eine Gruppe von Gymnasiallehrerinnen
Grit Höhne (52), unterrichtet Mathe, Geografie; Dorit Kretzschmar (52), Englisch, Russisch; Kathrin Borgmann (47), Deutsch und Geschichte; Andrea Weise (58), seit 1982 im Schuldienst, Lehrerin für Deutsch, Englisch, Ethik, Gesellschaftswissenschaften. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Kampfansage von Gymnasiallehrerinnen in Radebeul "Wir streichen die Klassenfahrten"

Die Situation ist verfahren: Lange hat sich Sachsen gegen die Verbeamtung von Lehrern gesträubt, doch dann blieb der Politik nichts mehr anderes übrig, um im Wettbewerb um junge Lehrer mit anderen Bundesländern bestehen zu können. Doch mit der Verbeamtung der Lehrer bis 42 Jahren hat die Politik sich nun ein neues Problem geschaffen: eine Spaltung quer durch die Lehrerzimmer. Auf der einen Seite: die jungen Profiteure der Neuregelung, auf der anderen die "Altgedienten" – die mit deutlich weniger Nettolohn vergütet werden. Doch gegeneinander ausspielen lassen wollen sie sich nicht.

eine Gruppe von Gymnasiallehrerinnen
Grit Höhne (52), unterrichtet Mathe, Geografie; Dorit Kretzschmar (52), Englisch, Russisch; Kathrin Borgmann (47), Deutsch und Geschichte; Andrea Weise (58), seit 1982 im Schuldienst, Lehrerin für Deutsch, Englisch, Ethik, Gesellschaftswissenschaften. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Vier Lehrerinnen des Radebeuler Luisenstift-Gymnasiums sind bei MDR SACHSEN zu Besuch. Ihnen ist klar, dass nicht alle Lehrer verbeamtet werden können (oder auch möchten) - es aber einen Ausgleich geben muss, damit es "gleichen Lohn für gleiche Arbeit gibt". Deswegen haben sie "Fairplay im Lehrerzimmer" gegründet - ein Zusammenschluss von Lehrern, der sich schul- und fächerübergreifend für die Interessen der nunmehr in ihren Augen benachteiligten Lehrer einsetzt.

Ich habe gehört, Sie wollen keine Klassenfahrten mehr anbieten – warum?

Kathrin Borgmann (K.B.): Diese Frage haben wir erwartet.

Andrea Weise (A.W.): Jemand, der nicht im Geschäft drinsteckt, kann unsere Arbeit nur schwer beurteilen. Bei einer Klassenfahrt sind alle Kollegen – egal ob sie voll- oder teilzeitbeschäftigt sind, rund um die Uhr im Dienst. Die Arbeitszeit, die wir dafür aufbringen, wird nicht adäquat entlohnt. Das ist das Problem. Egal, ob man verbeamtet oder angestellt ist, alle müssen die gleiche Arbeit verrichten. Das heißt eben auch, dass unsere Nettolöhne vergleichbar sein müssen. Indem wir auf Klassenfahrten verzichten, können wir uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren – ohne dass die Kinder davon einen Nachteil haben. Es heißt auch nicht, dass wir die Schule mit den Kindern gar nicht mehr verlassen. Wir machen Exkursionen – aber keinen 24-Stunden-Dienst mehr über Tage hinweg.

Und das gilt ab wann?

A.W.: Das hängt davon ab, was das Kultusministerium jetzt beschließt und inwieweit das Handlungsprogramm ohne Änderungen durchgewunken wird. Wir warten auf Kompromisse. Ansonsten werden wir erst einmal für ein Schuljahr bestimmte Aktivitäten, die wir zusätzlich auf eigene Kosten mit den Kindern machen, zurückfahren.

K.B.: Bevor das entschieden wird, müssen wir uns zu Schuljahresbeginn im Kollegium im Rahmen einer Gesamtlehrerkonferenz noch darauf einigen. Es müssten alle mitziehen, ob junger oder alter Lehrer. Es würde eine Abstimmung geben, bei der die Mehrheit zählt.

A.W.: Man muss sagen: Viele U43-Lehrer erklären sich solidarisch und ziehen mit uns mit.

Entgelttabelle für angestellte Lehrer
Entgeltgruppe Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe 6
             
14 3.982,60 4.417,39 4.672,07 5.057,19 5.647,28 5.731,99
13 3.672,02 4.075,76 4.293,17 4.715,55 5.299,43 5.378,92
12 3.309,47 3.653,37 4.162,72 4.609,96 5.187,62 5.265,44
11 3.202,32 3.522,94 3.777,60 4.162,72 4.721,77 4.792,59
10 3.089,22 3.400,58 3.653,37 3.908,04 4.392,57 4.458,46
9 2.749,89 3.029,67 3.172,55 3.560,20 3.883,21 3.941,46

Gymnasiallehrerinnen befinden sich derzeit im Normalfall in der Gruppe E 13. Die Stufe richtet sich nach der Dauer ihrer Dienstzeit. In der Gruppe E9 befinden sich teilweise noch Fachlehrer an einigen Förderschularten. Quelle: GEW.

Auf Ihrem Blog "Fairplay im Lehrerzimmer" habe ich eine ganze Streichliste gesehen – mit Lehreraktivitäten, die gekürzt werden sollen, sollte die Staatsregierung nicht in Ihrem Sinne einlenken.

A.W.: Das Wort "Streichliste" möchte ich gern relativieren. Wir kommen einfach auf das reguläre Kerngeschäft zurück.

Wir machen so viel nebenbei, was mittlerweile selbstverständlich geworden ist. Das reduzieren wir.

Da ist zum Beispiel der Tag der Offenen Tür, der außerhalb der Arbeitszeit ohne Aufwandsentschädigung stattfindet. Theaterbesuche, Konzerte, Weihnachtsfeiern, Lesenacht in der Schule und so weiter ebenso.

K.B.: Was Eltern und Verantwortlichen klar sein muss ist, dass wir keine Abstriche an unserer "Kern-Arbeit" vornehmen. Wir haben unseren Arbeitsvertrag. Der wird erfüllt, aber Dinge, die zur Selbstverständlichkeit geworden sind, die wir außerhalb unseres Dienstgeschäftes machen, die werden zurückgefahren.

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Dorit Kretzschmer ist seit 1990 im Schuldienst. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Dorit Kretzschmar (D.K.) [schaltet sich ein]: Wir haben viele Dinge unentgeltlich gemacht und irgendwann wurde das selbstverständlich. Man hat es einfach akzeptiert. Heute wird man ganz komisch angeguckt, wenn man sagt: "Ich mach das nicht mehr." Die Reaktion ist: "Warum? Biste geldgeil? Biste neidisch?" Und das ist es nicht. Wir hatten wirklich große Hoffnungen, bevor dieses Handlungsprogramm herauskam. Wir dachten, die verbeamten die Jungen und für die Alten fällt auch etwas Adäquates ab. Sachsen hatte in den letzten 30 Jahren immer Spitzenplätze in der Bildung. Und dafür gibt es ja einen Grund. Das hat ganz viel mit unserem Lehrerethos, unserer Arbeit der letzten Jahrzehnte zu tun, mit dem wir noch groß geworden sind.

Wir haben jetzt einfach keine Lust mehr. Die derzeitige Entwicklung lässt uns überaus negativ in die Zukunft blicken.

Wie begegnen Ihnen die Eltern der Schüler?

K.B.: Wir hatten Ministerpräsident Michael Kretschmer und Bildungsminister Christian Piwarz zu Besuch in der Schule. Dazu waren auch Schüler- und Elternvertreter geladen. Diese haben uns offen ihre Solidarität bekundet. Den Eltern ist natürlich in erster Linie wichtig, dass ihre Kinder eine ausgefüllte Schulzeit mit motivierten Lehrern haben.

A.W.: Auf jeden Fall besteht ein großer Gesprächs- und Aufklärungsbedarf.

Einen Teil der Eltern haben wir mit im Boot. Ein anderer Teil vertritt die landläufige Meinung, dass der Lehrer an sich mehr arbeiten kann. Es ist für uns schwer abschätzbar, wie stark da der Rückhalt insgesamt ist.

Wir werden aber keine Lehrer und Schüler aufwiegeln. Das ist nicht unser Anliegen.

Ist es Thema im Unterricht?

Wir verstecken uns nicht, haben uns T-Shirts gestaltet mit dem Aufdruck "Fairplay im Lehrerzimmer". Dann wird gefragt: Warum tragen Sie das? Die Schülervertreter der oberen Klassen beschäftigt das schon. Sie zeigen grundsätzlich Verständnis für unsere Situation. Andererseits haben sie auch Angst. Gerade auch die, die im kommenden Jahr ihr Abitur ablegen wollen, haben Sorge, dass sich die Defizite doch irgendwie auswirken. Es ist eine Stimmungsmischung.

Eigentlich auch wie im Lehrerzimmer.

K.B.: Richtig.

D.K.: Absolut.

A.W.: Noch gibt es nach unserer Einschätzung keine Lagerbildung im Lehrerzimmer. Sicherlich gibt es eine Reihe von Kollegen, die sich denken, sie seien auf der Gewinnerseite und sich deshalb mit einer Meinungsäußerung zurückhalten. Wir werden sehen, wie es dann im Januar ist – mit der erfolgten Verbeamtung. Wir werden aber unsere Wut nicht an den neuen, verbeamteten Lehrern auslassen. Die können nichts dafür.

Was frustriert Sie derzeit so stark?

A.W.: Der eingetretene Stillstand, die politische Arroganz, das Agieren vom Schreibtisch aus auf Grundlage von Zahlen, aus nicht-pädagogischer Sicht: Dinge zu entscheiden, die völlig praxisfern sind. Man sorgt einfach nur dafür, dass vor jeder Klasse ein Lehrer steht – egal was für einer, egal wo er herkommt. Die Stundentafelkürzung ist auch so ein bürokratisches Vorgehen. Mich ärgert dieses Unverständnis für die Gefühle der älteren Kollegen, die von der Wende an alles mitgetragen haben, alle Dinge abgenickt haben. Irgendwann ist das Fass einfach übergelaufen.

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Kathrin Borgmann. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Gerade die jungen Kollegen, die frisch von der Uni kommen, die nicht über meine Lebens- und Arbeitserfahrung verfügen, die viele Fragen haben, bekommen mehr Geld für die gleiche Arbeit, die ich leiste. Und das finde ich hochgradig ungerecht.

A.W.: Also um korrekt zu sein: Die Bruttogehälter sind schon vergleichbar. Aber die Beamten haben deutlich weniger Abgaben. Sie müssen keine Sozialabgaben leisten. Das macht am Ende einen großen Unterschied.

K.B.: Als letztes noch ein weiterer Punkt, der uns beschäftigt: Stichwort Seiteneinsteiger. Mit ihnen versucht man jetzt, massive personelle Lücken zu schließen. Gerade in den Grundschulen sind etwa 80 Prozent der Neuen Seiteneinsteiger. Da wird mir angst und bange. Ich bin mir sicher, dass ein großer Prozentsatz mit Enthusiasmus an diese Aufgabe herangeht und bin dennoch froh, dass ich selber kein Kind mehr im Grundschulalter habe. Ein Pädagogikstudium ist nicht im Vierteljahrescrashkurs zu absolvieren.

Bilder Lehrerinnen im Interview

Die Wortführerinnen im Interview mit MDR SACHSEN: Kathrin Borgmann (47), Lehrerin für Deutsch und Geschichte und Andrea Weise (58), Lehrerin für Deutsch, Englisch und Ethik am Gymnasium Luisenstift Radebeul.

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Die Wortführerinnen im Interview mit MDR SACHSEN: Kathrin Borgmann (47), Lehrerin für Deutsch und Geschichte und Andrea Weise (58), Lehrerin für Deutsch, Englisch und Ethik am Gymnasium Luisenstift Radebeul. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Die Wortführerinnen im Interview mit MDR SACHSEN: Kathrin Borgmann (47), Lehrerin für Deutsch und Geschichte und Andrea Weise (58), Lehrerin für Deutsch, Englisch und Ethik am Gymnasium Luisenstift Radebeul. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Kathrin Borgmann und ihre Kolleginnen verstehen, dass nicht alle Lehrer verbeamtet werden können - erwartet aber einen finanziellen Ausgleich. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Andrea Weise ist seit 1982 im Schuldienst. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Dorit Kretzschmar (52) lehrt Englisch und Russisch. Sie findet es grundfalsch, dass in der neuen Stundentafel an den Fremdsprachen gespart wird. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Grit Höhne (52) unterrichtet Mathe und Geografie. Gemeinsam mit der Lehrer-Initiative "Fairplay im Lehrerzimmer" setzt sie sich für eine Gehaltszulage für die Lehrer ein, die nicht verbeamtet werden können. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
eine Gruppe von Gymnasiallehrerinnen
Alle vier sind sie in ihrer Schule Mentorinnen für Referendare. Sie unterstützen den Lehrernachwuchs also bei der praktischen Ausbildung. Das tun sie nach eigener Aussage gern, aber: "Mit nur einer Abminderungsstunde pro Woche steht der große Aufwand dieser Ausbildung in keinem Verhältnis zur Vergütung." Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Die Wortführerinnen im Interview mit MDR SACHSEN: Kathrin Borgmann (47), Lehrerin für Deutsch und Geschichte und Andrea Weise (58), Lehrerin für Deutsch, Englisch und Ethik am Gymnasium Luisenstift Radebeul. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Es ist eine verfahrene Situation… Der Freistaat sah sich in einer Zwangslage: Er musste – um mit den anderen Bundesländern im Anwerben junger Lehrer wettbewerbsfähig bleiben – die Verbeamtung einführen. Dabei fallen die Älteren aber hinten runter. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, um eine Art Gerechtigkeit in den Lehrerzimmern wiederherzustellen?

A.W.: Eine monatliche Zulage für angestellte Lehrer könnte eine Nettolücke ausgleichen. Das wäre eine Möglichkeit.

Wie hoch wäre so eine Zulage denn beispielsweise an Ihrem Gymnasium?

A.W.: Das kommt auf die Anzahl der Jahre an, die man schon im Schuldienst arbeitet. Danach richtet sich auch die Lohnhöhe. Bei mir wären das ungefähr 600 Euro netto, die ich per Zulage bekommen müsste.

Das Kultusministerium meint, mit jährlichen Leistungsprämien für etwas mehr Gerechtigkeit sorgen zu können. Die Prämien sollen über die Schulleiter an die Lehrer, die sich über den Arbeitsvertrag hinaus engagieren, weitergegeben werden.

A.W.: Leistungsprämien gibt es an sich schon immer – sofern die Haushaltslage es zulässt. Von nun an sollen die stetig, also wirklich jedes Schuljahr, gezahlt werden. Das ist neu. Aber was bitteschön ist eine Leistungsprämie? Eine Prämie für besondere Leistungen. Und die kann der verbeamtete genauso wie der angestellte Lehrer vollbringen. Es steht beiden Seiten zu. Das hat gar nichts mit einem Ausgleich von Ungerechtigkeiten zu tun.

K.B.: Uns geht es um die Arbeit, die wir tagtäglich leisten, die viele Kollegen die letzten 30 Jahre geleistet haben. Das kann man nicht einfach so mit einer Leistungsprämie, die man vielleicht zweimal in seinem Lehrerleben bekommt, abgelten. Ich habe bisher eine bekommen. 

Die CDU in Sachsen argumentiert auch damit, dass es bald Beförderungsstellen geben soll – heißt, dass angestellte Lehrer auch in die Tarifgruppe E14 eingruppiert werden können. Bisher geht es nur bis zur E13. Ein Fortschritt für Sie?

K.B.: Nein. Aus dem einfachen Grund: Weil das nicht allen angestellten Kollegen zugutekommt. Und es geht nicht um die Arbeit, die wir tagtäglich leisten.

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Kathrin Borgmann mit Andrea Weise. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Weiterhin weisen die Staatsregierung und CDU auf den anderen Status von Beamten hin – der an andere Pflichten geknüpft ist. Beamte dürfen im Zweifelsfall an andere Orte versetzt werden, sie dürfen nicht streiken.  Kultusminister Piwarz hat es vergangene Woche im Landtag wieder betont: Angestellte Lehrer dürfen ja streiken und für höhere Löhne in den Tarifkampf gehen. Tröstet Sie das?

A.W.: Das ist auf dem Papier richtig. Allerdings muss man wissen, dass die Entgelte von Beamten und Angestellten tarifrechtlich miteinander verbunden sind. Alle Lohnerhöhungen, die Angestellte erstreiken, bekommen automatisch die Beamten auch.

Genauso ist es übrigens mit den von Ihnen eben angesprochenen E14-Beförderungsstellen. Gibt es an einem Gymnasium 20 Prozent solcher Stellen für Angestellte, bekommen die Beamten genauso viele Stellen in dieser Gehaltsgruppe für Beamte, also A14-Stellen.

Das heißt, die "Lücke" bleibt bestehen - auf einem höheren Niveau?

A.W.: Ja. Deswegen hilft auch nur so eine Zulage.

Stichwort Zulage und Rechtsweg. Die Union meint ja, die Zahlung regelmäßiger Zulagen wäre ein Rechtsbruch.

A.W.: Sobald Zulagen gezahlt werden, die Lohnbestandteil sind, gilt das für alle Angestellten im öffentlichen Dienst. Dazu zählen unter anderem Polizisten. Die müssten dann auch in den Genuss der Zahlungen kommen. Deswegen müsste man die Zulagen außertariflich zahlen. Ich denke, was für Politiker mit ihren Aufwandsentschädigungen gilt, müsste für Lehrer auch gelten. Wenn ein politischer Wille vorhanden wäre, würde man hier einen Weg finden.

Der Koalitionspartner SPD arbeitet ja nach eigener Aussage gerade einer Art Ausnahmeregelung, um angestellten Lehrern eine monatliche Zulage zahlen zu können. Glauben Sie, dass sich in Ihrem Sinne etwas tun wird?

K.B.: Wir hatten die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Sabine Friedel, zu Gast in unserer Schule. Wir haben sie auf die Zulagen angesprochen. Die Frage ist tatsächlich, inwieweit kann sich der kleinere Koalitionspartner an der Stelle durchsetzen. Und da sind unsere Hoffnungen eher gering.

Das Gespräch führte Sandra Thiele.

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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.07.2018 | 06:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2018, 13:10 Uhr

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38 Kommentare

15.09.2018 13:55 Gohlis 38

Ich habe heute (15.9.2018) erfahren, dass "Fairplay im Lehrerzimmer" vom Arbeitgeber gesperrt wurde, die Website musste gelöscht werden und die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind erheblich unter Druck geraten. Ist das das Demokratieverständnis der sächsischen Staatsregierung und des Kultusministeriums? @mdr: Bitte recherchieren und informieren Sie in dieser Sache! Danke.

07.07.2018 09:31 Ein Lehrer 37

@Ichich:
... und wieder die uralten Klischees ...
Ich bin dafür, dass die Begabtesten in Physik theoretische Physik studieren. Die "Leute", die mit Kindern "gut umgehen können", gute physikalische Kenntnisse haben und weiteren allgemeinen Anforderungen gerecht werden, wären für das Lehramt "Physik" vielleicht geeignet. Und diejenigen, die (z.B.) gute handwerkliche Fähigkeiten besitzen, dürften im handwerklichen Bereich gut aufgehoben sein. Deswegen hätte ich aber nicht die Anmaßung, über deren intellektuellen Fähigkeiten zu urteilen.
Ich merke, dass wir scheinbar verschiedene Leute kennen. Dabei freut es mich, dass Sie ihren gesamten Abiturjahrgang kennen und einschätzen können. Respekt! Meine Erfahrungen beziehen sich nur auf hunderte Lehrer, die ich selbst kennengelernt habe, und jahrelange Erfahrungen mit den Abiturjahrgängen in den Schulen, in denen ich unterrichte.

06.07.2018 20:48 Lehrer in Sachsen 36

2. Finde ich es ein Unding, diese Unzufriedenheit auf dem Rücken der Kinder auszutragen. Klassenfahrten sind definitiv Dinge, die zum Dienstgeschäft eines Lehrers dazu gehören, vielleicht sollten sich die Damen dazu mal die entsprechenden Dienstvorschriften zu Gemüte führen - Stichwort Bildungsauftrag!
3. Warum kaufen die Damen von ihrem Privatvermögen Dinge für den Schulgebrauch? - Hier sollten Sie mal ansetzen!
4. Bei all dem Gezanke, um mehr Geld, hätte ich gern von den Damen gewusst, welchen alternativen Vorschlag sie haben, um wieder mehr junge Lehrer in Sachsen zu halten bzw. von einem Wechsel nach Sachsen zu überzeugen? - Denn wenn ein Beamter nach Sachsen will, musste er bisher seinen Status abgeben, was automatisch bedeutete, er muss seinen Rentenkassenbeitrag, sollte er noch keine 5 Jahre Beamter gewesen sein, aus eigener Tasche nachzahlen (7% von 200k brutto auf 4 Jahre = 14.000€). Woher ich das weiß? - Ich rede mit Leuten, die Sachsen nach der Uni verlassen haben.

06.07.2018 20:41 Lehrer in Sachsen 35

Ich muss mich hier mal einschalten.
1. Ist die Ansage von der Frau, sie benötige 600€ mehr Netto, total daneben!!!
Es gibt kein Jahr in dem der Beamte 600€ mehr Netto verdient, als der Angestellte! zu KEINEM Zeitpunkt. Ich habe mich mal für eine PKV beraten lassen und mir wurde klar gesagt, wenn sie eine gute Versicherung mit einigermaßen stabilen Beiträgen wollen, dann müsse man schon 220-250€ pro Monat rechnen. Dieser Betrag gilt allerdings nur, wenn sie kerngesund sind und keine chronischen Leiden haben, sowie in den letzten 10 (ZEHN) Jahren keine nennenswerten Arztbesuche (Psychater, Orthopäde, etc) hatten. D.h. Die Gehaltsunterschiede pro Monat belaufen sich auf 140 bis 480€ für einen kerngesunden 25 Jährigen. Sobald man älter sei oder nennenswerte Krankheiten hat, schnellen die Beiträge extrem hoch, so dass das Netto-Lohn-Plus "gefressen" wird.
Darüber sollten sich diese verweigernden Damen mal informieren.

06.07.2018 20:17 Ichich 34

Selbstverständlich kann man auch ohne herausragende intellektuelle Fähigkeiten Lehrer werden und seine Arbeit hervorragend machen. Ich muß schon ein bißchen schmunzeln, wenn erklärt wird, die Begabtesten in Natur- oder Geisteswissenschaften studierten auf Lehramt. :-) Meine Kenntnisse beruhen auf persönlichen Kontakten und freundschaftlichen Beziehungen, meinem Geschichtsstudium, bei dem die Hälfte der Studenten "auf Lehramt" studierten sowie einer ausgiebigen Tätigkeit für ein sog. "Landesamt für Besoldung und Versorgung", Abt. verbeamtete Lehrer. Ach ja, bei meinem eigenen Abiturientenjahrgang hat niemand der oberen 50% auf Lehramt studiert.

06.07.2018 17:20 Ein Lehrer 33

@Ichich:
Und schon "fliegen wieder die alten, ach so einfachen Klischees und Vorurteile durch den Saal" ...
1. Dieses Jahr habe ich wieder Prüfungen korrigiert (gleichzeitig neben dem Unterricht und weiteren Aufgaben). Ich kann Ihnen gern beschreiben, wie eine 60h-Woche aussieht. Also lachen Sie doch einfach.
2. Die überwiegende Mehrzahl meiner Kollegen und Kolleginnen, die ich kenne, dürften sich aus dem "oberen Drittel" eines Abiturjahrgangs "rekrutieren". Gleiches gilt für die Exabiturienten, die ich kenne. Ich habe keine Ahnung, woher Sie ihre Kenntnisse "beziehen". Und: kann man einen Beruf nicht auch zufriedenstellend ausfüllen, wenn der Notendurchschnitt unter 1,3 liegt?
Einen schönen Abend noch!

06.07.2018 14:52 Ichich 32

@Paulson, vergleichbare Tätigkeiten: Welche ? Da scheinen einige Damen und Herren in den Lehrerzimmern zu vergessen, daß sich die meisten Lehrer aus dem unterern Drittel eines Abiturientenjahrganges rekrutieren. Wenn ich die "Belastung" durch "Überstunden" bei Lehrern sehe, muß ich lachen. Weiß man im Kollegium, was 60-Std.-Wochen sind ? Und, nein ... ich hatte gute Lehrer und war ein guter Schüler. Ein sehr guter, ehrlich gesagt. :-)

06.07.2018 06:52 Robert Paulson 31

@Morchelchen: So ein Unsinn. Erstens weigere ich mich die Bezahlungen zweiter nicht vergleichbarer Berufe zu vergleichen, zum Beispiel Arzthelfer vs. Lehrer. Wenn, dann bitte vergleichbare Tätigkeiten. Zweitens ist es eine Mär, dass der Großteil der Bevölkerung weniger als die angesprochenen 2kpM hätte und drittens, wer mehr Brutto erhält, zahlt heftig Steuern. Vierter Punkt: Dass Sachsen ein Niedriglohnland ist, verdanken wir der CDU seit 1990. Damit wirbt diese Partei und das Wirtschaftsministerium offen. Alle fanden es geil, keine Neuverschuldung im Landeshaushalt zu haben, Leuchtürme zu fördern, eine eigenen Landesbank zu haben. Fünftens: es nervt tierisch dieses typische (ost)deutsche Neidmentalität. Wenn man feststellt, der andere bekommt mehr als man selbst, muss das falsch sein und natürlich gehört dem was weggenommen. Anstatt den Arsch hochzubekommen und was zu tun, wie diese Lehrerinnen.

05.07.2018 22:43 Auch Lehrer 30

@Morchelchen, haben sie dich also auch einkassiert... Das Prinzip "Teile und herrsche" wird hier noch mit ein wenig Neid unterfüttert und schon funktioniert es wie immer.
Es geht nicht darum auf die Jüngeren neidisch zu sein. Schließlich will ich für meine Tochter auch nur das Beste.
Die Situation hat unsere Landesregierung herbeiregiert. Bundesweit waren/sind die sächsischen Lehrer am schlechtesten bezahlt. Trotzdem bin ich seit 25 Jahren im Dienst und nicht des Geldes wegen weggezogen. Doch wenn schon nicht auf bundesdeutscher Ebene "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" hinzubekommen ist, dann doch wenigstens auf Landesebene. Ist das zuviel verlangt? Lassen wir uns weiter gegeneinander ausspielen? Geschichte kann auch lehrreich sein ...

05.07.2018 19:44 Morchelchen 29

Also, dass Polizisten davon träumen, hätte ich bis vor Kurzem auch gedacht. Aber ich sah ein Interview mit einem Beamten von der Berliner Kriminalpolizei, das mich nachdenklich machte. Er beklagte, dass dortige Einsatzkräfte bedeutend besser verdienen würden, um die 600 Euro mehr im Monat. Sein Nettoverdienst betrug "nur" 2600 Euro... Somit stelle ich genervt fest, dass "Klagen auf hohem Niveau" in diesem Lande medienüblich ist, während der Großteil der schaffenden Bevölkerung, "stumm geschaltet", brav vor sich hin werkelt, für bedeutend weniger im Monat. Wenn ich noch die jetzt offen angeprangerten Skandallöhne auf den Flusskreuzfahrtschiffen dagegen setze - dann könnte ich gleich in den Teppich beißen! Wer über 2000 Euro netto bezieht, wie auch noch mehr, der sollte jeden Tag dafür dankbar sein. Altlehrer, genießt doch euer gutes Gehalt, anstatt neidisch auf die Jungschen zu schielen. Ihr habt lange gutes Geld verdient, aber die wissen doch gar nicht, was noch kommt!

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