unverständnis unter den Lehrern sorgt außerdem eine bürokratische Hürde. Zwar bekommen sie seit dem 1. Januar eine monatliche Zulage von 170 Euro brutto, allerdings nur unter Vorbehalt. Der Grund: Bisher konnten sie offiziell gar keinen Antrag stellen, weil das entsprechende Formular fehlt. Wie eine Sprecherin des Kultusministeriums MDR SACHSEN sagte, arbeit das Ministerium an der Erstellung des Schriftstückes. Wann es fertig werde, könne sie noch nicht sagen. "Wir wollen es so schnell wie möglich schaffen", sagte die Sprecherin. Sobald das Formular fertig ist, würden die Lehrer informiert. Die Zahlungen würden die gesamte Zeit ohne Einschränkungen geleistet, so die Ministeriumssprecherin.

Die Zahlung betrifft alle in der Entgeltgruppe E13 eingruppierten Lehrer, die nicht verbeamtet worden sind. So bekommen Pädagogen, die länger als 15 Jahre im Schuldienst sind in der Entgeltgruppe E13 (Stufe 6) ein Bruttogehalt von 5.458 Euro monatlich. Durch die zusätzliche Zahlung von 170 Euro brutto ab dem 1. Januar dieses Jahres kommen sie auf rund 5.628 Euro.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.02.2019 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 16:09 Uhr

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13 Kommentare

14.02.2019 23:40 Hippiehooligan 13

Bei Ärzten regt sich merkwürdigerweisekeiner auf. Liegt das vielleicht daran, dass jeder kleine Produktionsmitarbeiter der Meinung ist, dass er selbst problemlos Lehrer sein könnte oder liegt es daran, dass er seine persönliche Arbeit am Band als dermaßen wichtig und unersetzbar erachtet, dass er ebenfalls so ein "hohes" Gehalt verdient? So oder so ist es absolut vermessen sich aus Neid über Leute auszulassen, die sich im Arbeitskampf befinden, ohne dass man die jeweiligen Arbeitsbedingungen selbst kennt...

14.02.2019 22:31 Hippiehooligan 12

Wenn der Handwerker 7 Jahre lang studiert hat, kann er sich auch über Unterschiede des Lohnniveaus beschweren! Wenn ihr neidisch seid, dann geht studieren!

14.02.2019 22:22 Peter 11

Manche Kommentare sind armselig,
Lehrer haben mindestens 6 Jahre Studiert und 2 Jahre Schule mehr als ein Handwerker. Er muss sich ständig vorbereiten und Wissen aneignen
Barfög zurück zahlen usw. Irgendwann muss sich es ja rechnen aber jeder ist ja seines Glückes Schmied.

14.02.2019 19:58 Maria A. 10

Man kann dazu denken, wie und was man will. Doch wenn eine Lehrerin sich öffentlich äußert, dass "sie nicht mehr für so einen Hungerlohn tätig sein möchte", wie das letztens im Radio kam, dann darf man schon mal als Normalverdiener den Kopf schütteln, oder?

14.02.2019 19:55 Frank 9

@2: Einstiegsgehalt 35oo.--€, richtig. Aber das ist das Bruttogehalt, was Sie offensichtlich nicht wissen. Rechnen Sie mal den Nettobezug aus und Sie werden ernüchtert sein.

14.02.2019 19:46 sh 8

Als Handwerker mit 40 Jahren Berufserfahrung verdient man nicht einmal die Hälfte. Zum Glück schießen im Moment die Handwerkerpreise durch die Decke, allerdings sollte man noch viel höher gehen, denn Geld ist ja z.B. bei Lehrern genug vorhanden. Hier gilt jetzt genau so unverschämt zu sein.

14.02.2019 18:38 Zeitgeist 7

Das hohe Gehalt, sprich noch mehr Geldgier muß ja der Gesetzgeber erwirtschaften.
Also knallt er es wo anders drauf. Es wurde ja in dieser Branche erst vor Jahren gestreikt.
Und wenn nichts raus kommt, ob dann die Streikenden am Freitag Ihren Wochenendeinkauf nicht mehr tätigen können? Und zur Tafel müssen ?

14.02.2019 18:34 Harald Schulze 6

Übrigens noch ein paar kleine Nachträge:
Sachsen hat mit die höchste Pflichtstundenzahl, dazu kommen zusätzlich Konferenzen, Elterngespräche, Vor- und Nachbereitungen, Korrekturen...
Sachsen hat mit die höchsten Klassenteiler, die nur viel zu oft im Maximum ausgereizt werden, gern auch überschritten werden, wo kein Kläger, da kein Richter...
Sachsens Lehrer wurden (und werden noch immer) mit am schlechtesten im Ranking der Bundesländer bezahlt.
Eigentlich sollte man froh sein, dass die sächsischen Lehrer gerade einmal an einem Tag streiken. Vielleicht sollte man einmal überlegen, was passieren würde, wenn sie geschlossen in andere Bundesländer wechseln würden? Andere Länder haben ähnliche Nachwuchssorgen, aber wesentlich bessere Bedingungen.
Vielleicht doch erst einmal nachdenken und dann bashen.
Übrigens @alle: Nicht die Lehrer, der öffentliche Dienst streikt!

14.02.2019 18:25 Harald Schulze 5

Liebe*r*s Sachse43 und alle, die in den letzten drei Tagen die streikenden Lehrer verurteilt haben,
wie Sie sicher wissen, hat Sachsen ein Problem mit fehlenden Lehrern. Wenn Sie also bereit sind, um 5 Uhr aufzustehen, 50km bis zu Ihrem Arbeitsort zu fahren, sich neben der Vermittlung von Wissen, Werten und Sozialkompetenzen mit den Problemen herumzuschlagen, die mangelnde oder fehlende Erziehung im Elternhaus hervorrufen, so sind Sie herzlich eingeladen, die von Ihnen propagierten Exklusiv- Gehälter selbst auf Ihrem Konto anzuhäufen. Sie müssen "nur" Lehrer werden. Oder haben Sie eventuell Scheu davor, im Winter im Dunklen loszufahren und im Dunklen wieder anzukommen? Natürlich mit dem eigenen PKW, da der ÖPNV in Ostsachsen so gut wie tot ist. Es gibt nichts Schöneres als Fünftklässler, die selbst ihren Eltern schon auf der Nase herumtanzen. Dafür bekommen wir "diese dicken Gehälter".

14.02.2019 17:31 Praxis 4

Die realistische Bestandsaufnahme der Lage im sächsischen Bildungswesen vor 10,20 Jahren hätte diese katastrophale Situation abgemildert: Lehrermangel,Ausfall,Stundenkürzungen usw.- kritische Hinweise wurden massiv missachtet.Fehlereingeständnisse sind kaum vorhanden,lieber werden fortlaufend Bruttogehaltsangaben veröffentlicht,damit das Klischee des faulen und unersättlichen Lehrers erhalten bleibt.Bewerben Sie sich für den Schuldienst- viel Erfolg und starke Nerven!

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